Umsatz mit Vereinen
Im Vereinsleben steckt für Gastronomen jede Menge Geschäft / Netzwerk pflegen
STUTTGART. Wer mit Vereinen Partnerschaften schmiedet, erschließt sich ein interessantes Publikum. „Wir unterstützen Vereine schon seit langem“, sagt etwa Patrick Ernst, Juniorchef des Hotels Hanauer Hof in Appenweier, der örtlichen Vereinen Räumlichkeiten auf Anfrage kostenlos überlässt. „In betriebswirtschaftlicher Hinsicht rechnet sich das durch den zusätzlichen Verzehr und die schöne Mundpropaganda“, so Hotelier Ernst.
Regelmäßige Vereinssitzungen wollen durchgeführt werden, und oft genug bietet das Vereinsleben im Jahreslauf Anlässe, sich zu geselligem Beisammensein auch jenseits des Vereinszwecks zu treffen. Nicht immer steht ein Vereinsheim zur Verfügung, und für die alljährlichen Hauptversammlungen, aber auch für Vereinsfeste sowie private Feiern der Mitglieder heißt es für Vereine oft, sich nach größeren oder auch gemütlicheren Räumlichkeiten umzutun – und nach Bewirtung mit Speis’ und Trank. Geht der Verein auf Reisen, werden je nach Reiseziel und -planung auch Übernachtungen für die ganze Truppe samt mitreisenden Freunden und Verwandten fällig.
Um sich für Vereins-Aktivitäten attraktiv zu machen, kann der Gastronom verschiedene Wege beschreiten. Kaum aus dem Rahmen des Üblichen dürfte die einfache Tisch-Reservierung fallen, etwa für turnusmäßige Sitzungen von Clubs, die über keine eigenen Räumlichkeiten verfügen. Verfügt der Betrieb über entsprechende Räume, kann er diese für Vereins-Veranstaltungen termingerecht freihalten. Je nach Nachfrage kann in kleinem Maßstab Veranstaltungstechnik vorgehalten werden, etwa ein Flipchart, ein Projektor oder Beamer, vielleicht auch ein Mikrofon nebst Verstärker und Lautsprechern, um Rednern das Leben leichter zu machen.
Nicht zuletzt kann etwa ein gastronomischer Betrieb auch die Versorgung von Veranstaltungen im Vereinsheim oder im Freien anbieten. Hier sind nicht nur Speisen und Getränke interessant: Das nötige Essgeschirr, bei Freiluftveranstaltungen auch Tische, Bänke und Schirme sind Artikel, die viele Vereine zwar ab und an benötigen, aber nur selten selbst besitzen oder termingerecht zusammentragen können.
Viele, gerade kleinere Vereine, führen eine schmale Kasse. Für die sind Angebote etwa zur mietfreien Nutzung einschlägiger Räumlichkeiten und gegebenenfalls technischer Hilfsmittel ein starkes Argument für eine Buchung. Auch Sonderkonditionen für Gruppenreisende beziehungsweise -speisende sind denkbar, verbilligte Preise ebenso wie das Angebot besonderer, gegebenenfalls wunschgemäßer Speisen und Getränke, im Hause wie bei der Außer-Haus-Verpflegung. Je nach Vertrauensstand lässt sich der Vereins-Verzehr auch auf Sammelrechnung buchen und später mit dem Verein abrechnen – Bequemlichkeit als Vorteil für den Gast.
Pluspunkte ernten Gastronomen und Hoteliers, wenn sie sich im Kontakt mit Vereins-Verantwortlichen als dienstleistende Partner präsentieren, die ein offenes Ohr für die je besonderen Bedürfnisse und Nöte haben und – im Rahmen des betriebswirtschaftlich Möglichen – bereit sind, dem Verein etwa bei der Veranstaltungsvorbereitung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Unter Marketing-Gesichtspunkten profitiert der Gastronom in verschiedener Hinsicht vom Vereinsleben. Neben dem unmittelbaren Umsatz-Effekt etwa einer Vereinssitzung fördert der Betrieb seine Präsenz im Bewusstsein der Gäste. Stimmt die Qualität von Angebot und Service, darf er mit erfreulichen Nebeneffekten rechnen, etwa damit, dass Vereinsmitglieder auch bei privaten Gelegenheiten auf die Leistungen seines Hauses zurückgreifen. Und wer sich gut bedient sieht, spricht auch darüber – und leistet kostenlose Mund-Propaganda für den Betrieb, und das nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Kontakt mit anderen Vereinen.
Allerdings: Auch wenn sich Vereine in der Regel weniger anspruchsvoll geben als beispielsweise Firmenkunden – die Konkurrenz schläft nicht. Kritik von Seiten des Vereins-Kunden sollte deshalb stets ernst genommen und für die Zukunft berücksichtigt werden. Feingefühl und Argumentationsstärke sind erforderlich, wenn es gilt, notwendige Preiserhöhungen dem Verein gegenüber zu vertreten: Kassenwarte sind oft sehr kostensensibel, und Vereins-Verantwortliche sind gehalten, mit den Beiträgen ihrer Mitglieder sorgsam umzugehen.
Hartmut Camphausen