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Aprikosen mit Thymian und Schoko-Eis auf Schokoböden. Fotos: Pleil

AHGZ-Serie „Die kreative Frau am Herd“ Vreni Giger vom Jägerhof in St. Gallen

Vegetarische Genüsse entlang der Saison

Vreni Giger wurde vom Schweizer Gault Millau zur Köchin des Jahres 2003 gekürt / Keine Gänsestopfleber und keine Tomaten im Winter

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2003/33 vom 16. August 2003

ST. GALLEN/Schweiz (dpl). Auf den Titel „Schweizer Köchin des Jahres 2003“ ist Vreni Giger (30) zu Recht stolz, dokumentiert die Auszeichnung des Gourmetführers Gault Millau doch berufliche Höchstleistung. Ganz wichtig ist es der Bauerntochter aus dem Appenzeller Land jedoch, die mit Leib und Seele Köchin ist, mit ihrer Kochkunst den Gästen im Kulturhotel „Jägerhof“ Freude zu bereiten.

Vreni Giger (seit zwei Jahren mit einem Informatiker verheiratet): „Auch ich esse lieber, als selbst am Herd zu stehen. Aber Kochen ist ein Beruf, an dem ich Freude und für den ich auch eine Begabung habe. Es gibt nur wenige Berufe wie den des Kochs, in denen man täglich Anerkennung erfahren kann.“ Vreni Giger ist selbstkritisch genug, auch für Fehler gerade zu stehen. Sie speist kritische Gäste nicht als Meckerer ab, sondern setzt sich mit Kritik auseinander. Ihr Credo lautet. „Ich kann nur so gut sein, wie mein Team. Und dazu gehört auch der Service.“

Dass Vreni Giger die 6-köpfige Küchenbrigade im mit 16 Punkten höchst bewerteten Voll-Bio-Restaurant der Schweiz führt, sieht sie als schicksalhafte Fügung an. Nach der Lehre wollte sie mit 21 etwas von der Welt kennen lernen. Giger: „Das einzige vernünftige Angebot, das ich aus dem Ausland erhielt, kam ausgerechnet von der Karibikinsel St. Martin. Ein Hurrikan, der das ganze Hotel wegfegte, verkürzte das für ein Jahr vorgesehene Engagement auf 3 Monate.“

Konzept: Bio-Frischküche

Sie kehrte in die Schweiz zurück, gab kurze Gastspiele in einigen guten Häusern und suchte sich dann eine Stelle in der Nähe ihres Heimatdorfes Teufen. Sie wurde im Kulturhotel Jägerhof in St. Gallen fündig. Der Jägerhof ist ein äußerlich unauffälliges 3-Sterne-Haus nahe dem Klinikum, dessen geschmackvolles Ambiente im Inneren die Handschrift der Chefin trägt und jeden neuen Gast überrascht. Von den Besitzern Simone und Ueli Lanz und von deren Philosophie einer Bio-Frischküche fühlte sich Vreni Giger sofort angezogen, später von beiden gefördert und behütet.

Als sich 6 Monate später der Küchenchef selbstständig machte und Simone und Ueli Lanz mit zwei Nachfolgern kein Glück hatten, erkannten sie, dass sie mit der damals 23-jährigen Vreni Giger die Idealbesetzung bereits im Haus hatten. Giger: „Ich durfte auch mal einen Fehler machen und habe daraus gelernt.“ Angesichts des schon zuvor praktizierten Grundsatzes, verstärkt beste Produkte aus der Region und aus biologischem Anbau zu verarbeiten, war es nur folgerichtig, dem später von Bio Swiss entwickeltem „Knospe“-Konzept (was in etwa „Demeter“ in Deutschland entspricht) zu folgen.

Nur heimische Produkte

Vreni Giger: „Die Einschränkungen, beispielsweise keine Gänsestopfleber, keine lebenden Fische oder Hummer im Bassin, entsprach ohnehin unserer Einstellung. Natürlich bringt die Bio-Zertifizierung spürbarere Einschränkungen. Vreni Giger: „Bei uns gibt es Spargel erst, wenn er in der Schweiz Saison hat, also im Juni. Im Winter gibt es keine Tomaten, die Erdbeer-Saison dauert nur drei Wochen, Kirschen, Himbeeren, Aprikosen werden nur eingekauft, wenn sie bei uns reif sind. Die ersten Kiwi beziehen wir von einer Schweizer Plantage im Januar. Der schlimmste Monat für uns ist der März. Da stehen andernorts Spargel und alle möglichen Früchte und Gemüse vom Weltmarkt auf der Karte. Nur bei uns nicht.“

Eine Ausnahme macht Vreni Giger – inzwischen seit sieben Jahren im „Jägerhof“ – lediglich bei Früchten: „Auf Mandarinen, Orangen, Grapefruit und Passionsfrucht kann ich im Winter nicht ganz verzichten.“ Die Karte für ihre drei Menüs (Vegetarisch, Fisch und Traditionelles) schreibt Vreni Giger täglich von Hand, kurz vor Servicebeginn, wenn sie die eingegangenen Produkte genau unter die Lupe genommen hat.

Sie kocht phantasievoll, aber meist „aus dem Bauch heraus“, wie sie sagt. Sie spürt den Düften der Kindheit nach, kombiniert gern Süß und Sauer, probiert Neues aus, um später irgendwann beim Schmökern in einem alten Kochbuch festzustellen, das ihr vermeintlich neues Gericht auch schon einmal da war. Für die Leser der AHGZ kochte Vreni Giger das folgende vegetarische Menü:

Zucchettitatar

auf Tomatenkompott

Zutaten für 4 Personen

200 g Zucchetti, 1 Zwiebel, 1 Knob-
lauchzehe, Basilikum, Salz, Pfeffer, 4 Tomaten, 4 gelbe Tomaten, 1 dl Olivenöl, Thymian, Knoblauch, Salz, Pfeffer.

Zubereitung

Die Tomaten schälen, vierteln und entkernen. Olivenöl mit Thymian und Knoblauch aufkochen, über die Tomatenviertel gießen und zirka eine halbe Stunde ziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Zucchetti in Brunoise schneiden und mit dem Knoblauch, Zwiebel und etwas Olivenöl andünsten. Abschmecken und zuletzt fein geschnittenes Basilikum zugeben. Turmförmig anrichten und mit dem Tomatenkompott servieren.

Taleggio-Tortellini

an Frühlingslauch

Zubereitung (4 Personen)

Aus 200 g Mehl, 2 Eiern, 2 Eigelb, 1 EL Öl und 1 EL Wasser einen Teig bereiten und ihn eine Stunde ruhen lassen. Weitere Zutaten:
100 g Taleggio-Käse, 50 g Butter, etwas Frühlingslauch, Salz. Den Teig dünn ausrollen, in Quadrate schneiden, jeweils ein kleines Stück Taleggio auf jedes Teigstück geben und Tortellini formen. Den Frühlingslauch fein schneiden, in Butter andünsten, etwas salzen. Die Tortellini kochen, vor dem Servieren mit Lauchbutter übergießen.

Kräutersäcklein

mit Pfifferlingsragout

Zutaten für 4 Personen

Crêpes: 2 dl Milch, 2 Eier, 100 g Mehl, Salz, Pfeffer, gehackte Kräuter, Butter. Lange „Lauchschnüre“ zum Binden.

Ragout: 1 fein gehackte Zwiebel,
1 EL Butter, 300 g Eierschwämmli (Pfifferlinge), 1 dl Sahne, Salz, Pfeffer.

Zubereitung

Die Crêpes-Zutaten zu einer glatten Masse verrühren, Crêpes herstellen und warm stellen. Zwiebel in der Butter andünsten, die geputzten Pilze zugeben und mitdünsten. Die Sahne zugeben, etwas einreduzieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Etwas Ragout auf ein Crêpe geben, einen kleinen Sack formen und mit der Lauchschnur zubinden.

Aprikosen mit Thymian

und Schoko-Eis auf Schokoböden

Zutaten

Eis: 5 dl Milch, 5 dl Kaffesahne, 150 g Zucker, 50 g Kakaopulver, 100 g Eigelb zur Rose abbinden und dann im Freezer frieren.

Schokoböden: 2 Eigelb, 70 g Zucker, 85 g weiche Butter, 1 Prise Salz, 100 g Mehl, 12 g Kakaopulver, 7 g Backpulver.

Zubereitung

Butter mit dem Zucker schaumig rühren, Eigelb zugeben, dann mit den restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten. Kühl stellen, dann zwischen Backpapier ausrollen und runde Böden von 5 cm Durchmesser ausstechen. Mit der Form bei 150 °C 3 bis 5 Minuten backen.

Karamellisierte Aprikosen:

10 Aprikosen, 2 EL Butter, Thymian, 100 g Zucker, 5 cl Weißwein.

Die Aprikosen vierteln, in Butter andünsten, Zucker zugeben, karamellisieren. Thymian und Weißwein zugeben, Aprikosen weich pochieren. Schokoböden aus der Form lösen, darauf die Aprikosen anrichten und mit einer Kugel Schokoeis servieren.

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