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Vom Amtsgericht zum Nationalgericht
Sauerbraten kurbelt den Tourismus im Vogtland an / Sauerbraten-Grand-Prix findet im September statt
PLAUEN (ru). Wozu andere Regionen Jahrzehnte brauchten, benötigte das Vogtland nur ein Jahr. Vogtländischer Sauerbraten ist nach einem Amtsgerichtsurteil des vergangenen Jahres zum Tourismusmotor geworden, es gibt in Auerbach einen „Arbeitskreis Deutscher Sauerbraten“ und so genannte „Botschafter des Sauerbratens“ amtieren nicht nur in Sachsen, sondern auch in Thüringen, in Berlin und sogar in Südtirol. Das Gericht aus Rindfleisch mit Klößen und Rotkraut ist sogar Grundlage für Events geworden. So soll in Auerbach am 19. und 20. September erstmals ein „Sauerbraten-Grand-Prix“ durchgeführt werden und auf dem Neumarkt feiern Einwohner und Gäste die „1. Sauerbraten-Kirmes“.
Die Geschichte des vogtländischen Gerichts, für das jetzt auch Markenschutz beantragt wird, begann beim Amtsgericht Auerbach. Eine Wirtin wollte die Rechnung eines Gastes einklagen, der nicht bezahlte, weil ihm der Sauerbraten nicht geschmeckt habe und nicht „echt“ gewesen sei. Der Amtsrichter wies die Klage kostenpflichtig für die Wirtin zurück. Das Corpus Delicti war nicht mehr zu beschaffen.
„Jetzt werden wir beweisen, dass in den Gaststätten des Vogtlands nur Qualitätsgerichte angeboten werden“, schworen sich all jene, die über das Urteil erbost waren. Landrat, Oberbürgermeister, Wirtschaftsförderer, Unternehmer und sogar der Amtsgerichtsdirektor aus Auerbach, Horst Liebhaber, gründeten den „Arbeitskreis Deutscher Sauerbraten“ und ermittelten den
1. Sauerbraten-König.
Thomas Böhm aus Klingenthal gewann den Wettbewerb und wurde zum Medienstar. „Das bewirkte eine hundertprozentige Umsatzsteigerung in meinem kleinen Lokal. Vor allem auch Touristen aus den alten Bundesländern kehrten voller Neugier bei mir ein“, freut er sich. „Und das, obwohl es von uns aus nur wenige Schritte zur Grenze nach Böhmen sind. Bekanntlich sind dort die Preise in des Gaststätten viel geringer als bei uns.“
Auch Heiner Lay aus Dresden, der den Kreativpreis gewann, bilanzierte einen deutlichen Aufschwung. In seinem Restaurant stieg die Nachfrage nach dem Sauerbraten mittlerweile um das Sechsfache.
Am 19. und 20. September läuten nun die cleveren Tourismusförderer eine neue Runde ein. Zunächst gibt es in der Auerbacher Nikolaikirche das zweite Wettkochen. Je ein Bewerber aus Sachsen, Bayern, Thüringen, Berlin, dem Rheinland sowie dem Vogtland geht an die Töpfe. Eine prominent besetzte Jury bewertet die verschiedenen Sauerbraten und kürt den neuen König. Thomas Böhm darf es dann laut Ausschreibung nicht mehr sein, aber er serviert der Jury und weiteren Ehrengästen am Abend ein 4-Gänge-Menü vogtländischer Art, natürlich mit Sauerbraten als Hauptgang.
Einen Tag später wird dann zur „Sauerbraten-Kirmes“ auf dem Neumarkt eingeladen. Achim Mentzel bringt ein Sauerbratenlied zur Uraufführung und die Sternquell-Band spielt am Abend zum Tanz.
Damit soll es aber für die Organisatoren noch lange nicht genug sein. Im nächsten halben Jahr werden sich möglichst viele Feinschmecker mit dem so genannten „Sauerbraten-Pass“ durch die Lokale des Vogtlandes essen. Wer in sechs verschiedenen Gaststätten einen Sauerbraten bestellt hat, kann an einer Verlosung teilnehmen. Der Tourismusverband plant Angebote „Auf den Spuren des Sauerbratens“ und verschiedene Kochbuchverlage stehen bei den Vogtländern bereits Schlange, um dem Sauerbraten eigene Publikationen und Kapitel zu widmen.
