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Wellness

Dagmar Rizzato:

Umfrage

Was bringt die Zukunft für die Wellness-Hotellerie?

30. Mai 2009
von Elke Birke

STUTTGART. Welche Trends, Chancen und Herausforderungen zeichnen sich im Wellnessmarkt ab? Welche Faktoren beeinflussen entscheidend den Erfolg eines Spas? Die AHGZ hat bei Experten nachgefragt.

Dagmar Rizzato, Geschäftsführerin Rizzato Spa Consulting, Tettnang erklärt: "Trends sollten viel mehr von Gastseite und weniger von den Medien definiert werden. Noch heute suche ich nach den 'Massen an Medical-Spa-Gästen', die uns die Medien und Verbände laufend voraussagen. Erfolgreiche Konzepte entstehen über Teams, Arbeit, Kontinuität und laufende Selbstreflexion. Die erforderliche hohe Qualität erreichen die Hoteliers nur durch dauerhaftes Engagement, eigene Offenheit, Zieldefinition und Training.
Wir sollten die Energie nicht darüber verlieren, über Personalmangel und -qualität zu jammern, sondern uns dafür verantwortlich fühlen, Lösungen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Es ist wichtig, die Betriebe so zu konzipieren als auch zu strukturieren, dass sie nicht nur für Gäste, sondern auch für Mitarbeiter attraktiv sind. Sonst wird die Zukunft ga-rantiert noch härter werden."

Nora Oelkers, Inhaberin Spa & Resort Romantischer Winkel, Bad Sachsa, meint: "Aus meiner Sicht zeichnen sich drei wichtige Entwicklungen für die Zukunft ab: Die Gäste hinterfragen die Angebote im Wellnesshotel verstärkt auf ihre Wirksamkeit und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig erwarten sie von diesen Angeboten Entspannung, Entlastung, Erholung und Wohlfühlen. Und die Urlauber nutzen, quasi nebenbei, das Wellnesshotel verstärkt für einen qualifizierten Gesundheits-Check. Wir stehen daher als Anbieter zukünftig vor der besonderen Herausforderung, den Spagat zwischen Wohlfühlen einerseits und nachhaltiger Gesundheitswirksamkeit andererseits zu leisten. Hierfür gilt es, spezielle Angebote zu entwickeln. Und sie sollten aus meiner Sicht auf die Wurzeln unserer Kultur aufbauen. Als weitere zukünftige Herausforderung sehe ich die zunehmende körperliche, emotionale oder geistige Erschöpfung, die Anzeichen von Burnout. Hier können wir durch gezielte, ganzheitliche Angebote dazu beitragen, völliges Ausbrennen abzuwenden und neue Freude sowie Hoffnung am Leben zu vermitteln."

Joachim Hallwachs:

"Das Gebot der Zukunft lautet: Die Konzentration auf die eigenen Stärken richten. Weniger ist mehr", sagt Joachim Hallwachs, CEO & Designer, jh Hallwachs & Partner, Bad Ragaz/Schweiz. "Nicht alles anbieten und jedem Trend hinterherhecheln. Wir müs-sen dem Gast bestimmte Leistungen auf höchstem Niveau anbieten, vor allem auch authentische Hard-, Soft- und Smartware. Das bedeutet auch: Weg von den Standard-Packages. Der Gast muss im Mittelpunkt stehen. Individuelle, maßgeschneiderte Programme sind gefragt. Dafür wird der Gast der Zukunft bereit sein, in sich zu investieren, und nicht in Dutzendware. Der Gast ist auch zunehmend bereit, Geld für Partner-Treatments auszugeben. Die Luxury Spa Suite wird immer beliebter. Das gemeinsame Erlebnis steht im Vor-dergrund, und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es ist wichtig, ein au-thentisches und physiologisch sinnvolles Ritual zu diesen Räumen zu entwickeln.
Im Hinblick auf die Gestaltung empfehle ich Contemporary Design anstatt verspielter 'Alladin-Welten', ohne dabei die Emotion, die Wärme zu verlieren. Dies ist die Gratwanderung, die es zu bestehen gilt. In diesem Zusammenhang sind Ruheräume von enormer Bedeutung. Sie werden immer wichtiger. Denn es geht um Tiefenentspannung und um Geborgenheit. Nicht an Flächen und Investment sparen! Lieber ein Caldarium, Laconium und wie diese bunten Kabinen heißen mögen, weniger. Und bei allen zukünftigen Planungen sind die Kosten ein wichtiger Aspekt. Denn Spas sind Energieschleudern. Auch hier sind kreative Konzepte ein Gebot der Zukunft. Die Bedeutung und Wertigkeit des Themas Wasser und wie gehe ich damit um? Wichtig ist der richtige Mix zwischen Spa-Bereichen, die Geld bringen, und de-nen, die nur dem Luxus des Gastes die-nen und enorme Energiekosten verursachen."
 

Vera Srock:
Vera Srock, Geschäftsführerin, Personalmanagement, Spa eMotion, Ludwigshafen, erklärt: "Der Spa-Arbeitsmarkt ist ein reiner Nachfragermarkt geworden. Exzellente Fach- und Führungskräfte können sich aufgrund der Enge des Arbeitsmarktes mittlerweile ihre Position frei auswählen. Die wenigen vorhandenen Spitzenkräfte müssen daher ganz aktiv ange- und umworben werden, damit sie überhaupt eine neue Position in Betracht ziehen. Außer dem Gehalt sind noch zusätzliche Attribute wie Spa-Philosophie, Mitarbeiterführung und Posi-tionierung im Markt ganz entscheidend. Die Zeit der Bauinvestitionen im Spa nähert sich dem Ende. Investitionen in die Mitarbeiter bringen die entscheidende Rendite. Sie entscheiden ausschließlich über den Erfolg der Spa-Anlage. Zu oft wird vergessen, dass hochwertige Materialien und ein aufwendiges Design nur die Basis eines Spas bilden. Aber es sind die Mitarbeiter, die täglich und kontinuierlich eine Spa-Anlage zum Leben erwecken und für den Gast erlebbar machen. Es gibt keinen Nachwuchskräftemangel für das Spa, sondern einen Ausbildungsmangel! Keine Branche hat es während ihres rasanten Wachstums so versäumt, den Zustrom neuer Mitarbeiter zu steuern, wie die Spa-Branche. Es fehlt an einheitlichen Ausbildungsbildern, an klar strukturierten Karriere- und Weiterbildungswegen und vor allem an Einheitlichkeit und Einigkeit von Arbeitgeberseite. Solange die Branche keine Antwort auf die Frage geben kann: „Wo lernt man Spa?“, ist das Wachstum, die Qualität und somit die Reputation massiv gefährdet."
 

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