Buch & Media
Wo die Radieschen-Blume wächst
Früchte sind nicht nur zum Essen da / Gemüseschnitzen lernen mit Weltmeister Xiang Wang
Ein Schnitzmesser, ein Ausstecher und ein Meißel. Mit diesen drei Werkzeugen verwandelt Xiang Wang Karotten, Zucchinis und Gurken in Drachen, Elefanten oder Blumen. Als zweifacher Weltmeister im Früchte- und Gemüseschnitzen weiß Xiang Wang, wovon er spricht. Was in China seit Jahrhunderten zur Tischkultur gehört, wirkt auch auf deutschen Tafeln.
Die Techniken der Früchteschnitzkunst stellt Xiang Wang deshalb in seinem Buch „Gemüse und Früchteschnitzen“ vor. Auf 224 Seiten weiht der Schnitzmeister die Leser in die Geheimnisse des chinesischen Handwerks ein. Wer Früchte bisher nur aus Sicht des Essenden betrachtet hat, der wird mit Xiang Wangs Buch eines besseren belehrt.
„Gemüse und Früchteschnitzen“ ist im Stil eines Lehrbuchs aufgebaut. Im Land der aufgehenden Sonne blühen Radieschen-Blumen und Rote-Bete-Rosen schon seit dem siebten Jahrhundert auf den Esstischen. Schnitt für Schnitt erklärt Wang dem Leser, wie er Melonen, Kürbisse oder Papaya in Vögel, Blüten und Schwäne verwandelt. Um aus einer Zucchini eine Blüte zu schnitzen, braucht man zum Beispiel sechs Arbeitsschritte. Für den Rettich-Vogel dagegen schon 19. Jeder Arbeitsschritt ist zusätzlich auf einem Bild abgebildet. „Learning by doing“ lautet die Devise, der Lernende schnitzt sich Bild für Bild voran.
Für seine Figuren verwendet Xiang Wang frisches Obst und Gemüse. Der Leser erfährt, worauf es beim Kauf der Früchte ankommt, wie er die Kunstwerke richtig aufbewahrt und welches die richtigen Schneidewerkzeuge sind.
Eine gute Vorstellungsgabe und Fingerfertigkeit braucht der Anfänger im Früchteschnitzen für Xiang Wangs Entwürfe – damit aus dem Rettich-Schwan keine Rettich-Ente wird. Xiang Wangs Lehrbuch überzeugt mit schönen Fotos. Nur wie man den Drachen des Titelbildes schnitzt, das verrät der Weltmeister im Gemüseschnitzen leider nicht. Stefanie Reinhardt
Xiang Wang
Gemüse und Früchte schnitzen
Matthaes Verlag
74 Euro

