Lohn
Gastgewerbe besser als sein Ruf
WIESBADEN/BERLIN. 11 Prozent aller Arbeitnehmer in einem Betrieb mit mindestens zehn Mitarbeitern verdienten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Aber anders als häufig angenommen, hat nicht das Gastgewerbe den höchsten Anteil an Geringverdienern, sondern das verarbeitende Gewerbe (14 %). Es folgen Gebäudereinigung- und -betreuung (12 %), die ZeitarbeitZeitlich befristetes, gewerbsmäßiges Überlassen von Arbeitnehmern durch ein Zeitarbeitsunternehmen an einen Dritten im Rahmen eines Arbeitnehmerüberlassungsvertrags.
weiter mit Mausklick... und der Einzelhandel (je 10 %). Das Gastgewerbe findet sich mit 9 Prozent auf Platz fünf.
DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
weiter mit Mausklick... Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagt: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamts machen klar, dass das Gastgewerbe zu häufig und völlig zu Unrecht als schwarzes Schaf in Sachen Bezahlung herhalten muss.“ red/hz










Klaus Holtsiepen, Miami
29.08.2012 um 08:30
Betreff: Der Schuß ins eigene Knie
Warum geht es denn der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland so schlecht, in punkto Mitarbeiter?
Da ist zum ersten die Politik schuld daran. Die Tariflöhne sind dermaßen niedrig, dass es sich kaum lohnt, bei den ansteigenden Lebenshaltungskosten überhaupt in dieser Branche zu arbeiten.
Zweitens sind auch die Unternehmer selbst Schuld an der Situation. Wer sich streng an Mindestvorgaben des Tarifvertrags hält, braucht sich nicht über mangelnde Fachkräfte zu beschweren. Ein arbeitsloser Maurer, der nachmittags um 16 Uhr aufsteht, um sich mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher auf den Talkshow-Nachmittag vorzubereiten, hat mehr Geld in der tasche als ein gelernter Fachmann in der Hotellerie mit Arbeitszeiten, die Privat- und Sozialleben potentiell zerstören.
Im Gegensatz zu vielen ehem. Kollegen arbeite ich immer noch in der Hotelbranche, aber nur, weil ich seit 2004 Europa den Rücken gekehrt habe. Für den gleichen Job, den ich momentan mache, würde ich in Deutschland weniger als die Hälfte bekommen. Zusätzlich zahlt mir mein Arbeitgeber hier mein Appartment, Krankenversicherung, drei Heimflüge pro Jahr, Telefonpauschale, Market und Transport Allowance. Ich entferne mich zwar innerlich mehr und mehr von Deutschland und zahle keine Steuern (kann ich aufgrund meines Mehrgehaltes locker wieder wettmachen, es sei denn ich werde 135 Jahre alt). Dennoch habe ich hier Spaß am Leben und der Arbeit.