Hotelmarkt Wiesbaden
Sorgenkind Rhein-Main-Hallen
WIESBADEN. Die Hoteliers in Wiesbaden machen sich Sorgen um die Rhein-Main-Hallen. Sie hoffen, dass die Verantwortlichen sich schnell festlegen – egal, ob für einen Neubau oder die Sanierung des Gebäudes. Zögert sich eine Entscheidung hinaus, befürchten die Hoteliers, dass ihre Auslastungsquoten sinken.
Im vergangenen Jahr besuchten weniger Touristen und Geschäftsleute Wiesbaden als 2010. Trotzdem übernachteten 2011 mehr als 1 Mio. Menschen in den 78 Beherbergungsbetrieben mit 6888 Betten. Wer diese Zahlen aufdröselt, entdeckt dahinter 27 Hotels und Gasthöfe mit 3235 Betten, 39 Hotel garnis mit 2203 Betten sowie zwölf sonstige Betriebe wie Pensionen, Fortbildungsstätten oder Rehakliniken mit insgesamt 1450 Betten.
Konkurrenz
weiter mit Mausklick... verschärft sich
Die Zahl der Hotelbetten wird in Wiesbaden voraussichtlich steigen. In diesem Jahr eröffnet – wenn alles wie geplant klappt – in der Mainzer Straße ein B&B Hotel mit 121 Zimmern und 300 Betten. Und im Kureck gegenüber dem Kurpark hat die IFM Immobilien AG)Abk. für Aktiengesellschaft.
weiter mit Mausklick... in den kommenden Jahren Großes vor. Dort soll ein lebendiges Quartier zwischen historischem Fünfeck und Komponistenviertel entstehen.
Der Einzug eines Hotels in das denkmalgeschützte ehemalige Mövenpick-Gebäude in der Sonnenberger Straße 2 soll zur Belebung der Gegend beitragen. „Zusätzliche Hotelkapazitäten in dieser Lage sind extrem gefragt“, sagt Tobias Sauerbier, projektverantwortlicher IFM-Prokurist.
Die weiteren Kapazitäten könnten die Konkurrenz der Hoteliers untereinander verschärfen. Die durchschnittliche Bettenauslastung der Wiesbadener Hotels und Gasthöfe betrug im vergangenen Jahr 38,6 Prozent, die aller Beherbergungsbetriebe 40,8 Prozent. Diese Zahlen haben jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft, da Hoteliers bekannterweise Zimmer und nicht Betten vermieten.
„Eine stabile mathematische Formel, mit der sich verlässlich von Betten- auf Zimmerauslastungen hochrechnen ließe, existiert nicht. Die Schwankungen der Bettenauslastung der vergangenen Jahre entziehen sich so einer betriebswirtschaftlich relevanten Analyse für die Hotellerie“, schreibt der Hotelverband Deutschland in seinem Jahrbuch „Hotelmarkt Deutschland 2012“.
Ingesamt zählten die Statistiker im vergangenen Jahr 1.024.634 Übernachtungen in gewerblichen Betrieben in Wiesbaden. Das sind 3061 weniger als 2010. 78,3 Prozent der Übernachtungsgäste kamen aus Deutschland, 21,7 Prozent aus dem Rest der Welt.
Die hessische Landeshauptstadt ist besonders im Mai, September, Oktober und November beliebt. Das geht aus der Analyse des Hessischen Statistischen Landesamtes hervor: „Diese weist für den Mai eine Steigerung der Inlandsgäste um 10,9 Prozent aus und im Oktober sowie November Zunahmen von mehr als 7 Prozent. Ähnliche Werte gelten für die Gäste aus dem Ausland: Auch sie reisten in den genannten Monaten verstärkt nach Wiesbaden“, informiert die Stadt im aktuellen Tourismusbericht. Die Besucher blieben im Schnitt zwei Nächte.
Mehr Gäste aus Russland
Nicht mehr so beliebt ist die Landeshauptstadt bei US-Amerikanern. Im vergangenen Jahr zählten die Statistiker 19.717 Ankünfte von Touristen und Geschäftsleuten aus den Vereinigten Staaten. Das sind 20,7 Prozent weniger als im Jahr 2010. Die Zahl der Ankünfte aus China sank um 20 Prozent. Mehr Gäste reisten hingegen aus der Schweiz (+8,2 Prozent) und Russland an (+7,7 Prozent).
Wiesbaden ist traditionell eng mit Russland verbunden. Der russische Schriftsteller Dostojewski besuchte die Stadt bereits 1865 und ließ sich durch seine Erfahrungen im Casino zu seinem Welterfolg „Der Spieler“ inspirieren. „Die enge Verbundenheit zwischen Wiesbaden und seinen russischen Gästen, die vor mehr als 150 Jahren begann, erlebt seit geraumer Zeit eine Renaissance“, sagt Detlev Bendel, Stadtrat für Wirtschaft und PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
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Zuwächse bei den Ankünften und Übernachtungen wurden auch bei Gästen aus Belgien, Italien, Schweden, Luxemburg sowie Südkorea registriert. Darüber hinaus konnten sich die Hotelinhaber in der hessischen Landeshauptstadt im vergangenen Jahr über höhere Teilnehmerzahlen bei Kongressen und Tagungen freuen.
Weniger Veranstaltungen
Insgesamt besuchten 635.070 Gäste die 5754 Veranstaltungen in Hotels und an anderen Orten. Das ist im Vergleich zum Jahr 2010 ein Anstieg um etwa 92.000 Personen. Und das, obwohl 2011 insgesamt weniger Veranstaltungen in Wiesbaden stattfanden als 2010.
Im vergangenen Jahr gab es 4646 Veranstaltungen in Hotels, 168 weniger als im Jahr davor. Die Zahl an anderen Orten wie den Rhein-Main-Hallen, dem Kurhaus oder dem Biebricher Schloss sank um 17 auf 1108 Veranstaltungen. Wie sich der Eventmarkt in Wiesbaden in Zukunft entwickelt, hängt unter anderem davon ab, wie schnell die Politiker eine Lösung für die Rhein-Main-Hallen finden. Vorschläge gibt es genug. Die Verantwortlichen müssen sich nur für einen davon entscheiden.

