Studie
Überraschende Preisentwicklung bei Privat- und Markenhotels
MÜNCHEN. In der 3-Sterne-Hotellerie in Deutschland haben Privathoteliers zurzeit die Nase vorn: Sie haben ihre Zimmerpreise im Gegensatz zur Kettenhotellerie steigern können. Auch im 4-Sterne-Segment holen die Individualhoteliers gegenüber den Marken auf. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Münchner Treugast Unternehmensberatung.
Die Autoren Stefan Nungesser und Stefanie Salwender beobachten dieses Jahr damit eine außergewöhnliche Entwicklung. Denn in den vergangenen Jahren hatten stets die Markenhotels über alle Segmente höhere Zimmerpreise verlangt als die Privathotels. 2011 dagegen liegen die Preise der betrachteten Markenhotels im Durchschnitt 12 Prozent unter denen der Individualhotels. Auch in der Kategorie 4 Sterne schmilzt der Vorsprung der Ketten. Nur 1 Prozent beträgt im Schnitt der Preisaufschlag gegenüber der Individualhotellerie.
Markenbonus bleibt im Budget- und Luxusbereich
Im Budget- und Luxusbereich können dagegen die Markenhotels nach wie vor höhere Raten durchsetzen als die individualgeführten Häuser. Budgethäuser mit Marke verlangen im Schnitt 4 Prozent mehr als solche ohne, in der Kategorie 5 Sterne und mehr beträgt der Vorsprung der Markenhotels beim Zimmerpreis 7 Prozent.
Die Autoren erklären die Entwicklung im Midscale-Bereich zum einen mit den Investitionen, die gerade die Individualhotellerie mithilfe der Mehrwertsteuersenkung auf Übernachtung getätigt hat. Diese hätten zu einer Produktverbesserung geführt, sodass sich höhere Preise durchsetzen lassen. Zum anderen sieht Treugast eine oftmals unklare Profilierung der Midscale-Marken als Ursache für den fehlenden Erfolg. Auch die zunehmende Bedeutung von Online-Bewertungsportalen verschafft guten Individualhäusern Rückenwind über die möglichkeit, sich dort mit guten Noten der Gäste zu profilieren.
Mittelklasse doppelt unter Druck
Dagegen leiden die Markenanbieter im Midscale-Segment nicht nur unter einem hohen Wettbewerbsdruck in ihrer eigenen Kategorie. Vielmehr kommt noch der Druck der Budget-Kategorie hinzu. Die dort gerade durch erfolgreiche Marken erzielte Produktqualität erschwert teilweise die Abgrenzung der Midscale-Marken nach unten.
Betrachtet man die Preisentwicklung für die einzelnen Kategorien, zeigt sich allerdings gerade für die Luxuskategorie ein negativer Preistrend: Ratenrückgänge von 12 Prozent für die Ketten und 8 Prozent für die Einzelhäuser. In der Kategorie 4 Sterne sanken die raten bei markenhotels um 2 Prozent, während sie bei Privathäusern um 12 Prozent stiegen. 3-Sterne-Hotels mit Marke melden stagnierende Preise, wohingegen Privathäuser einen Preisanstieg von 15 Prozent vermelden. Bei Budget liegen Markenhotels mit 7 Prozent im Plus, Individualhotels mit 11 Prozent.
Treugast hat für die Studie das vierte Jahr in Folge die Preisentwicklung der Marken- und Privathotellerie in den 20 einwohnerstärksten deutschen Städten untersucht. Im Langzeitvergleich zeigt sich, dass 2006 den Maßstab vorgibt. Denn obwohl die Hotelpreise 2010 im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um rund 12,5 Prozent zugelegt haben, liegen sie immer noch 2,2 Prozent niedriger als im Jahr2006, als Deutschland Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer war. red/beh

