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Ingrid Hartges: „Existenzen werden aufs Spiel gesetzt“ Foto: Archiv

Interview zur Gastro-Ampel mit Ingrid Hartges

„Hygiene hat höchste Priorität“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/22 vom 28. Mai 2011
von  

Bis auf den Bayerischen Verbraucherminister waren sich alle einig: Die Ampel muss kommen. Haben Sie Verständnis für diese Art des Verbraucherschutzes? Sind die Zustände in der deutschen Gastronomie so schlimm, dass sie öffentlich gemacht werden müssen?

Hartges: Das Ampel-Konzept sieht für den Gastronomen keinen Anspruch auf eine zeitnahe Regelkontrolle oder eine Nachkontrolle vor – ganz nach dem Motto: Einmal am Pranger, immer am Pranger Was hat das für Folgen?

Gastonomen befürchten eine Welle übler Nachrede und Denunziantentum. Zu Recht?

Hartges: Wie sieht die Praxis bald für Gastronomen aus, können sie sich auf die Kontrollen vorbereiten oder einstellen? Oder ist zukünftig am besten ein Rechtsanwalt mit dabei?

Kontrollen und Regulierungen bestimmen zunehmend das gesellschaftliche Leben: Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Hartges: Keine Frage: die Einhaltung der bestehenden Gesetze stellen wir in keiner Weise in Frage. Aber eine Nichteinhaltung nach außen zu kommunizieren stellt einen grundlegenden Systemwechsel dar. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, dass dann künftig der gesetzestreue Arbeitgeber oder ehrliche Steuerzahler ausgezeichnet wird. Dass es Ampeln für Bestatter, Zahnärzte, Krankenhäuser oder Kfz-Werkstätten geben oder für Autofahrer das Flensburger-Punkte-Barometer an der Windschutzscheibe Pflicht wird. Der Skandalisierung und gezielten Diffamierung wird dann Tor und Tür geöffnet. Die mediale Aufladung tut dann ihr übriges; unverantwortlich werden so Existenzen und Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt.

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