Kommentar
"Kreativ handeln mit Köpfchen"
Die Krisenstimmung macht sich unaufhaltsam in der Hotellerie breit. Die Horrormeldungen nehmen kein Ende. Der DEHOGA-Branchenbericht meldet rückläufige Umsätze für das Gastgewerbe, der AHGZ-Monitor zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Kettenhotellerie, und der Trivago Hotelpreis Index ergibt sinkende Preise (Seite 2).
Nun hat die Hotellerie schon so manches tiefes Tal kämpferisch durchschritten und aus vergangenen Krisenzeiten gelernt. Daher die einhellige Meinung: Wir dürfen die Preise nicht senken! Groß ist die Freude über diese Erkenntnis, zu der man nur gratulieren kann. Denn niedrige Preise sind kein probates Mittel, um die Nachfrage anzukurbeln.
Umso größer ist die Enttäuschung über die ein oder andere – vermeintlich schlaue – Aktion. Immer häufiger hört man von Ramschpreisen vor allem im Tagungsgeschäft. Damit füllt das Hotel zwar die Zimmer, vergrault aber nicht selten die Kunden. Denn das Geld, das vorne gespart wird, muss hinten wieder verdient werden. Die Konsequenz: Die Hoteliers zocken die Gäste an anderer Stelle ab.
So geschehen in einem renommierten Hotel. „Das Essen schmeckt bei Mc Donald's besser“, erzählt ein Teilnehmer einer Tagung, die wegen der zuvorkommenden Hotelpreise gut besucht war. Aufgrund der mangelnden Qualität beim Essen hat das Hotel seine Gäste ordentlich vergrätzt.
Die Hotellerie ist eine kreative Branche, die sich der Krise tapfer zur Wehr setzt. Das ist durchaus lobenswert, sofern es sich um sinnvolle Arrangements handelt, die dem Gast Mehrwert bieten zu einem fairen, aber der Qualität angemessenen Preis. Denn bei aller Kreativität sollte der Hotelier nie die Zahlen aus dem Blick verlieren.