Heiligendamm: Kempinski kündigt Vertrag mit Grand Hotel
HEILIGENDAMM. Kempinski hat mit sofortiger Wirkung seinen Managementvertrag mit dem Grand Hotel Heiligendamm & Co KG gekündigt. Das gab der Konzern heute bekannt. Kempinski macht "Vertragsbrüche und Nichtzahlungen von Managementgebühren der letzten zwei Jahre" dafür verantwortlich.
In seiner Kündigung beanstandet Kempinski die "ständige Einmischung des Besitzers in den täglichen Hotelbetrieb". Dieser habe das Management behindert, seine Aufgaben auszuüben und das Hotel auf einer soliden wirtschaftlichen Basis zu führen. Zudem seien zugesagte größere Investitionen wie die Entwicklung der Villen am Meer und eines Thalasso- und Ayurveda-Centers nicht ausgeführt worden. Trotz "erheblicher Anstrengungen" konnte Kempinski diese Meinungsverschiedenheiten nicht lösen. Gespräche hätten bis zuletzt zu keinem akzeptablen Ergebnis geführt, so der Konzern.
Die Hotel-Eigentümer, die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG, bestätigt in einer Pressemitteilung, dass es Meinungsverschiedenheiten mit dem Management über die richtige Führung des Hotels gegeben hatte, bestreitet aber vehement, dass Kempinski Anspruch auf ausstehende Managementgebühren und damit einen Kündigungsgrund gehabt hätte. Im Gegenteil, die Eigentümer selbst hätten Millionenforderungen gegenüber Kempinski.
Kempinski habe in der aktuellen Verhandlungsphase durch die Kündigung eine Verhandlungslösung unmöglich gemacht. Die rechtlichen und finanziellen Differenzen könnten somit nur gerichtlich geklärt werden.
Die Eigentümer werfen Kempinski vor, das Hotel nicht erfolgreich geführt zu haben: "Kempinski hat es in sechs Jahren nicht geschafft, den wirtschaftlichen Erfolg auch nur annähernd zu erreichen, den andere erfolgreich eigentümergeführte Ferienhotels der Spitzenklasse, wie das Bareiss, Schloss Elmau, die Sonnenalp, Brenner´s Parkhotel und die Traube Tonbach, seit vielen Jahren aufweisen. Insbesondere die von Kempinski vorgenommene Vermarktung über Tchibo zu Billigpreisen hat zu Unverständnis bei Gästen und Gesellschaftern geführt, und entspricht nicht dem Standard eines Spitzenhotels und schädigt dessen Ruf. "
Der Hotelbetrieb und die Betreuung der Gäste würden durch den Rückzug von Kempinski nicht tangiert, heißt es in der Pressemitteilung. Künftig erfolgten Marketing und Vertrieb mit „Leading Hotels of the World“ und der „Selektion Deutscher Luxushotels“. Die Eigentümergesellschaft werde das Hotel zukünftig individuell führen, und das Hotelangebot erweitern, unter anderem durch Investitionen in weitere Restaurants, Sportanlagen, Wellnesseinrichtungen sowie in ein umfangreiches Kulturangebot. Dazu hätten die Gesellschafter im Dezember eine Kapitalerhöhung beschlossen.
Der Vorwurf an Kempinski, das Hotel (im milchmädchenhaften, unzulässigen Vergleich zu anderen deutschen Ferienhotels der Spitzenklasse mit zum Teil jahrzehntelanger Tradition) nicht erfolgreich geführt zu haben ist naiv. Der Misserfolg ist hier primär den örtlichen Bedingungen und Gegebenheiten geschuldet und nicht den mangelnden Fähigkeiten eines Betreibers.
Gegen alle fundierten Bedenken in dieser Diaspora, dieser abgeschiedenen Einöde mit Meerblick und ohne Hinterland und Umgebung, dieses Experiment zu wagen ist nicht alleine mit Fahrlässigkeit und Selbstüberschätzung zu begründen. Sicher haben viele Betreiber und Investoren in den letzten Jahren, gerade in den "blühenden Landschaften" unseres Vorvorkanzlers ihr Waterloo erlebt, das ist aber gegen das, was sich in diesem armen Heiligendamm in gnadenloser und dummer Hemdsärmeligkeit der Initiatoren, ihrer Banken und Investoren abgespielt hat und noch abspielt harmlos.
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