Verbände
Andreas Eichler führt Slow Food
von Wolf Günthner
WÜRZBURG. Die Genießervereinigung Slow Food will nach dem Wirbel um den bisherigen Vorsitzenden Otto Geisel wieder zur Ruhe kommen. Die Mitgliederversammlung, mit 350 Anwesenden so stark besetzt wie noch nie, wählte in Würzburg den Freiburger Andreas Eichler an die Spitze von Slow Food.
„Würzburg 2010 wird für den Neubeginn und die Erneuerung von Slow Food Deutschland stehen. Der Verein war kurz davor, sich in den Konflikten zu verlieren“, sagte Unternehmensberater Eichler vom Convivium Freiburg. Er erhielt in einer gereizten Atmosphäre 181 Ja- und 140 Nein-Stimmen. Der Jurist und Sozialwissenschaftler war bis vor drei Jahren Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/M. Er löst den Bad Mergentheimer Hotelier Geisel (49) ab. Dessen dreijährige Amtszeit im Herbst ausgeflaufen war. Wegen eines zähen Streits um die Satzung hatte es Slow Food nicht geschafft, rechtzeitig Neuwahlen zu terminieren. Nach den Querelen und interner Kritik wollte Geisel nicht mehr kandidieren. „Ich polarisiere offenbar zu sehr“, begründete der Weinfachmann seinen Rückzug.
Der 61 Jahre alte Eichler schätzt nach Angaben von Slow Food die französische Lebensart und ist ein Freund der italienischen Küche. In einer „bemerkenswert sachlichen Atmospäre“, wie Eichler berichtete, folgte die Versammlung auch bei den anderen Wahlen den Wünschen des neuen Slow Food-Chefs: Zu Eichlers Stellvertreterin wurde Ursula Hudson gewählt. Schatzmeister ist Rupert Ebner. Als neue Besitzer gehören Sebastian von Kloch-Kornitz und Hanns E. Kniepkamp dem neuen Vorstand von Slow Food Deutschland mit Sitz in Ludwigsburg an.
Eichler konkretisierte seine Ziele: „Wir wollen politischer werden, wir sind mehr als ein Club der Genießer.“ Der bewusste Genuss müsse mit politischen und gesellschaftlichen Initiativen gekoppelt sein. Schließlich sei Slow Food einzigartig, weil dort Mitglieder vom Erzeuger über die Handwerker bis zum Verbraucher seien.
Die weltweite Vereinigung Slow Food wurde 1986 vom Italiener Carlo Petrini als Gegenbewegung zu Fastfood gegründet. Die deutsche Vereinssektion wurde 1997 installiert. Slow Food International zählt in mehr als 100 Ländern rund 90 000 Mitglieder, davon in Deutschland etwa knapp 10 000. Vor vier Jahren waren es nur 6000. Aufgabe des Vereins ist es, "die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten".

