Kommentar
Auch Private können es schaffen
Von Andreas Scherle
Seit Jahren drängen internationale Hotelketten auf den deutschen Markt. Das bekommen vor allem private Hoteliers in den großen Städten zu spüren, wo immer mehr Häuser um Gäste buhlen. Vor allem im 3- und 4-Sterne-SegmentNach dem Prozess der Aufteilung des relevanten Markts in Marktsegmente erhält man einzelne Segmente, die eine möglichst homogene Abnehmergruppe zusammenfassen.
weiter mit Mausklick... wird die Luft dünner. Da braucht man als Betreiber eines Privathotels schon einen langen Atem. Das heißt aber keineswegs, dass man der Übermacht chancenlos gegenübersteht, wie mancher Kollege klagt. Unser 4-Sterne-Hotel im Stuttgarter Zentrum jedenfalls kann sich sehr gut behaupten. Das zeigt die Auslastung von mehr als 70 Prozent.
Dies gelingt nur durch Konzentration auf Stärken und Vermarktung. Stichwort Alleinstellungsmerkmal. Eines davon ist unsere Familie, die seit vier Generationen gehobene Gastronomie und Hotellerie betreibt und das Haus in Stuttgart in dritter Generation führt. Wichtige Positionen sind mit Familienmitgliedern besetzt. Das lassen wir den Gast spüren. Wenn es geht, wird er persönlich betreut, wodurch wir großen Häusern schon viele Gäste abwerben konnten, denen die dortige Anonymität nicht mehr gefallen hat. Doch auf Nestwärme allein darf man sich nicht verlassen. Man muss als Familienbetrieb in der Großstadt dieselbe Leistung bringen wie die Ketten.
Wir können zwar keinen Wellnessbereich bieten, aber unsere Zimmer werden allen Erwartungen an die Hotelkategorie gerecht. Dazu muss aber regelmäßig investiert werden. Bei uns sind in den vergangenen fünf Jahren mehr als 2 Mio. Euro in ein zusätzliches Hotelgebäude sowie eine neue Hotelbar, Rezeption und Tagungsräume sowie die ständige Renovierung der Zimmer geflossen.
Ein weiterer Trumpf: Unser Restaurant gehört laut einschlägiger Führer zu den besten zehn der Stadt. Ich erwähne das nicht, um mich zu brüsten, sondern um Kollegen Mut zu machen, die Herausforderung anzunehmen. Dazu gehört auch die Mitgliedschaft in einer starken und zum Haus passenden Kooperation. Und, ganz wichtig: Das PersonalIn der Hotellerie und Gastronomie haben diese durch den Kontakt zu den Gästen einen wesentlichen Einfluss auf die vom Gast wahrgenommene Dienstleistungsqualität.
weiter mit Mausklick... selbst ausbilden und guten Leuten früh Verantwortung übertragen. Nur so kann ein kleiner Betrieb auch im Wettbewerb um gute Mitarbeiter bestehen. Das ist alles nicht leicht, aber die nächste Generation verdient eine reelle Chance.
Der Autor ist Inhaber des Flair Hotel Wörtz – Gourmetrestaurant & Schlösschen Zur Weinsteige in Stuttgart.