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Bremen: Hohe Haftstrafen im Discomeilen-Prozess

9. März 2010
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BREMEN. Im so genannten Discomeilen-Prozess ergingen jetzt die Urteile. Gesühnt wurden die Schüsse am Rembertiring, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 2006 gefallen waren. Damals hatten Mitglieder eines aus Ausländern bestehenden Familienclans und Personen aus dem Umfeld von Türstehern aufeinander geschossen. Vier Menschen trugen zum Teil erhebliche Verletzungen davon. Darunter war ein völlig unbeteiligter Student, der lebensgefährlich verletzt wurde. Sein Überleben hatte er nur seiner überdurchschnittlich guten Konstitution zu verdanken.

Nach 119 Verhandlungstagen, bei denen rund 200 Zeugen befragt und 11 Sachverständige gehört wurden, verurteilte das Schwurgericht den Angeklagten Ahmet B. zu acht Jahren Haft. Er wurde des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Sein älterer Bruder Sinan muss für sieben Jahre ins Gefängnis.

Mit diesen Urteilen übertrafen die Richter sogar die Anträge der Staatsanwaltschaft, die Ahmet B. lediglich für sechs Jahre und sechs Monate hinter „schwedischen Gardinen" sehen wollte. Bei Sinan B. lautete das Plädoyer der Staatsanwaltschaft auf „Freispruch". Die Verteidigung hatte für beide Angeklagte den Freispruch gefordert. Sie will nun Revision einlegen.

Der Vorsitzende Richter Klaus-Dieter Schromek begründete die hohen Strafen vor allem mit der „eiskalten Vorgehensweise" der Täter. Dass es keine Toten gegeben habe, sei fast ein Wunder gewesen.

Auf die Schießerei in der Januar-Nacht vor vier Jahren und auf weitere Gewalttaten hatten Politik und Polizei konsequent reagiert. Unter anderem wurde im Dezember 2007 eine Videoüberwachung eingerichtet und im Februar 2009 eine Waffenverbotszone geschaffen: Verstöße werden mit einer Geldstrafe von bis zu 10.000 Euro und dem Einzug der Waffe geahndet. Seit dem Bestehen der Waffenverbotszone stellten die Sicherheitsbehörden 218 Verstöße fest. Sie beschlagnahmten 140 Waffen und 80 gefährliche Gegenstände.

Zu den Antworten auf die Bluttat auf der Discomeile gehören auch eine erhöhte Polizeipräsenz: Allein 2008 waren Polizeibeamte 45.400 Stunden lang in diesem Gebiet auf Streife; die Zahlen für 2009 wurden noch nicht veröffentlicht.

Daran, dass es auf der Discomeile mittlerweile recht ruhig zugeht, hat auch der Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (Vaja) seinen Anteil. Jedes Wochenende von 22 bis 3 Uhr sind mindestens vier pädagogisch ausgebildete Kräfte auf der Discomeile unterwegs. Sie wollen bereits im Vorfeld Konflikte entschärfen.


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