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Im Dorint Messmer agiert eine echte Gastgeberin, hier geht es nicht steif, sondern entspannt zu

Editorial

Ein Kettenhotel mit Seele

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/42 vom 15. Oktober 2011
von  

Die glanzvolle Zeit des mondänen Kurorts endete mit dem Ersten Weltkrieg. Bis dahin hatten Kaiser und Könige die Ehre erwiesen. An solch eine Epoche anzuknüpfen, ist heutzutage schier unmöglich. In demokratischen Gesellschaften zählt eine ganz andere Prominenz: die des Geldes, des Showbusiness, der Wirtschaft, Kultur und Poltik. Natürlich schmückt man sich noch gern mit dem Hochadel, der nach wie vor nach Baden-Baden kommt und in den schicksten Häusern logiert.
 
Mittlerweile hat sich die Stadt auch als Kulturstadt profiliert: mit Kunsthalle, Frieder Burda Museum und den hochkarätigen Festspielen. Davon profitiert die Hotellerie, die vor allen Dingen im Luxussegment wieder in Bewegung gerät. Die soll dank eines russischen Investors in neuem Glanz erstrahlen und das eingerüstete neue Schloss, das der einstigen ukrainischen Schönheitskönigen Natalia Kotzitskaya gehört, wird voraussichtlich in zwei Jahren als Hotel wieder auferstehen. Angesichts der heranziehenden Konkurrenz
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rüsten einige Hotels vor Ort auf: Der Platzhirsch, Brenners Park-Hotel, investiert demnächst eine hohe Summe in ein neues SpaAuf körperlichem Wohlbefinden basierende Erholungseinrichtung in einem Hotel.
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, und der Europäische Hof, ein einst wunderbares Grandhotel, wird wohl endlich renoviert und modernisiert. Auch das Maison Messmer Baden-Baden spielt in der ersten Liga mit. Das Erstaunliche an diesem Haus ist, dass es gar nicht wie ein Kettenhotel wirkt, sondern den Charakter eines privat geführten Hauses hat.
 
Ein Grund: Das Haus hat Geschichte und außer dem Neubau zwei historische Flügel. Ein anderer Grund: Es hat eine persönliche Handschrift, ist klassisch-modern eingerichtet mit einem originellen Foyer, das beim Betreten an ein Boutiquehotel denken lässt. Und drittens agiert hier eine echte Gastgeberin: Hoteldirektorin Anke Lock. Hier geht es nicht steif zu, sondern entspannt bis leger. Die Nähe zum Theater vis à vis befördert diesen locker-lebhaften Habitus. Man sieht: Wenn die Voraussetzungen stimmen, hat auch ein Kettenhotel eine Seele.
 


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Leser-Kommentare zum Artikel (1)

Hans-Peter Sattler, München
Hans-Peter Sattler, München

16.10.2011 um 12:08

Betreff: Der Blick zurück ist der Blick nach Vorne!

Lieber Herr Markgraf, in Ihrer von mir gern gelesenen Kolumne nehmen Sie den Geburtstag des Dorinth Hotels Maison Messmer zum Anlass über die Seele von Kettenhotels zu reüssieren und ich muss mich doch schon sehr wundern, dass Sie einen für mich sehr entscheidenden Punkt komplett ausblenden: Ein Kettenhotel hat nur dann eine komplette Seele, wenn der Direktor/GM/Direktrice längerfristig im Hotel arbeiten darf, um dem Hotel seinen/ihren Stempel aufzudrücken.

 

Dieses tut Frau Lock in Baden-Baden seit langem und ist neben Frank Marrenbach vom Brenners Parkhotel sicher eine der konstanten Hotelierspersönlichkeiten in Baden-Baden. Das schafft Vertrauen und erlaubt den Aufbau von Beziehungen zu Gästen, Mitarbeitern und dem Ort. Und wir erinnern uns ja auch wirklich gerne an vergangene Zeiten, in denen profilierte Hoteliers wie Richard Schmitz, Emanuel Berger, Gianni van Daalen oder die Direktoren der Steigenberger-Häuser von Köller, Herr oder Ludwig ihren Häusern ein Gesicht geben durften und nicht alle Jahre von einem Hotelprojekt zum nächsten gehetzt wurden. Was in der heutigen Zeit in den bekannten privat geführten Hotels wie Traube Tonbach und Bareiss funktioniert, kann doch für die Kettenhotellerie nur recht und billig sein.

 

Warum sind in vielen Schweizer Hotels und nicht nur der Luxusklasse Ehepaare eingesetzt wie z. B. im Widder Hotel in Zürich das langjährige Ehepaar Brucker, die beide den Stil des Hauses prägen und präsentieren? Gäste haben sich nicht verändert. Gäste lieben Ansprechpartner und genauso wie Mitarbeiter Identifikationspersönlichkeiten, ob hochherrschaftlich oder individuell skurril. Lassen wir doch die Zeiten hinter uns, in denen gegelte Jungmanager dilettierend, zahlenoptimierend durch unsere Hotels eilen, um drittklassige Prominente zu begrüßen und verzweifelt auf der Suche sind nach Zugehörigkeit. Unsere Gäste danken es uns, die neue Nachhaltigkeit und Langfristigkeit genau wie unsere Mitarbeiter und besonders die sehr jungen, unsere Zukunft, die Auszubildenden. Herzlichst Hans-Peter Sattler

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