Ausland
Frankreich: Hotel-Präsidentin besetzt ihr Büro
von Ralf Klingsieck
PARIS. An der Spitze der UMIH, des größten Verbandes der französischen Hoteliers und Gastronomen, fliegen die Fetzen. Am 15. März wurde Roland Héguy zum neuen UMIH-Präsidenten gewählt, nachdem am 9. März ein Gericht den Antrag von Héguys Amtsvorgängerin Christine Pujol abgewiesen hatte, ihre Amtsenthebung durch einen außerordentlichen Verbandskongress im November 2009 für unrechtmäßig und unwirksam zu erklären.
Christine Pujol, die drei Hotels und zwei Restaurants in Carcassonne besitzt, und seit 23 Jahren UMIH-Mitglied ist, war im September 2008 überraschend zur Verbandspräsidentin gewählt worden und hatte dabei Roland Héguy, den Wunschkandidaten des seinerzeit ausscheidenden Präsidenten André Daguin, aus dem Rennen geschlagen. Seitdem sannen Daguin und Héguy auf Rache. Auf dem Jahreskongress im vergangenen November gelang es ihnen, eine Mehrheit für den Sturz von Christine Pujol zu gewinnen. Seitdem führte der Ex-Präsident Daguin den Verband interimistisch.
Seit 9. März hat sich Christine Pujol in ihrem Büro am UMIH-Sitz in Paris verbarrikadiert, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, ihre Amtsenthebung und alle seitdem gefällten Entscheidungen der Verbandsführung aufzuheben.
Sie schläft auf dem Boden des Büros und lässt sich durch Freunde mit Taschen voll Lebensmitteln versorgen, die sie mit einem Strick zum Bürofenster hochzieht. Die neue UMIH-Führung hat bei Gericht einen Eilantrag gestellt, um Christine Pujol vor die Tür setzen zu dürfen. Inzwischen haben auch zwei UMIH-Regionalverbände bei Gericht beantragt, alle seit November 2009 ergangenen Beschlüsse an der Spitze des Verbandes für ungültig zu erklären. Dem Branchenverband gehören 80.000 Mitglieder an, davon 12.000 Hoteliers, 35.000 Besitzer von Restaurants, 30.000 Café-Besitzer und 1200 Inhaber von Diskotheken. Zusammen haben sie etwa 800.000 Mitarbeiter.

