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Heißes Thema kalter Rotwein

Von Ursula Heinzelmann

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/10 vom 3. März 2012
von

„Der ist leider etwas kalt.“ Entschuligend kam der kam der Kellner entschuldigend mit der Flasche an den Tisch. „Wir haben keinen Weinkühlschrank, der Wein liegt im Keller, und da ist es jetzt im Winter recht frisch.“ Ich hätte ihn umarmen können. Meine Reaktion überforderte den armen Kerl ein wenig. Warum war ich glücklich über das, was in seinen Augen eher eine Fehlleistung war?

Weil ich so oft schon das Gegenteil erlebt habe, ohne dass jemand über eine Entschuldigung auch nur im Ansatz nachgedacht hätte. Zu warmer Rotwein gehört offenbar zu den gastronomischen Mißständen, die nicht zu beheben sind. Ein allgemeiner Konsens scheint sich eingeschlichen zu haben, das zumindest bei Außentemperaturen unter 30°C gar nicht erst zu erwähnen.

Vorsichtigen Reklamationen eines Weins, der bei 20°C und darüber im Glas mehr Alkohol verströmt als irgendwelche Aromen, wird oft mit Erstaunen begegnet, als beschwere man sich über Naturgewalten wie Schnee und Regen. Bei glasweise servierten Weinen, die dann womöglich auch noch in der halbvollen Flasche einige Tage vor sich geschmort haben, wird die Sache ganz dramatisch.

Zurück zum kalten Rotwein: Der störte mich nicht, weil die Gläser groß waren. Es war eine Sache von wenigen Minuten, bis der Wein im Glas die für meinen Geschmack genau richtige Temperatur hatte. Im umgekehrten Fall wäre das Ganze viel komplizierter gewesen: erst um einen Eiskübel bitten, dann abschätzen, wie lange die Flasche im Eis bleiben soll. Wenn hoffentlich auch Wasser im Kübel ist, dann bringen 10 Minuten etwa 5 Grad. Insgesamt ist das alles mühsam und unnötig. Und wenn jetzt die Einwände kommen, Rotweine zu kühlen sei logistisch unmöglich: Wer wirklich will, findet einen Weg. Schließlich muß ich ja Weißweine auch nicht am Tisch selbst kühlen.




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