Hotellerie
Kempinski will sich "klarer positionieren"
von Helmut Heigert
HAMBURG. Die Kempinski Hotels wollen sich stärker von der Konkurrenz abgrenzen. Deshalb besinnt sich die älteste Luxushotelkette in Deutschland auf ihre europäischen Wurzeln. „Remarkable european Flair" heißt das neue Konzept, dass die Kette in den nächsten Jahren in allen Häusern umsetzen will. „Wir wollen uns im Vergleich mit anderen Hotelgruppen klarer im Markt positionieren", sagte Gianni van Daalen, zuständig für das operative Geschäft von Kempinski in Europa im Hotel Atlantic in Hamburg.
Anlass ist nach Angaben des Direktors des Kempinski Hotels Baltschug in Moskau das starke Wachstum der Gruppe in den vergangenen 10 Jahren. Seit 1998 nahm die Zahl der Kempinski Hotels von 26 auf derzeit 60 Häuser zu. Weitere 44 Hotelprojekte der Gruppe seien in Planung, die zu 90 Prozent dem thailändischen Königshaus gehört. „Wir wollen vier neue Hotels pro Jahr eröffnen", fügte van Daalen hinzu.
Das neue Markenprofil soll zum einen als Leitfaden für neue Hotels dienen. Andererseits sollen aber auch alle älteren Häuser nach den Richtlinien der Marke umgestaltet werden. Er rechne damit, dass in zwei bis drei Jahren das neue Konzept vollkommen in einem Haus umgesetzt sein werde.
Grundlage des Profils waren intensive Befragungen von Eigentümern, Mitarbeitern und Gästen in den vergangenen 12 Monaten. „Die Gäste legen vor allem Wert auf eine persönlich Ansprache am Empfang", sagte van Daalen. Aus dieser Erkenntnis sei die Idee einer „Lady in Red" entwickelt worden. Künftig sollen alle Gäste von einer rot gekleideten Empfangsdame in der Lobby begrüßt werden. Die „Seele des Hauses" soll die Gäste außerdem beraten und das Concierge-Team des Hotels unterstützen. Dabei soll sich ihre rote Uniform an der Kultur des jeweiligen Gastlandes orientieren und mit landestypischem Schmuck verziert sein.
„Heute Abend gehe ich ins Kempinski" hieß ein Schlager aus den 1920-er Jahren. Das Hotel Vaterland zählte zu den Treffpunkten der High Society in Berlin. Mit „The Ball" will die Hotelgruppe eine ihrer ältesten Traditionen wieder aufleben lassen. „Der Kempinski Ball soll ein gesellschaftliches Ereignis in allen Häusern werden", sagte van Daalen.
Auch die Spas der Hotelgruppe sollen künftig europäisch ausgerichtet werden, wobei ein Schwerpunkt auf der Verwendung von Kräutern liegen soll. Van Daalen: „Die Spas werden alle selbst betrieben."
Die Gesundheit der Gäste soll künftig auch bei den Speisen im Vordergrund stehen. Unter dem Motto „Healthy Eatings" soll künftig jedes Kempinski Hotel mindestens ein Bio-Menü mit drei Gängen anbieten. Dabei sollen die Gerichte je nach Destination variieren, um regionale Einflüsse reflektieren zu können. Außerdem soll jedes Haus mindestens ein Trennkost-Gericht auf der Speisekarte haben. „Damit unsere Gäste ihre Diät weiter verfolgen können", sagte van Daalen.
Für die überwiegend europäischen Gäste Kempinskis wurde ein neues Zimmerfrühstück entwickelt. Und als Mitbringsel werden die Gäste in Zukunft „Kempinski Cookies" in 5 Geschmacksvariationen mit nach Hause nehmen können. Um für eine gleich hohe Qualität in allen Häusern zu sorgen, sollen europäische Bäcker, Baristas und Chocolatiers weltweit Kurse anbieten. Van Daalen: „Die Spezialisten sollen unsere Mitarbeiter konzentriert schulen."

