Gastronomie
Martin Herrmann erhält zweiten Stern
von Wolf Günthner
KARLSRUHE. Die deutsche Spitzengastronomie macht auch Restauranttestern Appetit auf mehr. Im neuen Michelin-Führer 2010 listen die Karlsruher ein neues 2-Sterne-Restaurant und 23 neue Adressen mit einem Stern auf. Küchenchef Martin Herrmann (42) vom Le Pavillon im Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach im Schwarzwald gehört jetzt zur Gruppe der 18 deutschen 2-Sterne-Köche. Zwei der neu mit Sternen dekorierten Küchenchefs sind Frauen: Erika Bergmann vom Neró in Essen und Caroline Baum vom erst im Juli eröffneten Mannheimer Restaurant Amesa.
Die Jubiläumsausgabe des Michelin, der vor 100 Jahren erstmals in Deutschland erschien, listet 225 Spitzenrestaurants auf, neun mehr als vor einem Jahr. Darunter befinden sich - nach den unverändert neun 3-Sterne-Häusern und den 18 2-Sterne-Restaurants - jetzt 198 (Vorjahr 189) Lokale mit einem Stern. Dies belege die ausgezeichnete Position der deutschen Spitzengastronomie, auch wenn sich an den neun 3-Sterne-Restaurants nichts änderte, urteilten die Kochkritiker aus Karlsruhe. Deutschland bleibt mit dieser Bewertung nach Frankreich europaweit das Land mit den meisten Spitzenhäusern.
Claus-Peter Lumpp (Restaurant Bareiss) und Harald Wohlfahrt (Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach) in Baiersbronn, Juan Amador in Langen/Hessen, Sven Elverfeld (Aqua) in Wolfsburg, Nils Henkel (Restaurant Dieter Müller) und Joachim Wissler (Vendôme) in Bergisch Gladbach, Helmut Thieltges (Waldhotel Sonnora) in Wittlich/Dreis, Christian Bau (Victor's Gourmet Restaurant Schloss Berg) und Klaus Erfort (Gästehaus) Saarbrücken verkörpern weiter die Top-Adressen für Feinschmecker. Als Anwärter auf den dritten Stern listet der Michelin Thomas Bühner vom La Vie in Osnabrück auf.
Für Martin Herrmann kam der Aufstieg in die 2-Sterne-Liga völlig überraschend. „Das hätte ich nicht erwartet. Ich bin sprachlos, aber glücklich", kommentierte er die Bewertung der Tester. Der 42-Jährige hatte seine Karriere auf dem Dollenberg als Lehrling begonnen und ist dort die Erfolgsleiter hochgeklettert; der Schwager von Patron Meinrad Schmiederer machte allerdings Schlagzeilen, als Koch bei der Bambi-Verleihung, bei der Proklamation der „Sportler des Jahres" sowie zuletzt im April beim Nato-Gipfel in Baden-Baden, als der Spitzenkoch den Staats- und Regierungschefs das Menü zum Arbeitsessen zubereitete.
Auch renommierte Häuser kehrten in den Kreis der Sternelokale zurück, wie die Speisemeisterei in Stuttgart-Hohenheim (mit Frank Oehler), das Olivo im Steigenberger Hotel Graf Zeppelin in Stuttgart (mit Marc Rennhack) oder der Wilde Ritter in Durbach/Südbaden (mit Christian Baur).
15 Restaurants verloren einen Stern, darunter auch das Délice in Stuttgart, der Alpenhof in Bayrischzell und das Vitrum in Berlin. Die Wirtschaftskrise und nicht etwa nachlassende Kochkunst sei der Hauptgrund für die Streichung von 14 Restaurants aus der Sterneliste: Die meisten von ihnen mussten schließen. Dieter Kaufmann von der Traube in Grevenbroich wurde von zwei auf einen Stern zurückgestuft.
Das Dorado für Genießer bleibt Baden-Württemberg mit nunmehr 55 Sterne-Restaurants vor Bayern (35) und Nordrhein-Westfalen (34). In den neuen Bundesländern gibt es jetzt 15 Sterne-Lokale (bisher 14). In der gastronomischen Städtewertung ist Berlin mit 12 Sterne-Restaurants die Gourmet-Hauptstadt vor Hamburg (11), München (8), Stuttgart (7), Frankfurt/Main und Düsseldorf (je 6), Köln (5) und Mannheim (4).
Der „Michelin" zeichnete außerdem 52 Restaurants mit einem Bib Gourmand aus, dem beliebten Prädikat für sorgfältig zubereitete Mahlzeiten zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Insgesamt gibt es in Deutschland nun 362 Häuser (Vorjahr 336). Lediglich 26 Bib Gourmands wurden gestrichen.


