Branchenpolitik
Mehrwertsteuersenkung wirkt
BERLIN. Die Regierung von Nordrhein-Westfalen hat in Sachen reduzierte Mehrwertsteuer für die Hotellerie wieder ein neues Fass aufgemacht und die Aussetzung des reduzierten Satzes gefordert.
Umgehend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel solchen Bestrebungen jedoch eine klare Abfuhr erteilt. Nach Angaben von www.heute.de hat Merkel klarstellen lassen, dass sie die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent nicht zurücknehmen wird. Zu Änderungen bei der Umsetzung soll die Kanzlerin allerdings bereit sein.
Unangefochten von den Aufgeregtheiten in Politik und Medien werden indes die Hoteliers ihrer Verantwortung als Unternehmer gerecht. Sie lassen Gäste, Handwerker und Mitarbeiter von der Mehrwertsteuersenkung profitieren.
Wie der DEHOGA Bundesverband in Berlin mitteilt, gehen bei ihm und dem Hotelverband Deutschland (IHA) derzeit zahlreiche Schreiben, Faxe und E-Mails von Hoteliers ein, in denen sie über ihre konkreten Maßnahmen berichten. Denn: 7 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer gäben den Unternehmern dringend benötigte Handlungsspielräume für mehr Investitionen, niedrigere Preise sowie für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in schwierigen Zeiten.
Der DEHOGA nennt exemplarisch zehn Unternehmerstimmen aus der Privat- und Markenhotellerie:
Das Altstadthotel Zieglerbräu in Dachau bietet seinen Gästen ab sofort 10 Prozent niedrigere
Zimmerpreise an www.zieglerbraeu.com ), und das Flairhotel Zum Storchen in Bad Windsheim investiert in sein Produkt: 30.000 Euro werden die neuen Bäder und der Innenanstrich kosten. Für die Mitarbeiter gibt es eine 10-prozentige Lohnerhöhung. Im Frühjahr soll ein weiterer Ausbildungsplatz besetzt werden www.zumstorchen.de ).
Das Landhotel Tannenhof hat bereits im Dezember zwei Vollzeitarbeitsplätze geschaffen und ortsansässige Hartz IV-Empfänger eingestellt. In Folge der Mehrwertsteuersenkung kann der Betrieb wieder Ausbildungs- und Praktikantenstellen offerieren. Außerdem sind Investitionen in Höhe von 60.000 Euro geplant. Davon wird vor allem das regionale Handwerk profitieren www.landhotel-tannenhof.de ).
Im Hotel Jagdschloss & Romantikhotel Inselmühle in München spiegeln sich ebenfalls die positiven Impulse aus der Mehrwertsteuersenkung wider. Das Hotel wird 120.000 Euro in den Wintergarten investieren, 12.000 Euro in die Telefonanlage und 8000 Euro in neue Matratzen. Im Februar findet eine Mitarbeiterschulung statt www.jagd-schloss.com ).
In einen neuen Arbeitsplatz, die Anschaffung einer Solaranlage für 60.000 Euro sowie in Zimmerpreissenkungen um bis zu 6 Prozent fließt das ersparte Geld im Hotel Villa Arborea in Augsburg www.hotel-villa-arborea.de ).
Eine Chance auf eine Berufsausbildung erhält eine Bewerberin ohne Hauptschulabschluss im Gutshof Ziegelhütte, der zum November 2009 einen zusätzlichen Ausbildungsplatz geschaffen hat. Einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz durch eine kohlendioxidsparende Küchenausstattung leistet das Hotel durch eine mehrere tausend Euro teure Investition. 5 Prozent der Mehrwertsteuerersparnis werden an Gäste weitergegeben. Über eine 5-prozentige Lohnerhöhung werden alle Mitarbeiter mindestens 50 Euro mehr jeden Monat mit nach Hause nehmen können (ww.gutshof-ziegelhuette.de).
Die Mehrwertsteuersenkung hat das Romantik Hotel Der Adelshof in Schwäbisch Hall genutzt, um allen Teilzeit- und Vollzeitkräften, die länger als ein Jahr im Betrieb sind, einen Sonderbonus von 100 Euro zum 31. Januar 2010 zu zahlen. Außerdem stellt das Hotel für seine Mitarbeiter Fortbildungsgutscheine von 250 bis 400 Euro zur Verfügung. Die Gäste kommen
in den Genuss eines vergünstigten Wochenendangebots. Zudem läuft das Bewerbungsverfahren für zwei neue Angestellte www.hotel-adelshof.de ).
Beim SORAT Hotel Ambassador Berlin fließen 120.000 Euro in Investitionen für Zimmer, Fenster, Energie- und Lüftungsanlagen. 45.000 Euro werden für die zusätzliche Entlohnung der Mitarbeiter genutzt, für 10.000 Euro bietet das Hotel Qualifikationsmaßnahmen an. Darüber hinaus hat der Betrieb drei zusätzliche Vollzeitstellen und eine Teilzeitstelle geschaffen www.sorat-hotels.com/ambassador-berlin ).
Die A&O Hotels und Hostels haben im Zuge der Mehrwertsteuersenkung ihre Preise um rund 5 Prozent gesenkt, 250.000 Euro beträgt die Investitionssumme für den Ausbau des Wintergartens im A&O München Hackerbrücke und für 500.000 Euro wird das A&O Hamburg Reeperbahn modernisiert. Aber auch die Mitarbeiter profitieren: 120.000 Euro werden für die zusätzliche Entlohnung der Mitarbeiter aufgewandt. 25.000 Euro stehen für Qualifikationsmaßnahmen bereit, außerdem werden
zwei zusätzliche Vollzeitmitarbeiter eingestellt www.aohostels.com ).
Auch das Ringhotel Bremer Tor in Stuhr hat seine Zimmerpreise um 7 Prozent gesenkt. Hier wird zudem eine neue Mitarbeiterin eingestellt www.hotel-bremer-tor.de ). Insgesamt investieren die Häuser der Ringhotels 20 Millionen Euro in Hard- und Software. Für das Jahr 2010 sind in den Mitgliedsbetrieben sowohl Renovierungen und Erweiterungen als auch Schulungen und Vergünstigungen für die Mitarbeiter geplant www.ringhotels.de ).
Der DEHOGA Bundesverband und Hotelverband Deutschland verweisen zudem auf die Basis-Initiative eines Hoteliers aus Nürnberg. Auf der Online-Plattform unter www.erfolg7prozent.de haben bereits nach wenigen Tagen 300 Hoteliers ihre Maßnahmen eingetragen. Täglich werden es mehr. Die genannten Investitionen in Häuser, Mitarbeiter und niedrigere Preise belegen eindrucksvoll die positive Wirkung der Mehrwertsteuersenkung für den Tourismusstandort Deutschland, so die Verbände. Allerdings sei auch klar, dass vier Wochen nach Inkrafttreten des Gesetzes noch keine Gesamterhebung vorliegen könne.
DEHOGA und IHA appellieren an die Politik, den Hoteliers, Gasthof- und Pensionsbetreibern eine faire Umsetzungschance zu geben. "Eine positive Wirkung der Mehrwertsteuersenkung erfordert eine konstruktive Wegbegleitung durch die Politik auf allen Ebenen." Die Diskussion um Bettensteuern in mehreren deutschen Städten mache die Chancen aus der Mehrwertsteuersenkung zunichte und schade dem lokalen Tourismus anstatt die Leistungsfähigkeit der Hotellerie, die Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort schafft und dort ihre Steuern zahlt, zu stärken. red

