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Management

Oben wird die Luft für Frauen dünner

27. Juni 2009
von Susanne Stauß

DÜSSELDORF. Bei der Suche nach erfolgreichen Frauen in Führungspositionen des Gastgewerbes wird die Luft dünn. Wer nach Managerinnen sucht, die darüber hinaus auch noch Mutter sind, findet diese vor allem in der Privathotellerie oder unter selbständigen Gastronomen.
 
Eine der wenigen Ausnahmen ist Katja Schnabel, Direktorin des Lindner Hotel Rhein Residence in Düsseldorf und Mutter eines dreijährigen Sohnes. Schon bevor ihr Sohn auf die Welt kam, leitete Schnabel das Hotel. Acht Wochen nach der Geburt kehrte sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.
 
„Mir kam dabei zugute, dass bei Lindner sehr ergebnisorientiert gearbeitet wird“, sagt Schnabel. Ob sie ihre Büroarbeiten wie Forcasts oder Analysen am Abend zu Hause oder in Hotel erledige, spiele für die Geschäftsführung keine Rolle. „Man muss allerdings gut organisieren können, um beides unter eine Hut zu bekommen“, fügt Schnabel hinzu. Sie erhalte viel Unterstützung durch ihren Mann und den Rest der Familie. Wichtig sei aber auch die Einstellung des Lindner Managements. „Als ich kurz nach der Geburt an einer Direktorentagung teilnahm, kam mein Mann mit und brachte mir das Kind zum Stillen“, erzählt Schnabel.
 
Für Konzernchef Otto Lindner, selbst Familienvater, war dies kein Problem.
Glück hatte Schnabel auch mit dem Kindergarten, der ganz in der Nähe des Hotels liegt. Bricht die perfekte Organisation doch einmal zusammen und Schnabel muss ihren Sohn außerplanmäßig selbst von dort abholen, dann nimmt sie ihn zum Essen mit in die Hotelkantine. Am meisten ärgert sich Schnabel über die gängigen Vorurteile, dass Kinder ständig krank seien und die Eltern dann zu Hause bleiben dürften. Wer Kinder hat weiß, dass Kinderkrankheiten keinesfalls an der Tagesordnung und normalerweise sehr schnell ausgestanden sind.
 
Kinder von selbständigen Restaurant- oder Hotelinhabern wachsen in der Regel zwischen Herd und Tresen auf. Ein ganz besonders ausgefeiltes Programm, um Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, hat Anja Barth entwickelt. Die Geschäftsführende Gesellschafterin des Favorite Parkhotel in Mainz und Mutter zweier Töchter im Alter von 11 und 12 Jahren begann acht Wochen nach der Geburt des ersten Kindes wieder mit der Arbeit. Die Kinder kamen aber nicht mit ins Hotel, sondern blieben zu Hause.
 
„Der Vorteil unserer Branche liegt ganz klar in der Schichtarbeit“, sagt Barth. In den ersten beiden Jahren als junge Mutter ging sie von 18 bis 23 Uhr arbeiten und hatte somit tagsüber Zeit für die Familie, ein Kindermädchen blieb abends bei den Kindern. Als diese in den Kindergarten kamen, begann Anja Barth zusätzlich vormittags von 8 bis 13 Uhr zu arbeiten. Ihre Nachmittage gehörten und gehören auch noch heute den Kindern.
In ihrem Betrieb beschäftigen Anja und Christian Barth einige Mütter.
 
Eine Mitarbeiterin leitet nach sieben Jahren Elternzeit heute den Frühstückservice von 5.30 Uhr bis 11.30 Uhr, die langjährige Verkaufsdirektorin hat sich nach der Geburt eines Kindes ein Homeoffice eingerichtet und auch die PR- und Marketing-Leiterin des Hotels hat inzwischen ein Kind.
 
Der Frühstückservice ist aufgrund seiner Arbeitszeit ein besonders beliebtes Betätigungsfeld für gastronomische Fachkräfte mit Kindern. Auch die Villa Rothschild in Königstein beschäftigt mit Ute Ditz (43) eine vierfache Mutter im Frühstückservice. Ihre Arbeitszeit von 6 bis 12 Uhr lässt nachmittags Zeit für die Kinder, der Vater arbeitet ganztags in einer Werbeagentur. „Die Frühschicht an der Rezeption eignet sich ebenfalls gut für Mütter“, sagt Uta Krause-Junk, Resident Managerin der Villa Rothschild. In ihrem Hotel beschäftigt sie auch eine ganz besondere Rarität: einen Mann, der sich tagsüber um die Kinder kümmert, während seine Frau als Verkäuferin arbeitet.
 
Harry Lippitz (45), Vater des vierzehnjährigen Tobias, des neunjährigen Fabian und der 18 Monate alten Jolien, sah sich nach der Geburt der kleinen Tochter nach einem Job um, der dem Familienleben zuträglich ist. Von 23 Uhr bis 7 Uhr arbeitet Lippitz jetzt als Night Audit in der Villa Rothschild.


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