Branchenpolitik
Reduzierte Mehrwertsteuer: Debatte voller Vorurteile
von Hendrik Markgraf
Die öffentliche Debatte über die Reduzierung der Mehrwertsteuer entfernt sich mehr und mehr von ihrem sachlichen Kern. Was in 21 EU-Staaten eine Selbstverständlichkeit ist, wird hierzulande zu einem Skandal hochgejazzt.
Die Spende des Milliardärs Finck scheint diesen Skandal noch zu bestätigen. Doch dass Finck, dessen Imperium weit mehr als den Konzern Mövenpick umfasst, bei seiner Millionengabe an die FDP „speziell an die Mehrwertsteuerentlastung für Hotels gedacht hat, ist so wahrscheinlich wie die Vorstellung, dass er den Roten oder den Grünen eine Gabe in den Klingelbeutel stecken könnte“, schreibt die Süddeutsche Zeitung treffend dazu.
Für den verminderten Mehrwertsteuersatz haben sich schon seit Jahren Parteien aller Couleur stark gemacht. Es ging und geht um Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Es ging und geht darum, Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland zu sichern und zu schaffen.
Viele Betriebe sind in ernsten Schwierigkeiten. Dabei geht es nicht um Luxushotels, wie Fernsehbilder von Nobelherbergen suggerieren. Solche Beiträge verzerren das Bild von der Hotellandschaft Deutschland. Von 35.000 Beherbergungsbetrieben sind sage und schreibe 150 5-Sterne-Hotels. Und der höchsten Stufe, 5-Sterne-superior, gehören gerade mal 70 an.
Der deutsche Hotelier ist kein Millionär. Ein Drittel der Betriebe setzt weniger als 100.000 Euro im Jahr um. 60 Prozent weniger als 200.000 Euro. Und magere 7 Prozent erwirtschaften mehr als 1 Million Euro.
Die Hotellerie braucht die Steuererleichterung. Und sie wird sie auch weitergeben. Durch Preisanpassungen, Arbeitsplatzsicherung und Investitionen, die der gesamten Volkswirtschaft zugute kommen.


