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Oliver Firla:

© Helmut Heigert

Meinung

Regional – aber richtig!

14. Februar 2016

Endlich Zeit für ein Essen in Zweisamkeit. Meine Frau schlägt „etwas Regionales“ vor. Nach intensiver Recherche und 23 Kilometern Fahrt am Ziel. Die erste Enttäuschung: versteckt zwischen „Schnitzelparade“ und „Pizza & Pasta“ gibt es drei regionale Gerichte. Serviert werden – nächster Dämpfer – Zubereitungen, die sich schnell als Convenience-Produkte erschmecken lassen. Die Diskussion auf der Rückfahrt bringt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Eine überspitzte Reaktion? Nein, selbst erlebt, von Kollegen und von Gästen immer wieder erzählt.

So einfach kann man eben nicht auf den fahrenden kulinarischen Regional-Zug aufspringen! Denn stellt man dieses Attribut bei seinen Werbemaßnahmen in den Vordergrund, schlägt das dem Gast unter Umständen auf den Magen. Und es ist zu kurz gedacht. Eine dauerhafte Kundenbindung oder Neukunden-Gewinnung lässt sich mit ein paar Worten in einer Speisekarte ohnehin nicht erreichen. Zumal eine wichtige Verbraucherschicht in jüngerer Vergangenheit zunehmend informierter, qualitätsbewusster und kritischer geworden ist. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Konsum in Zukunft verstärkt mit Verantwortungsbewusstsein und individualisierten gesundheitlichen, sozialen und ökologischen sowie ökonomischen Werten verknüpft sein wird.

Für eine Hotellerie und Gastronomie, die auf Regionalität setzt, reicht es nicht, mit bloßen Werbesprüchen Anreize zu wecken. Für den Gastgeber bedeutet es zum Beispiel, etwas mehr als der Durchschnitt in die Strukturierung, Organisation und innerbetriebliche Weiterbildung zu investieren. Denn es geht darum, die Sinne des Gastes für die Region zu wecken, regionale Zusammenhänge zu verdeutlichen und die Geschichte der verwendeten Produkte zu erzählen.

Insgesamt muss es Ziel sein, das Bekenntnis zur Region für den Gast sichtbar zu machen. Die Herkunft der regionalen Produkte, ihre Qualität, handwerkliche Zubereitung und PräsentationZweckbestimmte und am Empfänger orientierte Information, welche versucht, den Kommunikationsfluss zu verbessern und Expertenwissen durch Darstellung oder Darbringung eines Produkts, einer Serviceleistung oder einer Information anderen zugänglich zu machen.
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müssen das Engagement des Kochs und eines Betriebes deutlich werden lassen – und letztlich erlebbar machen.

Eine wichtige Hürde muss ebenfalls noch genommen werden – die Authentizität. Die Region, in der der Betrieb verwurzelt ist und arbeitet, muss glaubwürdig und nachvollziehbar abgegrenzt werden. Nicht nur die Angebotspalette von regionalen Produkten ist eine Orientierungslinie, sondern auch die kulinarischen Traditionen, die kulturellen Zusammenhänge und das Verständnis für die hier im Wandel der Jahreszeiten lebenden und arbeitenden Menschen.

Insofern muss sich das kulinarische Angebot eines sich regional präsentierenden Betriebs auch saisonal ausrichten. Denn wer nur das gesamte Jahr über gleichbleibende Regionalgerichte anbietet, wirkt nur allzu schnell einfallslos und unglaubwürdig.

In der Spannung liegt die Würze. Hierdurch werden Emotionen und Erlebnis-Erwartung angesprochen. Alle fünf Sinne müssen gleichsam angeregt werden, um „die Region“ mit Kopf, Herz und Gaumen genießen zu können. Das Zusammenspiel aller Sinne sorgt für eine positive Erinnerung an die genossene „regionale Küche“ und setzt sich in unserem Langzeitgedächtnis fest. Ein Moment der Zufriedenheit auf allen Seiten – beim Gast, beim Koch und beim Gastgeber.


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