Editorial
Regulierung, nein danke!
von Hendrik Markgraf
STUTTGART. Low Budget boomt. Das Segment kam relativ gut durch die Krise und ist 2010 weiter im Aufwind. Ein eigener Markt im Low-Budget- Markt sind die Hostels. In einer Hotel welt, in der feste Kategorisierungen sich auflösen, also die Preis- und Leistungsniveaus verschwimmen, gedeiht dieser Zwitter, der mal mehr, mal weniger Hotelcharakter annimmt, ebenso mal mehr oder weniger Jugendherbergscharme versprüht.
Die oftmals eventorientierten touristischen Betriebe sind attraktiv für Leute mit kleinem Portemonnaie, für kommunikationsfreudige junge Leute, nicht nur Jugendliche, sondern auch junge Erwachsene.
Die vorteilhafte Kostenstruktur – der Personalkostenanteil liegt bei zirka 13 Prozent – und eine Umsatzrendite von 10 Prozent machen Hostels auch für Ketten attraktiv. Die Hochburg der Hostels ist Berlin. Dort machen sich nicht nur Ketten wie A&O, der Marktführer, oder Meininger breit, sondern auch etliche Einzelunternehmer, die den Markt (noch) prägen. Die Umwidmung von Wohnraum oder von leerstehenden Büroflächen zu Hostels oder der Neubau hat jetzt in Berlin eine einmalige Konsequenz: Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erschwert die weitere Ansiedlung von Hostels und Budget-Hotels. Begründung: Streit zwischen Anwohnern und Hostel-Gästen. Auch ein geplantes 530-Betten-Hostel von A&O sollte gestoppt werden, was aber nicht gelang. Die Großen haben offenbar bessere Karten im Verdrängungsprozess.
Die Regulierung des Hotelmarkts kommt somit in eine neue Dimension. In früheren Zeiten lockte man durch Subventionen, jetzt schreckt man ab durch Verbote. Das geht zu weit.

