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Steuern & Abgaben

Geht auf Konfrontationskurs zu den Gastwirten und Hoteliers: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Foto: Armin Leberzammer

Branchenpolitik

Steinbrück zeigt Wirten die rote Karte

8. September 2009
von

ABENSBERG. Einige Hundert Gastwirte und Hoteliers haben am Montagvormittag für die Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes im Gastgewerbe demonstriert. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) hatte den politischen Frühschoppen auf dem niederbayerischen Volksfest Gillamoos zum Anlass für einen Aktionstag seiner Initiative „Pro 7 Prozent“ genommen.

„CSU und FDP müssen wir ja nicht mehr überzeugen“, bekräftige BHG-Präsident Siegfried . Die stimmgewaltigste Verbandsmitgliederabordnung versammelte sich deshalb im Zelt der Sozialdemokraten, wo sie immer wieder „Sieben Prozent, sieben Prozent!“ skandierte.

Doch davon blieb Bundesfinanzminister Peer unbeeindruckt. „Ich kann euren Beifall kriegen, wenn ich euch nach dem Mund rede“, entgegnete er. Doch das werde er nicht tun, denn „90 Prozent haben nicht das gleiche Interesse wie ihr.“ Er wolle nicht sein wie Ministerpräsident Horst Seehofer („das größte politische Irrlicht“), der schon so vieles versprochen hat – auch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes. „Der wird es bestimmt nicht halten“, rief Steinbrück den Wirten zu. Schließlich saß der CSU-Chef seinerzeit mit im Bundeskabinett, als die Steuersätze beschlossen wurden.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hielt dagegen eine recht allgemeine Rede, in der nicht die Probleme des Gastgewerbes, sondern die wirtschaftliche Großwetterlage thematisiert wurde. Die FDP wiederum erneuerte ihre Unterstützung für „Pro 7 Prozent“. Sehr zur Freude von BHG-Vizepräsidentin Jutta Griess, die sich die Reden von Martin Zeil und dem örtlichen Bundestagskandidaten angehört hat. Mittlerweile sei die Diskussion um die derart präsent, dass sich unabhängig von der zukünftigen Regierungskoalition etwas tun werde, „da bin ich mir sicher.“

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Leser-Kommentare zum Artikel (3)

Gastronaut
Gastronaut

09.09.2009 um 16:31

Betreff: Mehrwertsteuer

Lieber Rob, Darwinismus? Natürliche Auslese? Schon mal was davon gehört? Aus meiner tägliche Praxis weiß ich, dass es jede Menge Wirte gibt, die wirtschaftlich eigentlich schon tot sind, aber es (noch) nicht wissen, weil sie von den Brauereien, einem demnächst gesenkten Mwst.-Satz oder sonstigen Kapitalzuflüssen künstlich am Leben gehalten werden. Das wird aber nicht ewig so gehen. Wenn diese Marktteilnehmer ausscheiden, wird es nicht der Vielfalt schaden: wir haben eh' seit Jahren ein Überangebot an Outlets, und der Kampf um Marktanteile ist ein Verdrängungswettbewerb. Der wird jetzt in der Krise eben härter. Mit Mwst.-Senkung dauert die Flurbereinigung eben etwas länger, ohne sterben die kranken und schwachen etwas schneller. Das Ergebnis wird dasselbe sein. Aber, Lieber Rob, warum soll die Allgemeinheit - und die wird die Ausfälle durch die Mwst.-Senkung an anderer Stelle abfedern müssen - dafür bezahlen, dass ein ohnehin laufender Ausleseprozess verzögert wird? Wo gleichzeitig Kinder unter Lehrermangel, Bildungsqualität und einer Gesellschaft leiden, in der ein Alleinverdiener in der Großstadt eine Familie nicht mehr ernähren kann? Deutschland hat wahrlich größere Probleme als die Senkung des Mwst.-Satzes für eine Branche!!! Dass Steinbrück weg muss, darin sind wir uns einig - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen ;-)

Rob, Passau
Rob, Passau

09.09.2009 um 12:52

Betreff: Mehrwertsteuer

Liebe Kollegen, Gastronaut hat mit seinem Argument insofern Recht, dass auch meiner Meinung, nach die Ersparnisse nicht in Form von Vergünstigungen an die Gäste weitergegeben werden. ABER: es geht aufgrund der Wirtschaftskrise bei vielen Betrieben ums überleben...und nicht um eine "Profitmaximierung". D.h. der Geschäftsrückgang (der im übrigen bei höheren Kalkulationen noch dramatischer wäre) wird durch die Senkung der Mehrwertsteuer ein wenig abgefedert und hilft somit vielen Wirten ihr Personal und Lieferanten weiter bezahlen zu können. Aus diesem Grunde stehe ich absolut hinter der Aktion und hoffe, dass Politiker mit mehr Weitblick als Herrn Steinbrück die nächste Legislatiurperiode bestreiten werden.

Gastronaut
Gastronaut

09.09.2009 um 10:21

Betreff: Mehrwertsteuer

Liebe Kollegen, wenn Ihr mal ehrlich wärd, würdet Ihr zugeben, dass die Diskussion um die Senkung der Mehrwertsteuer eine einzige Farce ist. Die Senkung der Mwst. dient nur dazu, um Profit zu generieren: erst zu ängstlich kalkuliert, dann wurde Energie, Bier, Arbeit etc. teurer, und jetzt die Hosen voll vor Angst vor der notwendigen Preiserhöhung, die zugegebenermaßen in eine "Unzeit" fallen würde. Erinnert sehr an die Situation in den letzten 18 Monaten vor der Euro-Einführung. Der Staat würde uns mit 12%-Punkten beschenken. Fein. Eine Preissenkung wird das aber ebensowenig nach sich ziehen, wie die Banken die Wirtschaft derzeit mit Krediten versorgen, obwohl sie billiges Geld und Bürgschaften des Staates haben. An eine Preissenkung in der Hotellerie/Gastronomie als Folge des gesenkten Steuersatzes glaubt in meinem (recht großen privaten und beruflichen) Umfeld jedenfalls niemand! Es ist nur allzu verständlich, aber leider auch allzu fadenscheinig, was da passiert. Dass der DEHOGA sich vor diesen Karren spannen lässt, wirft, so wie es bisher gelaufen ist, nicht nur ein schlechtes Licht auf den Verband, sondern auf die ganze Branche. Kein Wunder, wenn man uns als "Gastronoven" beschimpft... hat der DEHOGA eigentlich keine PR-Abteilung, die das vernünftg hätte auf die Beine stellen können? Denn: Profitmaximierung ist legitim, und dafür machen wir es ja alle. Aber wenn man sich auf dieses politische Glatteis begibt, dann doch bitte gut präpariert und nicht derart unprofessionell.