Branchenpolitik
Streit ums Rauchverbot
MÜNCHEN. Heftige Reaktionen hat die Forderung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) nach einen völligen Rauchverbot in der Gastronomie ausgelöst. Der BHG-Vorstand hatte sich - aus Gründen der Chancengleichheit - für ein Rauchverbot in allen Lokalen und Bierzelten ausgesprochen. Damit geht er über die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hinaus.
In einer ersten Reaktion stellt sich DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges gegen den bayerischen Verband: "Der Föderalismus tobt nicht nur in der Politik", sagt sie im Berliner Tagesspiegel. Es sei nicht Aufgabe eines Wirtschaftsverbandes, gesetzliche Regelungen mit Verboten einzufordern.
Schelte für den neuen BHG-Präsidenten Siegfried Gallus kommt nicht nur aus Berlin. "Es kann nicht sein, dass unser eigener Präsident das fordert", wird der Münchner Ratskeller-Wirt Toni Winklhofer in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Dies sei auch bei der letzten Landesdelegierten-Versammlung nicht so beschlossen worden. Von der Kehrtwende "entsetzt" zeigt sich auch die stellvertretende Münchner BHG-Kreisvorsitzende Birgit Netzle-Piechotka: "Ich verstehe die Welt nicht mehr". Für "Wichtigtuerei" und "Profilierungssucht" sprechen hingegen die Wiesn-Wirte Sepp Krätz und Toni Roiderer.
In anderen Landesverbänden wird die Verbotsforderung sehr reserviert aufgenommen. "Das erleichtert die Sache nicht", so der baden-Württembergische DEHOGA-Sprecher Daniel Ohl. Der Verband setzt weiter auf eine freiwillige Regelung.