Ausland
Südafrika ein Jahr vor dem Anpfiff zur Fußball-WM
von Andrea Tapper
KAPSTADT. Endlich kommt der Ball ins Rollen: Die ersten Spiele sind ausverkauft, bis zu eine halbe Million Besucher werden bei der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden erwartet, davon 60.000 Deutsche. Wie stellt sich Südafrikas Hotel- und Tourismusindustrie auf den sportlichen Mega-Event ein? Gibt es noch Schnäppchen für reisewillige Fans? AHGZ-Mitarbeiterin Andrea Tapper sah sich vor Ort um und befragte Reiseveranstalter Ingo Brüggemann (31) und Hotelier Nils Heckscher (46) in Kapstadt.
Elf neue 4- und 5-Sterne-Hotels sind im Bau oder bereits fertig gestellt wie das luxuriöse Wellness-Hotel „One&Only“ in Kapstadt. Das Angebot an Unterkünften ist vielfältig: Luxuriöse Lodges, trendige Stadthotels, Hunderte von Bed&Breakfast-Pensionen und 150 Backpacker-Hostels gibt es in den Spielstädten und Umgebung. „Wir haben im Dezember eine halbe Million Touristen im Land, warum sollen wir nicht 400.000 Fußball-Fans unterbringen können“, meint WM-Chefkoordinator Danny Jordaan, der Franz Beckenbauer Südafrikas.
Zwanzig Minuten braucht das Luftkissenboot von Kapstadt bis zu kargen Gefangeneninsel Robben Island, wo Nelson Mandela 18 Jahre inhaftiert war. Auf der Rückfahrt klicken Dutzende von Touristen-Handys, um zwischen Tafelberg und Meer die wohl größte Baustelle Afrikas zu fotografieren: ein riesiges, weißes Halbrund, bis in die oberen Sitzreihen für mehr als 68.000 Zuschauer fertig gestellt, nur das Dach der kühnen Glasfiberkonstruktion des Hamburger Architektenbüros Gerkan, Merk und Partner fehlt noch.
In knapp einem Jahr, am 11. Juni 2010, soll Anpfiff sein am Kap: Nach anfänglichen Pannen haben die zehn Stadien in neun Städten - fünf davon Neu-, der Rest Erweiterungsbauten - sichtbar Gestalt angenommen und Zweifler vorerst verstummen lassen. Chromglitzernde Bus-Haltestellen, so groß wie Mini-Bahnhöfe, schießen selbst im finstersten Innenstadtteil Hillbrow in Johannesburg aus dem Boden. Speed-Busse sollen die Fans in die Stadien bringen. Dagegen protestieren gerade vehement die privaten Minibus-Betreiber: „Transport ist unser größtes Problem“, geben Experten zu.
Südafrika bleibt ein Land der Gegensätze: Immer noch hat das Land mit 50 Morden pro Tag auf 47 Millionen Einwohnern die höchste Kriminalitätsrate der Welt. 52.000 Polizisten sollen die WM-Spiele sicher machen. Kritiker sagen bis heute, man hätte besser Häuser für die Armen statt Stadien im Land der Rugby-Begeisterung bauen sollen.
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