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Hotellerie

Terror bedroht Cityhotels

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/7 vom 14. Februar 2009
von

BERLIN. Auch Hotels in Deutschland sind vor Terroranschlägen nicht gefeit. Erst kürzlich hat das Innenministerium vor erhöhter Terrorgefahr gewarnt. In einem El-Kaida-Video wurde die Bundesrepublik explizit bedroht. Hotels, besonders die in den Innenstädten, sind dankbare Ziele für Attentäter. Das haben die verheerenden Terroranschläge auf Hotels in Mumbai und Islamabad im vergangenen Jahr gezeigt. Seither geht die Angst um. So fürchten Mitarbeiter einiger deutscher Hotels, dass auch sie bald Zielscheibe für eine ähnliche Bluttat werden könnten.

Ein Berliner 5-Sterne-Hotel, das anonym bleiben möchte, hat als Folge der Anschläge in Indien seine Mitarbeiter dazu aufgefordert, Augen und Ohren im Haus offen zu halten, um verdächtige Personen frühzeitig zu erkennen.

Die meisten Hoteliers wiegen sich hingegen in Sicherheit und geben Entwarnung. Hilton, Hyatt und Steigenberger wollen sich zu dem Thema überhaupt nicht äußern. „Wir geben keine Details bekannt, damit wir die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter nicht gefährden“, sagt Marion Schön, Sprecherin der Hilton Hotels in Frankfurt am Main. Bei Best Western wird die Gefahr von ähnlichen Terroranschlägen in Deutschland als gering eingeschätzt.

Absoluter Schutz unmöglich

Doch die vermeintliche Sicherheit trügt, wie Experten bestätigen. Viele Hotels sind kaum gegen Anschläge geschützt. „Sicherheit ist ein heikles Thema bei Hoteliers. Das ist auch unsere Erfahrung. Die meisten Hotels interessiert das Thema nicht. Sie reagieren wie ein Vogel Strauß, stecken den Kopf in den Sand und sagen sich, dass Indien sehr weit entfernt liegt“, sagt Ulrich Jander, Vorsitzender des Fachverbandes für Qualitätsmanagement in Hotels in Rüsselsheim. „Die Terroranschläge in Indien zeigen jedoch erneut, dass Hotels sehr verwundbar sind. Daher müssen wir davon ausgehen, dass derartige Anschläge auch in Deutschland passieren werden“, erläutert er. Dass Europa sich nicht in Sicherheit wiegen kann, hat der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, in einem Interview deutlich gemacht. Da der islamistische Terror als transnationales Netz ausgelegt ist, sei Deutschland Teil eines gemeinsamen Gefahrenraumes in Europa, in dem Terroristen grundsätzlich überall und jederzeit zuschlagen könnten.

Hotels gehören zu den so genannten „weichen Zielen“ für Terroristen. Ein Anschlag auf ein 5-Sterne-Hotel in Deutschland ist daher auch für Peter Roell denkbar, den Präsidenten des Instituts für Strategie-, Politik-, Sicherheits- und Wirtschaftsberatung (ISPSW) in Berlin. Als Reaktion auf die jüngsten Anschläge werden seiner Einschätzung nach große Hotelketten zunächst einmal eine Bestandsaufnahme machen und prüfen, ob und inwieweit sie ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessern können. „So kann das Anbringen von durchsichtigen Splitterschutzfolien an den Hotelfenstern schon zur Erhöhung der Sicherheit beitragen. Auch eine Sicherheitsüberprüfung des eigenen Hotelpersonals wäre sinnvoll“, sagt Peter Roell. Zudem können Poller, Betonelemente, Videokameras oder Schranken vor Hoteleingängen bereits die Sicherheit deutlich erhöhen.

Da internationale Hotelketten weltweit tätig sind, passen sie ihre Sicherheitsstandards jedoch in der Regel nur den regionalen Bedrohungslagen an. Daher gibt es große Unterschiede zwischen Deutschland und Europa sowie anderen Teilen der Welt. „Leider werden oft notwendige Sicherheitsmaßnahmen immer erst dann ergriffen, wenn es zu einem Anschlag gekommen ist“, weiß Peter Roell. Denn Sicherheit kostet Geld – viel Geld. Und diese Investitionen sind äußerlich meist nicht zu sehen, im Vergleich zu einer schön renovierten Hotelhalle.

Ein weiteres Problem ist, dass bei einigen Hotelketten in der Vergangenheit Finanzinvestoren eingestiegen sind, die immer mehr Kosten sparen, um die Rendite zu steigern. Dort wird so gut wie gar nicht investiert. Das Thema Sicherheit von Hotels steht bei vielen Investoren nicht an oberster Stelle. Dies könnte sich aber schlagartig ändern, wenn es zum Beispiel zu hohen Schadensersatzklagen amerikanischer Anwälte kommt, meint Peter Roell.

„Im Falle von verletzten oder getöteten Amerikanern werden US-Anwälte sehr genau prüfen, inwieweit Sicherheitsmaßnahmen im personellen und materiellen Bereich seitens der Hotelbesitzer, der Betreiber oder der Hoteldirektoren getroffen wurden.“ Welche Lücken bei der Sicherheit bestehen, hat kürzlich eine Übung in einem großen Berliner 5-Sterne-Hotel gezeigt. Ein Mitarbeiter erzählte, dass dabei vieles schief gelaufen ist. So nahmen viele den Testlauf für die Evakuierung nicht ernst, weil durchgesickert war, dass es sich um eine Übung handelte. Außerdem haperte es an der Koordination der einzelnen Abläufe, weil in diesem Haus viele Fremdfirmen tätig sind. Innerhalb dieser Subunternehmen weist der Mitarbeiterstamm eine hohe Fluktuation auf, was zu weiterer Unkenntnis bei den Beschäftigten führt. Viele wussten daher nicht, was im Ernstfall hätte getan werden müssen.

Standards vorschreiben

Doch in vielen Hotels gibt es noch nicht einmal Übungen. Manche Häuser gehen sogar fahrlässig mit dem Thema Sicherheit um, weiß Ulrich Jander. „Wir sehen das bei unseren Sicherheitsberatungen in Hotels. So ist es vorgekommen, dass Gästelisten, die auf einem Servicewagen herumlagen, problemlos eingesehen werden konnten.“ Daher müsse die Politik nun handeln, um gewisse Mindeststandards für die Sicherheit vorzuschreiben. Aber so lange sich nichts gravierend ändere, sei es ratsam, lieber in einem First-class-Hotel am Rande der Großstädte Unterkunft zu suchen. „Da ist man relativ sicher. Innenstädte hingegen sind die besten Ziele für medienwirksame Anschläge.“

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