Unternehmen
Wie es im Hotel Seegarten nach NPD-Treffen weitergeht
von Heidi Diehl
GRÜNHEIDE. Das war dem Direktor des Seehotels Grünheide, Detlef Kampschulte, dann wohl doch zu viel des Schlechten. Ausgerechnet die NPD warf sich für ihn in die Bresche und verfasste vor rund drei Wochen ein Pamphlet, das sie allen Bürgern der Gemeinde Grünheide in den Briefkasten steckte. Grundtenor: Es könne so nicht weitergehen, dass die Gemeinde den Hotelier mit drastischen Sanktionen belege, nur, weil der sich als guter Gastgeber erweisen wollte.
Weil er 180 Nazis zu ihrem alljährlichen Neujahrstreffen, das in diesem Jahr in Kampschultes Hotel stattgefunden hatte, empfing, hätte „nach dem Empfang (ein) Spießrutenlauf für den Hotelier und seine Angestellten“ begonnen (ahgz.de berichtete). Die „Gemeindeobrigkeit“ hätte umgehend ein „Hotelpogrom“ verkündet, wodurch den Hotelier jetzt vor dem Ruin stünde. „Wir Nationaldemokraten wünschen dem Hotelier in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten viel Durchhaltevermögen", beenden die Neonazis ihr Schreiben. Detlef Kampschulte, der seit Monaten versucht, von dem Ruf, er hätte an Neonazis vermietet, freigesprochen zu werden, will nun nicht auch noch in den Dunstkreis geraten, mit den Neonazis gemeinsame Sache zu machen.
Am 11. Juni hat er nun endlich das lange ausgesprochene Angebot von Bürgermeister Arne Christiani angenommen, sich gemeinsam mit der Gemeinde gegen die Nazis zu erklären. Am gleichen Tag gaben der Hotelier und der Bürgermeister eine gemeinsame Erklärung heraus, in der man sich sowohl gegen das Pamphlet der Neonazis deutlich artikuliert, als auch erklärt, dass alle Behauptungen, es hätte durch die Gemeinde Sanktionen gegeben, nicht den Tatsachen entspreche. Gemeinsam wolle man alles tun, um Schaden sowohl von der Gemeinde als auch von dem Hotel abzuwenden.


Sophie Counil, Höchst
19.06.2012 um 16:21
Betreff: Politisch, Unpolitisch, oder Musterdemokrat?
Es stellt sich die Frage aus welcher Motivation bestimmte Parteien "draußen bleiben" sollen... Wo fängt es an und wo hört es auf. Als vorbildliche Demokraten in unserem Staate sollte der Zugang zu Hotels und Gaststätten entweder allen erlaubten und demokratischen Parteien gewährt werden, oder gar keinen. Ich habe noch nie gehört dass es bei einem Besuch der LINKEN in einer Gaststätte schon einmal zu einem solchen Eklat gekommen wäre.
Was ist der nächste Schritt? Sollen z.B. in Baden-Württemberg zukünftig die Gaststätten und Hotels nur noch von Bürgern mit Parteibuch der GRÜNEN aufgesucht werden dürfen?
Der Hotelier hat sich wissentlich oder unwissentlich, nach meinem rechtsstaatlichen Verständnis völlig richtig verhalten! Man könnte in Gemeinden mit überwiegend "roter" Wählerschaft genauso in die Schusslinie geraten wenn man nur die CDU beherbergt oder umgekehrt.
In unserem Hotel & Restaurant haben wir das so gelöst: Parteiveranstaltungen - gleich welcher couleur - werden überhaupt erst nicht angenommen. So gibt es keine Probleme