Ratgeber
Wie Gastronomen sich gegen Rechtsextreme schützen können
von Hans-Dieter Schaaf
POTSDAM. Vielleicht hätte die jetzt in Potsdam vorgestellte Broschüre "Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen" dem Direktor des Hotels Seegarten in Grünheide bei Berlin viel Ärger erspart. Detlef Kampschulte hatte Anfang dieses Jahres 120 Neonazis zu einem Neujahrsempfang bewirtet. Dabei wusste er nicht, wen er sich da in sein Haus geholt hatte, denn die Buchung1. Handlung, bei der eine nachgefragte Leistung vom Status einer Anfrage in den Status eines verbindlichen Kaufs übergeht.
weiter mit Mausklick... erfolgte über ein Weinkontor, und die Gäste trugen Anzüge und hatten auch keine rechten Parolen gegrölt. Als es publik wurde, dass es sich um NPD-Mitglieder handelte, war es zu spät. Kampschulte hat noch heute damit zu kämpfen, dass ihm aus Protest nunmehr die Gäste wegbleiben und er große Umsatzeinbußen hat (Ahgz.de berichtete).
Damit sich solche Fälle nicht wiederholen, haben Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch, der Hauptgeschäftsführer des DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
weiter mit Mausklick... Brandenburg Olaf Lücke und Robin Kendon vom Mobilen Beratungsteam Frankfurt (Oder) mit der Broschüre Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen“ einen Ratgeber für die Hotellerie und Gastronomie vorgestellt. Er gibt Hinweise, wie rechtsextreme Anmietungsversuche rechtzeitig erkannt und verhindert werden können und welche Möglichkeiten bestehen, neonazistische Aktivitäten zu unterbinden.
Ein Hotelier könne grundsätzlich "frei darüber entscheiden, wen er als Gast aufnimmt und wen nicht" hatte der Bundesgerichtshof im März dieses Jahres in einem Urteil zum Hausverbot entschieden, das der Direktor des Bad Saarower Hotels Esplanade Resort & SpaAuf körperlichem Wohlbefinden basierende Erholungseinrichtung in einem Hotel.
weiter mit Mausklick... Heinz Baumeister dem damaligen NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt erteilt hatte. Dies gelte jedoch nur, wenn noch keine verbindliche Buchung vorliegt. Und genau hier liegt das Problem, denn um Anmietungsversuche von Neonazis im Vorfeld verhindern zu können, müssen sie zunächst einmal als solche erkannt werden. Hier will die neue Broschüre Hilfe geben, indem rechtsextreme Symbole, Bekleidungsmarken und auch Feiertage, die Neonazis für ihre Veranstaltungen nutzen, erklärt werden. Außerdem werden Formulierungsvorschläge für Miet- und Nutzungsverträge gegeben, die einen Missbrauch durch Rechtsextreme vertraglich ausschließen.
DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke unterstrich in diesem Zusammenhang: „Oftmals wissen die Unternehmer nicht, wen sie beherbergen und bewirten. Mit der vorliegenden Broschüre wollen wir unsere Mitglieder gerade bei der Früherkennung unterstützen und hoffen, dass die Broschüre einen wichtigen Beitrag dazu leistet.“ Doch auch Lücke räumt ein, dass die Broschüre allein das Problem nicht lösen wird, denn Schlupflöcher gäbe es viele. Vor allem Online-Buchungen im Internet, so auch in Detlef Kampschultes Fall, bereiten den Hoteliers Probleme. Der Brandenburger DEHOGA-Chef schlägt daher auch eine Art Frühwarnsystem vor, wenn Neonazis auf der Suche nach Veranstaltungsräumen sind. "Wenn ein Hotelier oder Gastwirt Rechtsextreme ablehnt, sollte er auch andere Kollegen vor ihnen warnen."
Der DEHOGA Brandenburg wird die Broschüre jetzt an seine Mitglieder versenden. Aber auch Nichtmitglieder können das Heft beim Verband bestellen oder im Internet unter www.hoga-brandenburg.de kostenfrei herunterladen.
