Rheinland-Pfalz
„Kostenspirale ist unerträglich“
Verbandstag HoGa Rheinland: Präsident Dirk Müller im Amt bestätigt / Vorstand beklagt bürokratische Hürden
LAHNSTEIN Die stetig steigenden Kosten und das Anrennen der Branchenvertreter gegen bürokratische Hürden – diese Probleme beschäftigten die Delegierten beim 62. Verbandstag des HoGa Rheinland im Hotel Mercure in Lahnstein besonders. Bei der anstehenden Präsidiumswahl erhielt Dirk Müller mit knapper Mehrheit das Vertrauensvotum für eine weitere Wahlperiode. Zu Vizepräsidenten wurden Karl-Heinz Konieczny, Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes Koblenz und Dieter Kettermann, Vorsitzender des Kreisverbandes Bernkastel-Kues, gewählt.
In seiner Begrüßung stellte Kreisvorsitzender Lothar Wienand den gastgebenden Rhein-Lahn-Kreis als eine seit jeher viel bereiste touristische Kernregion des Landes mit hervorragender Gastronomie vor. Präsident Dirk Müller fügte allerdings als Wermutstropfen hinzu: „Leider verdirbt die Politik den Gästen noch zu sehr die Freude am Genuss sowie der Hotellerie und Gastronomie am unternehmerischen Erfolg.“ Und weiter: „Unerträglich ist die stetig steigende Kostenspirale. Mit der Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent büßt das Gastgewerbe ab 2007 weiter an Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland ein.“ Besonders Klein- und Mittelbetriebe verfügten über eine zu geringe Eigenkapitaldecke. Mit voller Wirkung von Basel II ab 2007 seien besonders diese Unternehmen im ländlichen Raum überfordert. Wenn Politik und Banken nicht gegensteuerten, sei eine Vielzahl von Insolvenzen zu befürchten.
Wie ein roter Faden durchzog die Tagung das Anrennen gegen bürokratische Hürden. „Das Gastgewerbe könnte noch viel stärker Job-Motor sein“, so Müller, „wenn die Bedingungen für arbeitsintensive Dienstleistungen besser und das Arbeitsrecht flexibler wäre. 80 Prozent der Mitgliedsbetriebe sind klein- und mittelständig. Völlig verkannt wird von der Politik, dass sie als Dienstleister, Arbeitgeber und Ausbilder das Rückgrat der Gesellschaft sind.“
Als „entscheidenden Schritt für Kostenersparnis, mehr Effizienz und Verbandspräsenz an der Basis“ bezeichnete der Präsident die nunmehr abgeschlossene Neustrukturierung des Verbandes und die Schaffung von Leistungszentren mit hauptamtlichen Mitarbeitern. Der Weg vom Reagieren zum Agieren im Miteinander mit allen Leistungsträgern sowie Entscheidern in Wirtschaft und Politik solle in Zukunft noch stärker die Verbandsstrategie bestimmen. „Wir haben ein schönes Land, dass sich schlecht vermarktet“, kritisierte Müller Kirchturmdenken, geschlossene Türen der Tourismusinformationsstellen an Hauptbesucherzeiten einerseits, und den noch untergeordneten Platz des Tourismus in der Struktur der Landesministerien andererseits.
Wie der Verband auf vielfältige Weise als Interessenvertreter agiert, veranschaulichte Lothar Arnold in seinem Geschäftsbericht. „Die Ansprüche der Mitglieder gegenüber dem Verband ändern sich“, machte Arnold deutlich. „Sie erwarten Gegenleistungen für ihren Beitrag.“ Mit einer Palette finanzieller Vorteile für die Mitglieder habe es der Verband geschafft, den Beitrag quasi zu neutralisieren.
Zu wenig seien den Mitgliedern die Leistungen des Verbandes bekannt. Sie wurden im jüngsten HoGa-Report veröffentlicht und lagen allen Delegierten vor. Zum öffentlichen Teil des Verbandstages überbrachten Roger Lewentz, SPD-Generalsekretär Rheinland-Pfalz, DEHOGA-Landespräsident Eberhard Barth und weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft Grußworte.
Manfred Göbel, Leiter für Ausbildung der IHK Koblenz, referierte über Inhalt und Ergebnisse der Initiative „Ausgezeichnete Ausbildungsbetriebe im Gastgewerbe“. Seit dem Start im Jahr 2003 haben 25 Betriebe die Qualitätskriterien für das Gütesiegel erfüllt.
Den abschließenden Höhepunkt des Verbandstages setzte als Gastreferent Ludwig Hagn, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, mit seinem praxisnahen und emotional starken Erfahrungsbericht als Wiesenwirt des Münchener Oktoberfestes.

