Landgasthöfe – Was uns bewegt
„Sich nie unter Wert verkaufen“
LILIENTHAL. Vor fünf Monaten sah Jürgen Schnau aus wie ein Wrack! Das darf man schreiben, weil er es über sich gesagt hat. Der Arzt wollte ihn auf Kur schicken, „doch was hätte das geändert?“, fragt der Inhaber des Gasthofs Schnau in Lilienthal und gibt die Antwort selbst: „Gar nichts!“ – Also hielt der 39-Jährige inne und veränderte sein Leben.
Raus aus dem Teufelskreis
Seit 1997 arbeitete Schnau im elterlichen GasthofBeherbergungsbetrieb, der einem Schank- oder Speisebetrieb angeschlossen ist.
weiter mit Mausklick... mit, übernahm ihn 2007 nach dem Tod des Vaters ganz. Und mit der alleinigen Verantwortung stieg die Arbeitsbelastung, zumal er sich neben dem 120-Plätze-Gasthof noch um einen Saalbetrieb kümmern musste. Viel Arbeit und zu wenig Zeit für die Familie führten zu Stress und Unzufriedenheit, gegen die Schnau nichts unternehmen konnte, da noch mehr Arbeit wartete. Teufelskreis. „Irgendwann habe ich dann nicht mehr geschlafen“, sagt er.
Statt fünf Wochen auf Kur zu gehen – „wo ich mich eh nur gefragt hätte, ob der Laden läuft“ – gab Schnau Anfang des Jahres den Saalbetrieb auf, führte einen zweiten Ruhetage ein und fand endlich einen Koch. „Ich hatte aus Kostengründen immer nach jungen Leuten geschaut“, berichtet er, „aber bei denen stand ich doch immer daneben und habe alles überprüft.“ Zum Glück bewies Jürgen Klein, 51, Hartnäckigkeit und bewarb sich so lange bei Schnau, bis der ihn einstellte – ein Glücksgriff. „Jetzt habe ich jemanden, der kochen und auf den ich verlassen kann!“
Ein Betrieb weniger, ein Ruhetag und ein Koch mehr: Schnau musste finanzielle Abstriche machen – und ist trotzdem sehr zufrieden mit der neuen Situation. „Zufriedenheit hat etwas mit Ansprüchen zu tun“, sagt er. Würde er Ferrari fahren wollen, könnte er mit der schwarzen Zahl auf der Monatsbilanz nicht so gut leben. „Will ich aber nicht“, sagt der Gastronom – der sich stattdessen daran erfreut, viel mehr Zeit mit dem neunjährigen Sohn verbringen zu können. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Jürgen Schnau hat nach wie vor sehrgut zu tun, A-la-carte-Geschäft, Feiern und Fisch (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Fisch")-, Schnitzel- oder italienische Büffets füllen die Plätze des Gasthofs. „Das sind keine Billig-Buffets, um Leute ins Haus zu bekommen“, betont der Chef, „diese Aktionen rechnen sich.“ Ein wichtiges Standbein ist ferner der Partyservice, der noch zu Zeiten von Schnaus Eltern etabliert wurde. „Mein Vater hätte nie gemeckert, dass die Leute in Vereinsheimen feiern“, sagt der 39-Jährige, „er meinte immer, man muss nur seinen Hintern bewegen, dann kann man auch Geld verdienen!“ So hält Schnau es auch – und darf sich über steigende Auftragszahlen freuen, bis hin zu Caterings für 500 Personen.
Einen wichtigen Grund für seine gute Stellung am Markt sieht Gastronom Schnau im Marketing, dem er Zeit und Geld widmet. Vor allem das neue Logoein Markenelement in Bildoder Schriftform , wobei zwischen Wortbildmarken/ Schriftlogos , Bildmarken/Bildlogos und Emblemen/Charakteren unterschieden werden kann.
weiter mit Mausklick..., ein schwungvoller Schriftzug des Namens in orange und dunkelrot, sei gelungen. „Seitdem nehmen uns verstärkt auch Jüngere wahr“, sagt der 39-Jährige. Und die neuen, ebenfalls im farbenfrohen Corporate-Design gehaltenen Präsentationsmappen mit den Angeboten des Gasthofs nehmen die Gäste auch zuhauf mit. „So kommen wir schon mal auf die Wohnzimmertische“, sagt Schnau. Der erste Schritt zum Auftrag.
Gutes hat seinen PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
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Jede Anfrage nimmt Schnau indes nicht an: Zum Beispiel als ein Vereinsvorsitzender nur eine Sekunde, nachdem der Koch gesagte hatte, er brauche für eine Feier elf Euro pro Person, antwortete: „Neun!“ Da winkte Schnau ab. „Ich verkaufe mich nicht unter Wert.“ Dafür sei ihm Qualität zu wichtig, denn die erwarten die Gäste mehr denn je. „Die Leute sind informierter, die Ansprüche höher“, sagt er – und findet das gut: „Dadurch trennt sich die Spreu vom Weizen.“
Schnau ist sich sicher, auch weiter zum Weizen zu gehören, vor allem da ihm der Job seit den jüngsten Veränderungen wieder viel Freude bereite. Sogar Erweiterungspläne („Ein Saal wäre denkbar…“) hat er im Kopf, allerdings weit hinten, schließlich möchte er den wieder gewonnen Boden unter den Füßen nicht aufs Spiel setzen, wie er lächelnd betont. Und während er so lächelt, fällt eines auf: Wie ein Wrack sieht Jürgen Schnau heute nicht mehr aus – das Innehalten erwies sich somit als großer Schritt nach vorne.
Alexander Schmolke


