Brandenburg
„Wein, Weib und Gesang“
Alte Tradition wiederbelebt: Wo einst Mönche ihren Wein lasen, baut heute der Verein der Neuzeller Klosterwinzer an
NEUZELLE Brandenburg ist zwar kein ausgesprochenes Weinland, dennoch kann man hier in Sachen Rebensaft auf zwei Superlative verweisen. Zum einen gibt es in Werder/Havel den nördlichsten kommerziell betriebenen Qualitätsweinberg der Welt, und in Neuzelle befindet sich der östlichste Weinberg Deutschlands. Jahrhundertelang bauten die Mönche des Neuzeller Klosters hier und auf drei weiteren Rebhängen Wein an, Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die letzte Flasche getrunken. Eine lange Tradition war zu Ende. Vor drei Jahren aber machten sich ein paar Besessene daran, wenigstens einen Weinberg wiederzubeleben, die Neuzeller Scheibe neben der Stiftskirche.
Doch ehe die ersten Reben gesetzt werden konnten, galt es erst einmal, den über lange Zeit wild gewachsenen Robienwald auf dem Gelände zu roden, einen Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Wasserturm abzureißen und die Terrassen wieder herzustellen. Dann endlich konnte aufgerebt werden. Die Setzlinge und jede Menge Rat holte man sich bei Weinbauern in Sachsen, in Hobbywinzer Hans-Wilhelm Richter, der seit Jahren auf seinem Grundstück in Neuzelle selbst Wein anbaut, wusste man einen Fachmann aus dem Ort. Ein Verein, der Neuzeller Klosterwinzer e.V., gründete sich, heute gehören ihm 18 Mitglieder zwischen 24 und 60 Jahren an. Außer dem Vereinsvorsitzenden Werner Berger stehen sie alle voll im Berufsleben, verbringen aber viel Zeit im Weinberg. Denn Arbeit gibt es von Januar bis Dezember reichlich.
Sieben verschiedene rote und weiße Sorten – 350 Stöcke – brachten die Vereinsmitglieder vor drei Jahren in die Erde. Wie sich bald zeigte, war das Beet gut bereitet, die Pflanzen wuchsen prächtig, im vergangenen September konnte erstmals gelesen werden. Viel Handarbeit war vonnöten. Nach der Lese wurden die Beeren von der Rebe getrennt und nach alter Tradition mit den Füßen im Bottich zerstampft, ehe der Traubensaft in die Ballons kam, um sich – hoffentlich – in den nächsten Monaten in einen edlen Tropfen zu verwandeln.
Am 11. September nun wurde nach 187 Jahren der erste Jahrgang von und auf der Neuzeller Scheibe verkostet. Kellermeister Richter, Vereinschef Berger und der Wirt vom Neuzeller Landhaushotel „Prinz Albrecht“, Torsten Kleinschmidt, waren die ersten, die den „Neuzeller Klosterwein“, eine Cuvée verschiedener Rotweinsorten probierten. Viel Lob gab es für den Kellermeister. Rund 30 Gäste durften ebenfalls kosten. Viel mehr ist derzeit noch nicht drin.
Ganze 80 Liter Wein sind die erste Ausbeute des östlichsten deutschen Weinberges, 20 Prozent davon erhält der Verpächter des Weinberges, das Stift Neuzelle, der Rest gehört den Vereinsmitgliedern. Einige Flaschen wurden beim ersten Neuzeller Weinfest am Sonnabend im Landhotel Prinz Albrecht an Sammler versteigert. Wie die neuen Besitzer versicherten, werden diese gut in den privaten Schatzkammern verstaut und garantiert nicht getrunken.
Das Weinfest im Hotel, das unter dem Motto „Wein, Weib und Gesang“ stand, versprach in jeder Hinsicht, was man sich erhoffte. „Prinzen“-Wirt Torsten Kleinschmidt hatte sich ein Menü ausgedacht, von dem er annahm, dass es so auch die Mönche gern zu ihrem Wein gegessen hätten. Der Wein allerdings kam aus Sachsen, denn mehr als die Kostprobe des eigenen war nicht drin. Aber auch da bewegte man sich in historischen Räumen, denn Neuzelle hatte über lange Zeit zu Sachsen gehört.
Wie Kleinschmidt sagte, könne er sich gut vorstellen, künftig auch im Weinberg, sofern das Wetter es zulässt, romantische Dinner anzubieten. Mal sehen, was die Zeit bringt. Jetzt erst einmal freut sich der Winzerverein auf die zweite Ernte. Die Reben hängen voll, die Qualität verspricht einiges.


