Sachsen
„Wir schauen nach vorn“
Der Leipziger Familienbetrieb Geyer setzt auf Tradition und Moderne
LEIPZIG. Als Kochlehrling im Forsthaus Raschwitz stieg der Leipziger Lutz Geyer 1965 in die Branche ein. Einige Jahre später, inzwischen Küchenchef des Restaurants Paulaner in der City, übernahm er die Leitung dieses renommierten Lokals, das damals der staatlichen Handelsorganisation HO gehörte. Nachdem es im Paulaner gut lief bot ihm die HO auch das Fischlokal Gastmahl des Meeres an. Aus diesem Solo, nur für kurze Zeit geplant, entwickelte er einen erfolgreichen Familienbetrieb.
„Im Alter von 30 Jahren war ich damals für 120 Mitarbeiter verantwortlich“, erinnert sich Geyer. Heute sitzen seine Söhne Sven und Thorsten sowie Ehefrau Regina mit im Boot. Das Familienunternehmen steht derzeit auf zwei Säulen: Zills Tunnel im Leipziger Barfußgässchen sowie Geyers Fisch&Meeresfrüchte.
Mischkonzept funktioniert
Zills Tunnel ist ein Leipziger Traditionsgasthaus, das seit mehr als 165 Jahren existiert. Der zweite, ein 1994 gegründeter Betrieb basiert auf einem Mischkonzept aus Handel und Gastronomie mit aktuell sechs Fisch-Filialen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Als 1990/91 die Privatisierung der HO anlief, ergaben sich für Lutz Geyer neue Möglichkeiten: Mehrere Leipziger Gaststättenleiter schlossen sich zusammen, kauften ihre Restaurants der Treuhand ab und gründeten eine gemeinsame GmbH. Sven und Thorsten – der eine Elektriker, der andere Schlosser – fingen Anfang der 90er Jahre im väterlichen Betrieb an. Geschenkt wurde ihnen nichts: Sie lernten erst in der Küche und im Service und absolvierten dann parallel ein Studium an der FGH.
Das Konzept Geyers Fisch & Meeresfrüchte bauten sie schon mit auf. Ende der 1990er übernahm die Familie Zills Tunnel und kaufte wenig später den Erben die Gaststätte ab.
Im Unternehmen hat jeder seine Aufgaben: 2005 sind Sven und Thorsten zu Geschäftsführern aufgestiegen, Frau Regina ist nach wie vor für Verwaltung und Buchhaltung zuständig, Lutz Geyer weiterhin als Gesellschafter der Kopf vom Ganzen. Das alles gut läuft, ist ihrem gemeinsamen Ziel und dem kontrollierten Mut zum Risiko zu verdanken. Jede Investition ist durchdacht. Die einzelnen Fischfilialen werden aus dem Chash flow des Familienbetriebes finanziert. „Zur Verwunderung der Banken klappt das sogar“, sagt Lutz Geyer. Mit Fingerspitzengefühl haben Geyers für ihr Fischkonzept beispielsweise Direkteinkauf und –anlieferung aufgebaut, Kontakte gepflegt und weiter entwickelt. Das kam ihnen durchaus zugute, als Ende Juni 2000 das Restaurant Gasthaus des Meeres schloss. Das marode Haus war nicht länger zu halten. Die Eigentumsverhältnisse verhindern die Sanierung der leeren Immobilie bis heute.
Einen Rückzug trat die Familie im Forsthaus Raschwitz in Markkleeberg an. Die Geyers waren 2004 dort in einen Pachtvertrag eingestiegen, der Mitte 2007 auslief. Dennoch schaut die Familie nach vorn: „Wir sind nicht abgeneigt, das Fischkonzept auszubauen und ein weiteres Restaurant in Leipzig zu übernehmen.“ Durch sein Engagement in verschiedenen Verbänden sieht Lutz Geyer über den eigenen Tellerrand hinaus. Und als Vorstandsvorsitzender des DEHOGA-Regionalvereins Leipzig engagiert er sich auch für die Belange und Probleme der Berufskollegen. Petra Mewes

