Um fünf Uhr wird ausgekehrt
BERLIN Katrin und Renate sind begeistert. Die Friseuse aus Spandau und ihre Kundin sitzen vor einer Aufreihung von Meeresfrüchten: links ein Hummer, daneben ein Stück Rotbarbe, ein Gamba auf Kartoffelsalat-Törtchen und ganz rechts die Pulpo-Sülze mit Rucola-Sorbet. „Sowas habe ich ja noch nie gegessen“, sagt die Friseuse, die am Eingang des Goya 42 Euro für das baskische Menü „Txoko“ ausgegeben hat. „Eintritt und zwei Gläser Wein sind auch inklusive“, sagt sie.
Ein Schnäppchen ist das nicht und so sind auch an diesem Abend wieder einige Plätze leer. Während die Gäste weiterhin von Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr alle gemeinsam ihr Essen serviert bekommen, rumort es um den Berliner Großclub am Nollendorfplatz. Der hatte vor gut einem Monat Insolvenz angemeldet, kurz darauf wurde auch noch der Tresor mit den Wochenendeinnahmen von rund 65.000 Euro gestohlen (
Ein kleiner Krimi um einen großen Club! An diesem Freitag jedenfalls will keiner der Gäste daran glauben, dass das Goya seine Pforten schließt. Animiert von zwei Tänzerinnen und einem Tänzer, die zuvor noch das „Txoko“ serviert hatten, verwandeln sich die Schlemmer zu Tänzern. Zu Musik, die vom Ursprungskonzept „Weltmusik“ kaum weiter entfernt sein könnte – ein Mix aus Achtziger-Revival und halbaktuellen Charts – lassen sich die meist gut über vierzigjährigen Gäste zu einem Tänzchen animieren. An den verschiedenen Bars werden erstklassige Cocktails serviert – zu gepfefferten Preisen.
Gegen ein Uhr bildet sich vor der Tür dann auch die versprochene Schlange. Allerdings liegt dies eher daran, dass die Türsteher neue Gäste nur langsam vorlassen. Gleichzeitig verlassen die letzten „Txoko“-Besucher Tanzfläche und -palast. Auch Renate und Katrin gehen. Der Rest der Nacht gehört der jüngeren Generation. Bis fünf Uhr läuft Musik, die trotz anwesendem DJ meist von Band oder Computer eingespielt wird, dann wird ausgekehrt.
Gäste waren einige da – nur nicht die vor Eröffnung erhofften 3000. Vielleicht müssen Insolvenzverwalter und Buchhalter noch einmal kalkulieren, wie sich das Konzept auch mit weniger Gästen rechnet. Denn tot ist das Goya nicht – es ist nur Geschmackssache.
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