Schleswig-Holstein

Ananas des Nordens

Gastronomie profiliert sich mit traditionellen Steckrüben-Tagen

FAHRDORF/SCHLESWIG. Eine schlichte Rübe kommt jetzt im Norden als herbstliche Delikatesse auf den Tisch: 47 Gastronomen beteiligen sich in der Region des DEHOGA-Kreisverbands Schleswig-Flensburg noch bis Ende November an den Steckrüben-Tagen. Von einer „tollen Aktion“ sprach Kreisvorsitzender Hans-Walter Kölling (Flensburg) beim Start der diesjährigen Steckrüben-Tage im Restaurant Altes Fährhaus in Fahrdorf bei Schleswig. Der schleswig-holsteinische DEHOGA-Vizepräsident Stephan Beck (Westerland/Sylt) lobte das alljährliche Engagement außerhalb der Hauptsaison.

Findige Köche haben mit der aus eher schlechten Zeiten und als Nachkriegs-Gemüse bekannten Feldfrucht experimentiert, so dass die Steckrübe in den Restaurants in den vergangenen Jahren viele neue Liebhaber fand. Heute kommen Leckereien wie Rübencreme mit Elbling und Lachsröllchen-Einlage, Steckrübensuppe mit Zanderklößchen, Mus aus der Bio-Steckrübe oder Steckrüben-Reibekuchen auf die gastlichen Tische. Auch bei der Premiere 2006 wurde von „Fährhaus“-Wirt Jens Larssen das klassische Rübenmus mit Kasseler und Kochwurst serviert. Wie in den Vorjahren gibt es in diesen Herbstwochen auf den Fußgängerzonen der Innenstädte von Schleswig und Flensburg dieses traditionelle Steckrüben-Angebot.

Früher war die Steckrübe wegen ihres eintönigen Geschmacks verhasst, aber in Kriegs- und Nachkriegszeiten ein echtes und begehrtes „Überlebensmittel“. Einst holzig in der Konsistenz, dumpf und erdig im Geschmack, so ist die „Wruke“ oder auch „Oldenburger Ananas“ – so ihre norddeutschen Bezeichnungen – in ihren Neuzüchtungen kleiner und die Struktur feiner. Das gelbe, herb-süssliche Fruchtfleisch schmeckt eher nach Möhren. Sogar Sterneköche verwenden sie in der Winterzeit. ari

Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2006/42, Seite 41
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»Erster Warnschuss«

Deutschlands Hoteliers sollten es sich eine Warnung sein lassen. Zwar hat Kanzlerin Merkel ein Machtwort gesprochen, doch zeigt der Vorstoß des FDP-Vize Pinkwart, dass der reduzierte Mehwertsteuersatz für Übernachtungen von kurzer Dauer sein könnte. Pinkwart, unterstützt von NRW-Ministerpräsident Rüttgers (CDU), drohte sogar, die Senkung der Mehrwertsteuer über eine Bundesratsinitiative zu revidieren, nahm das dann jedoch einige Tage später wieder zurück. SPD und Die Grünen fordern jedoch nach wie vor in Anträgen die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung. Sollte darüber abgestimmt werden, könnte es vielleicht nochmal kritisch werden. In dem ganzen Hin und Her geht es nämlich längst nicht mehr um die Nöte der Hotellerie, die ja durch die Steuererleichterung gelindert werden sollten. Es geht um wahltaktische Manöver, um Imagefragen und um koalitionsinterne Ränkespiele. Doch am schwersten wiegt: Die Hotellerie steht zu ihrem Unglück stellvertretend für Klientelpolitik, für Sonderbehandlung auf Kosten aller.Diesem Eindruck muss sie entgegentreten, sonst ist die Steuererleichterung gefährdet. Umgekehrt muss ihr die Politik aber auch die Sicherheit geben, dass morgen nicht wieder alles passé ist. Dann kann die Hotellerie durch Taten zeigen, dass auch Dritte etwas davon haben. DEHOGA-Präsident Ernst Fischer geht den Weg über den Preis: Er hat die Zimmerpreise um 9 Prozent gesenkt. Doch das Gesetz ist kein „Hotelpreisreduzierungsgesetz“, sondern ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Wer sein Hotel renoviert, tut etwas für die Region: Er verschafft Dritten, nämlich Handwerkern und Zulieferern, Aufträgen und er macht die Region touristisch attraktiver, er bietet Gästen mehr Leistung. Immer mehr Hoteliers tun dies. Weiter so. Damit aus dem Warnschuss kein Abschuss wird.

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