Hotellerie

Fern der Heimat und erfolgreich

Integriert und akzeptiert: Mohammad Asef fühlt sich in Fulda wohl (Foto: Nathalie Kopsa)

FULDA. Mohammad Asef ist eine dezente Erscheinung. So wie er am Empfang sitzt, bekleidet mit grauer Strickjacke, dezenter Krawatte und randloser Brille, könnte der Hotelier einen soliden Steuerberater abgeben. Auch die Ausstattung seines Hotels ist gediegen. Im Restaurant bestimmen gedeckte Farben das Interieur. Orientalisch ist im Zieherser Hof in Fulda eigentlich nur die Küche.

Kulinarischer Botschafter

Auch wenn ihn inzwischen Jahrzehnte von seiner Heimat Afghanistan trennen, versteht sich Asef noch immer als kulinarischer Botschafter seines Landes. Und so finden sich auf der Speisekarte neben deutscher Standardküche eine Auswahl typisch afghanischer Gerichte. Sie sind inzwischen so etwas wie ein Geheimtipp – auch für Gäste von auswärts – geworden. Sogar ein afghanisches Kochbuch mit überlieferten Rezepten hat Asef geschrieben.

Vor drei Jahren hat der 54-Jährige den Zieherser Hof übernommen, rund 2 Mio. Euro in den Kauf und die Renovierung des 3-Sterne-Hotels gesteckt. Er wollte schon immer sein eigenes Hotel führen. Dass dieses schließlich in Osthessen, und nicht wie geplant, in Afghanistan stehen würde, konnte er Anfang der Siebzigerjahre, als Afghanistan noch ein friedliches Land war, nicht ahnen. Damals verließ er seinen Geburtsort, um die Hotelfachschule in Kabul zu besuchen. Dort fiel er den deutschen Ausbildern schnell als Talent auf. Als einer der drei besten Absolventen seines Jahrgangs wurde er für zwei Jahre nach Königstein geschickt, um praktische Erfahrungen im Hotelbetrieb zu sammeln. Es war der erste Abschied von seiner Heimat.

Der zweite folgte 1979, als sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschierten. Die lange Reihe der Schreckensmeldungen vom Hindukusch reißt bis heute nicht ab. Täglich und zu jeder vollen Stunde tönen sie aus dem Radio. Und mit jeder Meldung schrumpft die Hoffnung, es könnte dort bald Frieden einkehren. Asef hofft weiter. Und bangt um seinen Bruder, der dort lebt. Sind die Nachrichten verhallt, hat ihn schnell der Alltag wieder: Die neuen Gäste müssen noch eingecheckt werden, der Koch wartet auf Instruktionen, das Zimmermädchen auf die Gästeliste. Seine Frau unterstützt ihn bei der Arbeit und kümmert sich nebenher um die Kinder.

An der Wand hinter der Rezeption hängen Fotos von Mohammad Asef, die ihn als Karnevalsprinz auf einer Vereinsfeier in Bad Salzschlirf zeigen. Dort hat er 10 Jahre lang die Gastronomie im Gemeindehaus geleitet. Er passte sich schnell an, lernte die Sprache, erwarb die deutsche Staatsbürgerschaft und machte den Serviermeister. Heute sitzt er in der Prüfungskommission für Hotel- und Restaurantfachleute an der Eduard-Stieler-Schule. Dass man sich als Fremder in einem fremden Land anpassen muss, stand für den Hotelier immer außer Frage. „Ich bin stets auf die Menschen zugegangen und man hat mir im Gegenzug viel Vertrauen entgegengebracht“, sagt Asef rückblickend. Nur einmal noch ist Asef nach Afghanistan zurückgekehrt. 2002 verstarb seine Mutter, die mit ihm in Deutschland lebte. Ihr Wunsch war es, in der Heimat beerdigt zu werden.

Pläne für die Zukunft

Seine Kinder sind auf einem guten Weg, und darauf ist er besonders stolz. Der Sohn aus erster Ehe ist Journalist und Sozialwissenschaftler und arbeitet in Wiesbaden, die beiden Töchter gehen noch zur Schule.

Mohammad Asefs Pläne für die Zukunft sind – wie sollte es anders sein – grundsolide: Er will sein Hotel in der Gewinnzone halten, sich mehr um die Ausbildung junger Fachkräfte kümmern und weiter die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen in Fulda pflegen. Sein größter Wunsch jedoch wäre es, wenn er einmal in Frieden nach Afghanistan zurückkehren und dort jungen Leuten bei der Hotelausbildung helfen könnte. Sie hätten in ihm bestimmt einen ausgezeichneten Lehrer.

Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2010/6, Seite 21
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