Rauchfreiheit als Chance
MAINZ. Etliche Gastronomen klagen über und sogar gegen das Nichtraucherschutzgesetz. Aber nicht in allen Restaurants sieht man das Rauchverbot als Bedrohung. Das zeigt eine Saisonumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Laut dieser Befragung hat sich die Zahl der Nichtraucher-Restaurants und Gaststätten mit Raucherräumen in Deutschland im vergangenen Jahr fast verdoppelt. 40 Prozent der Gastronomiebetriebe und mehr als die Hälfte der Hotels sind demnach für ein generelles Rauchverbot. Ungefähr ebenso viele plädieren für eine freiwillige Selbstverpflichtung. Nur 10 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine Regelung aus.
Viele Betriebe haben sich auf die neue Regelung bereits gut vorbereitet. Drei von vier der befragten Unternehmen haben beispielsweise Nichtraucherzimmer eingerichtet oder spezielle Belüftungssysteme angebracht. Gesonderte Nichtraucherräume gibt es der DIHK-Erhebung zufolge in 44 Prozent der gastronomischen Betriebe, fast 40 Prozent der Kneipen und Restaurants sind komplett rauchfrei.
Hoteliers und Gastronomen, die bereits freiwillig auf Rauchfreiheit setzen, verstehen die Aufregung um das Rauchverbot nicht. Hanns-Georg Hahn, Geschäftsführer des Hotels Deidesheimer Hof in Deidesheim: „Die Gäste selbst haben uns auf die Idee gebracht, die Restaurants rauchfrei zu führen. Wir haben keinen einzigen Stammgast verloren.“
Neue Gäste gewonnen
Insgesamt habe man sogar Gäste hinzu gewinnen können: „Die bringen jetzt sogar ihre Kinder mit – das sind wichtige Kunden von morgen.“ Früher habe der Qualm nach dem Dessert oft im Restaurant gestanden. In einem ersten Schritt habe man den Zigaretten- und Pfeifenkonsum eingeschränkt. Seit Januar 2008 seien beide Restaurants des Deidesheimer Hofs komplett rauchfrei.
Beste Erfahrungen hat auch Mathias Ginz gemacht, Inhaber der Mainzer Gastwirtschaft Zum Spiegel: „Wir sind schon seit Jahren rauchfrei und haben bei der Umstellung nur wenige Stammgäste verloren, aber viele andere gewinnen können“, sagt Ginz. Grund für die Umstellung sei gewesen, dass die Entlüftung in einigen Bereichen nicht richtig funktionierte. „Unsere Gäste scheinen auf jeden Fall zufrieden zu sein“, so Ginz.
Der Trend zum Nichtrauchen ist nicht nur in die gehobene Gastronomie längst eingezogen: In dem luxuriösen Frankfurter Bed-Restaurant Silk in Sven Väths Cocoon-Club beispielsweise ist Rauchen unerwünscht: „Bei uns darf nicht geraucht werden, weil gutes Essen ohne Zigaretten einfach besser schmeckt. Die Geschmacksnerven und der Geruchssinn können viel neutraler auf die Speisen reagieren“, sagt Chefkoch Mario Lohninger. Außerdem fürchtet er Brandlöcher auf den weißen Leder-Liegeflächen. „Wir haben keinen einzigen Gast verloren. Ich denke, dass die Entwicklung dahin geht, dass man in immer mehr Restaurants nicht rauchen darf.“ Heinz Feller
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