Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Kritikpunkt Qualität: Einige Betriebe werfen Dietmar Scherer vor, an Azubis zu hohe Ansprüche zu stellen Foto: Heinz Feller

Rheinland-Pfalz

Ärger um die Ausbildung

Klagen gegen Prüfungsergebnisse: Prüfungsausschuss-Vorsitzender Dietmar Scherer zwischen Kritik und Solidarität

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/12 vom 22. März 2008
von

LUDWIGSHAFEN. In der Pfalz gibt es Krach um Ausbildungsqualität und Prüfungsanforderungen: Ein Beschwerdeführer aus der Pfalz ist verärgert über das schlechte Abschneiden einiger seiner Azubis. Nun will er den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Dietmar Scherer, aus dem Ausschuss und aus dem Schuldienst entfernen lassen. Scherer unterrichtet an der Berufsbildenden Schule in Ludwigshafen. Inzwischen sind sogar Klagen anhängig.

Durchfallquote zu hoch?

Nach Auskunft der IHK lag die Durchfallquote bei den gastronomischen Berufen in den Sommerprüfungen 2007 im Durchschnitt bei 24 Prozent. Viel zu hoch, meinen die Kritiker, und gingen auf die Barrikaden. Die Vorwürfe: Die Prüfungsaufgaben seien zu schwierig, die Bewertungen der Prüfer nicht nachvollziehbar, Scherer werbe für seine Consulting-Firma, die Azubis nachvermittelt, und dem Anwalt sei die Einsicht in Prüfungsunterlagen verwehrt worden.

Scherer hatte bereits mehrfach auch in der AHGZ auf eine dramatische Entwicklung in den gastronomischen Berufen hingewiesen. Nun wird er von einigen Betrieben in der Pfalz, deren Auszubildenden den Standard nicht erreichten, für die schlechten Ergebnisse ihrer Azubis massiv verantwortlich gemacht. Der Betroffene selbst wollte sich auf AHGZ-Anfrage aus dienstrechtlichen Gründen nicht zu den Vorwürfen äußern. Seiner vorgesetzten Behörde liege eine Dienstaufsichtsbeschwerde vor. Er ließ nur verlauten, dass er den Ausschüssen, die von der IHK neu berufen wurden, nicht mehr angehöre. Auch Simone Rose (Hofa Südliche Weinstraße) und Anja Ebnet-Kassens (Hotel Ebnet, Mutterstadt) wurden nicht mehr in die Ausschüsse berufen. Beide versicherten gegenüber der AHGZ, dass bei den Prüfungen alle Rechtsvorschriften und Punkte der Prüfungsordnung stets beachtet wurden. Außerdem sei niemand alleine für die Ergebnisse verantwortlich und Scherer habe als Vorsitzender selbst nie benotet.

Rechtsanwalt Karlheinz Glogger, der zwei Auszubildende vertritt, fordert für eine seiner Mandantinnen eine Neubewertung der Prüfung. „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Mandantin zu Unrecht durchgefallen ist, und behalten uns vor, deshalb Schadensansprüche geltend zu machen.“ Die IHK habe inzwischen angeboten, die Prüfung in einem anderem Schulbezirk wiederholen zu lassen – was sie abgelehnt hat.

Obwohl der Ausschuss noch bis 2010 berufen ist, reagierte die IHK und beschloss „aus jenen Gründen, die im Raum stehen, die Prüfungsausschüsse zu teilen – für Hotelfachleute und Restaurantfachleute – und die Prüfungskommissionen neu zu ordnen“, so Böffel. Man sei nur Beobachter des Verfahrens, verantwortlich für die weitere Abwicklung sei die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz.

Mittlerweile haben sich zahlreiche Betriebe zu Wort gemeldet, die sich mit Scherer solidarisch erklären. Für hohe Anforderungen als Mittel zur Qualitätssicherung spricht sich Gunter Schmidt von den Backmulde in Speyer aus. Er warnt davor, Scherer „zum Bauernopfer zu machen“. Andere wie Stefan Schullenbauer (Hotel Residenz Limburgerhof) sehen ein generell sinkendes Leistungsniveau bei den Azubis als Hauptursache für die steigenden Durchfallquoten: „Hier wird eine Hetzkampagne gegen einen verdienten Berufsschullehrer gestartet. Ich habe Herrn Scherer als einen absolut souveränen, umsichtigen und fachkompetenten Ausschussvorsitzenden kennen- und schätzen gelernt.“ Alexander Hundt (Restaurant Admiral, Weisenheim) lobt Scherers offenes Ohr für „die kleinen und großen Probleme und Belange seiner Auszubildenden“. Und Andrea Hook (Sägmühle Hassloch) kennt ihn „als einen kompetenten Fachlehrer, der sich sehr mit seinen Aufgaben identifizierte, auch außerhalb der regulären Schulzeiten“.

Norbert Freudenstein (Hotel Immenhof, Maikammer) hat folgendes Bild von Dietmar Scherer gewonnen: „Engagierter Lehrer, gestaltet interessanten Unterricht, betreut Projekte auch außerhalb der Schulzeit, unternimmt, organisiert hervorragende Seminare und begleitet Auszubildende zu Wettbewerben.“ Sogar aus Irland kam ein Schreiben einer ehemaligen Schülerin. Christina Kampf (Business Studies CIT, Cork City, Ireland) schreibt: „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ein Mensch wie Herr Scherer, der sich in hervorragender Weise für seine Ideale einsetzt und dafür arbeitet, derartigen Vorwürfen ausgesetzt wird.“ Sie hoffe, dass sein jahrelanger loyaler Einsatz für seine Schüler nicht auf diese Weise beendet werde. Heinz Feller

Kommentieren Drucken
Auch interessant

Trends müssen sich rechnen lassen

Ein Kessel Buntes: Die Auftaktveranstaltung 2008 der FBMA Region West fand unter Leitung von Regionaldirektor Josef Schulte im Steigenberger Hotel Langen statt. mehr...

Weitere Artikel aus Regional und Lokal vom 22.03.2008 :

Nordrhein-Westfalen: Trends müssen sich rechnen lassen (22.03.2008)
Baden-Württemberg: Hausaufgaben für das Gastgewerbe (22.03.2008)
Bayern: Schubeck kocht Astro-Gerichte (22.03.2008)
Hotel, Jürgen Leykamm, Unternehmen: Land und Leute (22.03.2008)
Bayern: Terrine feiert die ersten 100 Tage (22.03.2008)
Baden-Württemberg: Pächtersuche noch im Gange (22.03.2008)
Baden-Württemberg: Vorsicht Falle ! (22.03.2008)
Baden-Württemberg: Klein, aber oho (22.03.2008)
Baden-Württemberg: Meister schärfen ihr Profil (22.03.2008)
Hessen: Meininger Hostel für Frankfurt (22.03.2008)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel