Sachsen
Alkoholfrei, preiswert und fair soll es sein
Mit neuer Aktion wollen es Sachsens Wirte der Regierung zeigen: Sinkende Preise stärken die Wirtschaft
CHEMNITZ Mehr Gäste anlocken und zugleich gegen die Bundespolitik protestieren. Dieses Ziel verfolgen mehr als 200 sächsische Wirte, im September eine Aktion unter dem Motto „Alkoholfrei, preiswert, fair“ starten.
Peter Reichert, der Chef des Chemnitzer Regionalverbandes des DEHOGA begründete das Vorgehen der Gastronomen: „Wir gehen davon aus, mit mindestens einem alkoholfreien Getränk unter einem Euro neue Gäste in unsere Betriebe zu holen. Bei diesen Getränken werden wir zwar Miese machen. Aber solche Gäste werden ja auch essen.“ Insgesamt erwartet er deshalb mehr Umsatz. 200 der 4500 sächsischen Wirte seien schon jetzt bereit mitzumachen.
Im Sinn habe man vor allem Familien mit Kindern, Kraftfahrer und Jugendliche. Bei jetzt zwei bis 2,50 Euro für ein alkoholfreies Getränk müsste eine vierköpfige Familie von acht bis zehn Euro allein für diese Getränke ausgehen und deshalb den Gang in die Wirtschaft eher meiden. Diese Hürde soll sinken.
Vor allem aber wollen die Wirte und Hoteliers ein politisches Zeichen setzen. Der Bundesregierung soll an einem ganz praktischen Beispiel demonstriert werden, dass sich Preissenkungen auszahlen.
Der Geschäftsführer des Chemnitzer Regionalverbandes, Dieter Heymann, rechnete vor: Eine Erhöhung von 16 auf 19 Prozent, sei zwar eine um drei Prozentpunkte. Absolut erhöhe sich diese Steuer aber um mehr als 18 Prozent. Dazu komme, dass außer Dänemark alle Nachbarländer niedrigere Mehrwertsteuersätze als Deutschland haben. Im Hotelgewerbe bewegt er sich zwischen 3 (Luxemburg) und 10 Prozent (Österreich). Dagegen können die deutschen Betriebe mit ihren 16 (und ab Januar 19) Prozent nicht mithalten. Das heißt: Für Wirte und Hoteliers wird der Standort noch schwieriger.
Alle Parteien hatten angekündigt den Faktor Arbeit endlich zu entlasten. Die Mehrwertsteuererhöhung bedeutet das Gegenteil, argumentiert der DEHOGA Sachsen und beruft sich auf eine Studie der Uni Mannheim, derzufolge eine reduzierte Mehrwertsteuer in Deutschland 70.000 neue Arbeitsplätze schaffen und dem Staat gleichzeitig Mehreinnahmen in Höhe von 2,5 Mrd. Euro bringen würde.
