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Vorführeffekt: Beim Foto-Shooting war gerade kein Hund vor Ort. Also präsentierte Michael Leick solo die gebratene Geflügelleber und die Putenbrust mit Nudeln

© Alexander Schmolke

Nordrhein-Westfalen

Auf den Hund gekommen

Einfallsreicher Gastronom: Michael Leick hat im Maikotten die erste Hundekarte Deutschlands eingeführt / Absatz stimmt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/48 vom 28. November 2009
 Alexander Schmolke

MÜNSTER. Amerika ist entdeckt, der Mond besucht, der Mount Everest bestiegen. Es wird immer schwieriger, irgendwo der Erste zu sein. Michael Leick ist da aber doch etwas eingefallen: Der Inhaber des Maikotten in Münster ist der erste Gastronom mit einer eigenen Speisekarte für Hunde. Skurril? Vielleicht. Doch vor allem erstklassiges Marketing.

„Ein bisschen Rotwein war dabei“, sagt Leick angesprochen auf den Ursprung der Idee schmunzelnd. Doch auch ohne wäre der 42-Jährige bei der Suche nach einer gastronomischen Aktion auf den Hund gekommen. Das Ausflugslokal Maikotten ist ein beliebter Rastort an einer belebten Gassi-Strecke in Münster. Zig Mal am Tag gibt es hier Kaffee für Herrchen und Wasser für Hundchen. Bisher. Jetzt können Hundebesitzer für ihre Lieblinge à la Carte bestellen. Gebratene Geflügelleber mit Reis oder Putenbrust mit Nudeln beispielsweise. Drei Euro für die Dackel-, sechs Euro für die Dobermann-Portion. „Natürlich ist das nur ein kleines Zubrot, aber der AbsatzAlle Tätigkeiten, die dazu bestimmt sind, die Abgabe von Gästezimmern, Gastronomieangebote und anderer Produkte sowie Serviceleistungen in den Markt zu bewirken.
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stimmt“, sagt Leick zufrieden.

Michael Leick nur als „Den-mit-der-Hundekarte“ zu sehen, wäre übrigens unfair. Er hat mit vielen anderen Ideen das gut 100 Jahre alte Traditionshaus Maikotten aus dem Tief geholt. Vor fünfeinhalb Jahren, als der gelernte Koch das Haus übernahm, war es ein „Dreckloch“. Es kamen nur wenige Gäste. Leick und sein Team sanierten und richteten neu ein. Weinrote Wände, viele Pflanzen, gemütliche Korbstühle, Kunst, ein Kamin mit Holzscheiten daneben: Salon, Kneipe und Clubraum können sich sehen lassen. „Die Leute kommen wieder gerne“, sagt Leick. Eingeschlagen hat zudem die neue Karte, auf der außer Deftigem wie Haxe und Krustenbraten auch Mediterranes und Leichtes zu finden ist: karibischer Fischtopf, baskisches Landschwein oder gefüllte Forelle.

(Wieder) angelockt hat Michel Leick alte und neue Gäste durch Aktionen. Aus der Kooperation mit einem benachbarten Bauern ist das riesige Maislabyrinth vor dem Maikotten hervorgegangen. Ebenso die „Bauern-Olympiade“: Vereine oder Unternehmen wiegen Ferkel oder ernten Kartoffeln, abends wird beim Barbecue im Maikotten gefeiert. In der Tradition solcher Ideen ist die Hunde-Speisekarte zu sehen. „Eigentlich sollte es nur eine zusätzliche, nette Serviceleistung sein“, sagt Leick. „Ich hatte ja nicht gedacht, dass das solche Wellen schlägt.“ Durch Medienberichte wurde das Lokal überregional bekannt. „Neulich aßen hier Leute aus Melle, die nur gekommen waren, um ihrem Hund eine Portion Geflügelleber zu gönnen“, erzählt der Chef. Melle ist rund 80 Kilometer von Münster entfernt.

Klar, es gibt es auch kritische Stimmen. Doch wer die Vermenschlichung des Hundes anprangert, rennt bei Michael Leick nur offene Türen ein. „Hund bleibt Hund“, sagt er. Als Boulevard-Fotografen einem Hund ein Lätzchen umbinden und ihn beim Essen vom Tisch knipsen wollten, fragte Leick nur: „Seid ihr noch sauber? Serviert wird unter dem Tisch, und zwar im Napf!“ Pudel Charly ist egal, wo er frisst. Er hat gerade eine Geflügelleber verputzt und auch das Hundebier, ein Malzextrakt, ausgetrunken. Gesättigt und zufrieden verlässt er mit Herrchen das Maikotten. Michael Leick hat

wieder einmal zwei Gäste zufriedengestellt – einen Zwei- und einen Vierbeiner. Alexander Schmolke


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