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Spaß beim Reklamieren: Die Auszubildenden im Rollenspiel Foto: Diehl

Brandenburg

Ausbildung über die Grenze hinweg

Gemeinsames Projekt zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen führt nach knapp fünf Jahren zum Berufsabschluss

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/43 vom 28. Oktober 2006
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EBERSWALDE/KOLBRZEG. Noch ein knappes Jahr, dann geht ein 2003 begonnenes Ausbildungsexperiment zu Ende. 28 junge Frauen und Männer – 13 aus Deutschland und 15 aus Polen – werden dann ihre gemeinsame gastronomische Ausbildung mit zwei Berufsabschlüssen beenden: den deutschen als Hotelfachmann/frau und den polnischen als Hoteltechniker/in.

Vor wenigen Tagen haben die Jugendlichen das vorletzte Modul der gemeinsamen Ausbildung in Deutschland absolviert. Der Umgang mit Gäste-Reklamationen stand diesmal auf dem Programm. In der jeweiligen Fremdsprache mussten die Auszubildenden nach sach- und fachgerechten Lösungen suchen. Eine Jury aus Ausbildern und Fachleuten aus der Praxis bewerteten das Können jedes Einzelnen. Schüler des Nachfolgeprojektes, das vor einem Jahr gestartet wurde, waren bei dem Test als Zuschauer dabei.

Seit vier Jahren werden die jungen Leute abwechselnd im polnischen Ausbildungszentrum in Kolbrzeg (Kolberg) und im brandenburgischen Berufsbildungsverein Eberswalde e.V. (BBV) ausgebildet. Sie erlernten dabei auch die Sprache des jeweils anderen. In Polen wurde ausschließlich polnisch unterrichtet, in Deutschland nur deutsch. „Anfängliche Sprachschwierigkeiten spielten schon bald keine Rolle mehr. Inzwischen können sich die Jugendlichen problemlos in beiden Sprachen verständigen“, sagt Angela Eisenberger, Verantwortliche des BBV für die deutschen Lehrlinge. Berufliche Sorgen müssten sich die jungen Leute nicht machen. Sie seien sowohl in Polen als auch in Deutschland umworben, so Eisenberger. Dieser Erfolg gibt den Ausbildern Recht. Anfangs sollte es ein einmaliges Projekt sein. Doch nachdem es so gut angelaufen war, wurde ein Nachfolgeprojekt beschlossen.

Die Idee für die gemeinsame deutsch-polnische Jugendausbildung hingegen hat Jahre gebraucht, ehe sie realisiert werden konnte. Den Anstoß gab Mitte der 90er Jahre der stellvertretende Geschäftsführer des BBV, Günter Grützner. Er dachte dabei zunächst an einen „normalen“ Schüler- oder Lehreraustausch zwischen benachbarten Bildungsvereinen. Im benachbarten Ausbildungszentrums in Kolbrzeg fand Grützner bald Gleichgesinnte.

Anfang 2002, als der EU-Beitritt Polens beschlossen wurde, kam Bewegung in die Sache. Seitdem hat sich die Idee vom Schüler- und Lehreraustausch zu einer gemeinsamen Berufsausbildungsprojekt entwickelt. Im April 2002 lud der BBV alle potenziellen Partner für das geplante Projekt zu einer Konferenz ein: Vertreter verschiedener Ministerien, der IHK und des Arbeitsamtes Frankfurt (Oder), Fachverbände und gastgewerbliche Unternehmen. In den folgenden Monaten wurden in deutsch-polnischen Arbeitsgruppen die Grundlagen geschaffen, Rahmenpläne der Ausbildung erstellt, Praktikumsbetriebe gesucht, Prüfungsfragen erarbeitet, Betreuer benannt. Die Grundfinanzierung für die polnischen Lehrlinge übernahm der Staat, für die deutschen das Arbeitsamt und die IHK. Hinzu kamen Gelder aus rund 25 Fördertöpfen von EU, Bund und Land. Gelder, die sich inzwischen mehr als ausgezahlt haben dürften. Heidi Diehl

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