Baden-Württemberg Karlsruhe lebt von Kongressen
Die Zahl der Übernachtungen kratzt an der Millionenmarke / Kein 5-Sterne-Hotel in der Stadt / Schwierige Großbaustelle
KARLSRUHE. Bagger säumen die Kaiserstraße, verärgern Gäste und lehren Hoteliers das Fürchten. Bis voraussichtlich 2018 wird sich dieser Zustand wegen des Baus der unterirdischen Straßenbahn in Karlsruhe nicht ändern. Durch die anhaltende Lärm- und Schmutzbelästigung könnte das für die Stadt so wichtige Kongressgeschäft eine Talfahrt erleben. Den rund 60 Hotels, Gasthöfe und Pensionen der Stadt steht möglicherweise keine leichte Zeit bevor.
„Eine Stadt, die keine Baustellen hat, entwickelt sich nicht weiter“, sagt Hans-Christoph Bruß, Geschäftsführer der DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
weiter mit Mausklick...-Geschäftsstelle Karlsruhe. Das dachten sich offenbar auch die Gäste. Die KennzahlenDie fortlaufende numerische Erfassung der wichtigsten betriebsinternen Abläufe.
weiter mit Mausklick... der Hotellerie blieben bislang jedenfalls unbeeinflusst von der angespannten Situation. Obwohl die Baumaßnahmen in 2011 intensiviert wurden, sind Ankünfte und Übernachtungszahlen gestiegen.
Andere sind dynamischer
Das statistische Landesamt verzeichnete im vergangenen Jahr 986.860 Übernachtungen in allen Beherbergungsbetrieben. Das Ergebnis entspricht zwar nicht dem angepeilten Rekord von 1 Mio. Übernachtungen, aber doch immerhin einem Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die erhöhte Nachfrage ist dem wirtschaftlichen Aufschwung geschuldet. Allerdings blieb Karlsruhe, gemessen am Übernachtungsplus, hinter den Städten Stuttgart, Mannheim, Freiburg und Heidelberg zurück.
In Karlsruhe legten die Betriebe der Kategorie 4 Sterne mit 7,8 Prozent mehr Übernachtungen am meisten zu. Stark nachgefragt wurden auch preiswerte Hotel garnis mit einem Übernachtungs-Plus von 7,16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und der Aufwärtstrend hält an: Für das erste Quartal 2012 meldet die Statistikstelle des Amts für Stadtentwicklung gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Anstieg um 8,79 Prozent bei den Gästeübernachtungen in allen Kategorien.
Es gibt Luft nach oben
Auch die langfristige Betrachtung liefert positive Werte: Wie das Beratungsunternehmen MKG Hospitality exklusiv für dieAHGZermittelte, wuchs der RevPar im Zeitraum zwischen Februar 2011 und März 2012 um 5 Prozent auf durchschnittlich 48,40 Euro. Der ZimmerpreisRegulärer Preis pro Zimmer , auch Zimmerrate genannt.
weiter mit Mausklick... kletterte in der Langzeitbetrachtung um 4,4 Prozent auf 74,10 Euro. „Wir haben durchgängig ein günstiges Übernachtungsangebot“, bewertet DEHOGA-Mann Hans-Christoph Bruß das Preisniveau. Die Auslastung pendelte sich über die zwölf Monate hinweg betrachtet bei 65,3 Prozent ein.
Axel Hoffmann, Direktor des Novotels Karlsruhe, sieht hier noch Luft nach oben: „65 Prozent Belegung bei den Kettenhotels, das ist keine Traumzahl.“ Obwohl schwer messbar sei, wie viele Gäste Karlsruhe tatsächlich wegen des Baus der unterirdischen Straßenbahn den Rücken kehrten, befürchtet Hoffmann Einbrüche im Bereich Tagungen und Kongresse.
Auch DEHOGA-Geschäftsführer Hans-Christoph Bruß kennt den negativen Effekt der Dauerbaustelle. „Das wird von vielen als großes Manko empfunden“, sagt er. Dennoch hätte die Karlsruher Hotellerie eine gesunde Auslastung vorzuweisen. Auf diese beruft sich auch Yvonne Halmich von der Karlsruhe MesseIm wirtschaftlichen Sinne eine zeitlich begrenzte, wiederkehrende Veranstaltung auf einem bestimmten Gelände, die es Produzenten oder Verkäufern einer Ware bzw.
weiter mit Mausklick...- und Kongress GmbHAbk. für Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
weiter mit Mausklick.... Sie verweist auf die weiterhin wachsenden Übernachtungszahlen: „Seit Baubeginn macht sich kein Rückgang in Belegung und Gästeankünften bemerkbar“, so Halmich. „Die Hotels sind dank der Messen und Kongresse, dank großer Firmen wie Siemens und Bosch und dem Karlsruher Institut für Technologie trotzdem ausgelastet.“ Siegfried Weber, Inhaber der AAAA Hotelwelt und Vorsitzender der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie im DEHOGA Karlsruhe, stimmt zu. „Karlsruhe hat eine gute und aufstrebende BilanzGegenüberstellung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten eines Unternehmens, mit dem Ziel, das Eigenkapital als Restgröße zu ermitteln.
weiter mit Mausklick....“ Positiv gestimmt ist auch Sascha Binoth, City-Manager der City-Initiative Karlsruhe. „Für einen Kongressstandort ist Karlsruhe gut aufgestellt“, sagt er. Erfreulich sei auch, dass sowohl die vielen inhabergeführten Häuser als auch die Kettenhotels in den letzten Monaten kräftig investiert und ihre Betriebe modernisiert und erweitert hätten.
Novotel-Chef Hoffmann indes traut dem Frieden nicht: „Wir bekommen schon jetzt regelmäßig negatives FeedbackJede Art von Rückmeldung, die anzeigt, ob eine andere Person ein bestimmtes Verhalten oder eine sprachliche Äußerung verstanden hat und darauf reagiert.
weiter mit Mausklick.... Kongressveranstalter, die sich einen Standort anschauen, werden einen Bogen um Karlsruhe machen“, so die PrognosePlanung der Vertriebsziele anhand vergangenheitsbezogener Daten, um voraussichtliche Entwicklungen abzuleiten.
weiter mit Mausklick... des Gastgebers. 30-35 Prozent der Gäste in seinem Haus sind dem Kongress- und MICETeilsektor des Geschäftstourismus, der sich auf das Messen-, Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft konzentriert MesseMinimum Length of Stay , in einem Hotel für einen bestimmten Zeitraum als Buchungsvoraussetzung festgelegte Anzahl von Mindestübernachtungen Von der Unternehmensleitung kann festgelegt werden, dass zu bestimmten Zeiten eine Mindestaufenthaltsdauer gilt Reservierungsanfragen, die darunter liegen, werden dann nicht akzeptiert Dieses Instrument wird meist in Zeiten hoher Nachfrage im Rahmen des Yield-Managements eingesetzt Mitarbeiterkommunikation sämtliche Informations- und Kommunikationsabläufe in einem Unternehmen, die der Steuerung von Meinungen, Einstellungen und Verhalten der Mitarbeiter dienen Grundsätzliches Gestaltungsziel von Maßnahmen im Zuge der Mitarbeiterkommunikation ist es, die Mitarbeiter für die Relevanz der kundenbezogenen Interaktionen und die Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozesse des Qualitätserlebens von Kunden zu sensibilisieren Als wesentliche Aufgaben der Mitarbeiterkommunikation lassen sich daraus ableiten: Einbindung der Mitarbeiter in die Kommunikation nach außen und Definition der Kommunikationsträger Optimierung der internen Kommunikationsprozesse durch Beratung und Unterstützung wichtiger Kommunikationsträger Verstärkung der Zielgruppenorientierung in der Kommunikation und Definition spezifischer Kommunikationsfunktionen/-standards der Mitarbeiter Vermittlung relevanter Informationen über Ziele, Strategien und Situation des Unternehmens zur Stärkung des "Wir-Gefühls und der Mitarbeiteridentifikation "Vermittlung des Meinungs- und Stimmungsbildes der Mitarbeiter an Führungskräfte und Unternehmensführung Mitwirkung bei der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur
weiter mit Mausklick...-Geschäft zuzuordnen. Buchungen von individuellen Geschäftsreisenden sind zweitrangig und das Leisure-Geschäft nahezu vernachlässigbar. Hoffmann profitiert von der Lage in unmittelbarer Nähe zum Kongresszentrum. „Die positiven Synergien“ könnten in Zukunft wegfallen, befürchtet der Hotelier.
„Karlsruhe hat wenig Lust-, aber viele Muss-Reisende“, beurteilt Hans-Christoph Bruß die Gästestruktur der Fächerstadt. Von den 26 Hotels, die das statistische Landesamt für 2011 angibt, sind neun Betriebe mit 3 Sternen und acht Häuser mit 4 Sternen klassifiziert. Die meisten darunter sind klassische Tagungs- und Geschäftshotels, wie beispielsweise das Renaissance Hotel oder das Best Western Queens Hotel, und haben deshalb in den Frühjahresmonaten April, Mai und Juni sowie in den Herbstmonaten September, Oktober und November Hochbetrieb.
Auch das altehrwürdige Schlosshotel, laut Bruß „die Grande Dame“ der Karlsruher Hotellerie, profitiert mit seiner Lage direkt am Hauptbahnhof von Geschäftsreisenden, Tagungs- und Kongressteilnehmern. Diese bilden im gesamten Hotelmarkt der Stadt mit über 80 Prozent die klare Mehrheit der Gäste, wie aus einer Umfrage unter den ansässigen Hoteliers der Statistikstelle des Amts für Stadtentwicklung hervorgeht. Nachholbedarf macht er an den Wochenenden aus: „Unter der Woche haben wir eine sehr gute Belegung, die geht am Wochenende stark zurück.“
Ein Loch am Wochenende
Yvonne Halmich, Pressereferentin der KMKG, will darum den Städtetourismus ankurbeln und Karlsruhe auch für jüngere Besucher attraktiv machen: „Die Stadt des Rechts, das ist für viele langweilig. Wir wollen der Stadt ein jüngeres Auftreten verleihen.“
Der Hotelier und DEHOGA-Fachgruppenvorsitzende Siegfried Weber findet klare Worte: Karlsruhe bemühe sich mit Messen und Kongressen redlich, auch das Karlsruhe Institut für Technologie sei ein Motor für Muss-Reisende. Was fehle, seinen aber die „Lust-Reisenden. „Die Stadt krankt an einem Strukturproblem, der Hotelmarkt ist tricky“, so Weber.
Potenzial bei Low Budget
Das mag auch der Grund dafür sein, warum Karlsruhe bisher kein 5-Sterne-Hotel und vergleichsweise wenige Kettenbetriebe vorzuweisen hat. „Der Standort ist für Ketten nicht interessant“, sagt Hans-Christoph Bruß und verweist auf das geplante Intercity Hotel am Bahnhof, das seit Jahren im Gespräch sei, aber nicht realisiert werde. Ebenso stagnierten die Planungen für das Messehotel in Rheinstetten.
Bruß erwartet, dass sich die Bettenzahl erhöhen wird. Potenzial sieht er im Low-Budget-Bereich. „Hier ist einiges im Gespräch, aber noch nicht konkret.“ Mittlerweile auf den Plan getreten ist das A & O Hostel am Hauptbahnhof im Gebäude des einstigen Residenz Hotels. Melanie Lechner