Baden-Württemberg Zwei Schwestern für die Sonne
Katja und Barbara Nörr steigen in das elterliche Hotel mit ein / Mehr als 5 Millionen Euro in schmucken Neubau investiert
RUDERSBERG-SCHLECHTBACH. So hell hat die Sonne in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte noch nie gestrahlt. Aus der Metzgerei mit Gaststätte (ganz früher gab es sogar mal eine Brauerei) ist ein schmuckes 4-Sterne-Hotel mit Restaurant geworden. Nicht von heute auf morgen, sondern nach und nach.
Entscheidenden Anteil am Aufstieg des Unternehmens haben Ernst und Renate Nörr. Ernst Nörr (58) ist nach einer Metzger- und Kochlehre bereits mit 22 Jahren in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt. Renate Nörr (57), eigentlich gelernte Erzieherin, hat die Hotelfachschule Speiser am Tegernsee besucht. Die jüngste Baumaßnahme, abgeschlossen im Frühsommer dieses Jahres, war die spektakulärste. Ein älterer Gebäudeteil mit 13 Zimmern und einer Kegelbahn wurde abgerissen und ein Verbindungsbau zwischen der alten Sonne und einem neueren Gästehaus erstellt. Mehr als 5 Mio. Euro hat das gekostet, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. 19 großzügige mit Geschmack gestaltete Zimmer sind entstanden, eine lichtdurchflutete Hotelhalle mit Terrasse und ein durchdacht ausgestatteter Veranstaltungsraum für bis zu 150 Personen komplettieren den Neubau. Man spürt sofort: Hier waren Hotel-Profis am Werk: das Büro Vögele aus Freudenstadt. Die auf die Bedürfnisse der Hotellerie spezialisierten Architekten haben unter anderem den Engel in Obertal, das neue Mummelseehotel oder das Hotel Sackmann architektonisch betreut.
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Geld gab es von der Hausbank, der Volksbank Sindelfingen, „zu hervorragenden Konditionen“, so Ernst Nörr. Man habe eine relativ gute Eigenkapitaldecke gehabt und einen grundsoliden Businessplan (Leseprobe und weitere Informationen zum Buch "Businessplan ")aufgestellt. Außerdem wurde der Fördertopf des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum angezapft. Ernst Nörr weiß aber auch: „Es steht keine Bank da und jubelt, wenn einer aus der Hotellerie anklopft. Da sind sie sehr zurückhaltend.“ Dass die Nörrs den Schritt, so groß zu investieren, überhaupt gewagt haben, hat mit den Töchtern Katja (28) und Barbara (25) zu tun. Beide haben das Hotelfach von der Pike auf gelernt: Katja studierte bei Professor Hänssler an der BA Ravensburg und arbeitete danach weltweit in Spitzenhäusern. Barbara ist Absolventin der Hotelfachschule Heidelberg und Hotelmeisterin. Beide sind seit Herbst vergangenen Jahres voll im Betrieb tätig und werden die Sonne einmal übernehmen.
Zwei top ausgebildete, clevere junge Frauen kehren aus der großen, weiten Hotelwelt zurück in den Schwäbischen Wald? Beileibe kein Spitzenstandort – weder fürs Tourismus- noch fürs Tagungsgeschäft, wie Ernst Nörr unumwunden einräumt. Doch Katja Nörr sagt mit Nachdruck: „Ich habe mir das gut überlegt. Man muss dafür leben, und das tun wir.“
Die Schwestern sind jetzt mit Verve dabei, die neue Sonne zu vermarkten. Die AkquiseVor-Verkaufsphase, in der versucht wird, neue Kunden zu gewinnen bzw.
weiter mit Mausklick... läuft auf Hochtouren. Katja Nörr: „Das kostet Zeit und zeigt schon erste Erfolge.“ Tagungen und Feierlichkeiten sind die Hauptsäulen des Geschäfts. Damit hat sich das Hotel in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen gemacht. Firmen und private Gäste mochten und mögen das private Umsorgtsein, den familiären Touch, auch wenn es vielleicht einmal nicht so professionell zuging wie im Kettenhotel. Barbara und Katja Nörr haben sich vorgenommen, beides miteinander zu verbinden: das Familiäre mit dem Professionellen. Sie wollen gute Gastgeber sein für die vielen mittelständischen und großen Firmen der Region ebenso wie für Hochzeits- und Geburtstagsgesellschaften.
Dass die Sonne eine Zukunft hat, davon ist Familie Nörr felsenfest überzeugt. Auch von der Eurokrise und schlechteren Wirtschaftsaussichten lassen sich die Nörrs nicht den Schneid abkaufen: „Wir haben schon viele Krisen erlebt. Wenn es danach ginge, dürfte man ja gar nichts mehr machen.“ Holger Zwink





