Sachsen
Barocke Küche im Schlossrestaurant
Schloss Rammenau betreibt Gastronomie nun selbst / Axel Göber bietet 15-Gänge-Menü
RAMMENAU Nachdem im vergangenen Jahr die Pächter des Schlossrestaurants in Sachsens schönster Landbarockanlage Rammenau die Segel gestrichen hatten, blieb der Küchenherd einige Wochen kalt – zum Ärger der Besucher. Immerhin hatte der Freistaat Sachsen als Besitzer der Schlossanlage knapp zehn Millionen Euro in ihre Sanierung gesteckt.
Jetzt suchte er aber keinen neuen Pächter, sondern übergab seinem eigenen Schlossbetrieb auch das Betreiben der Gastronomie und stellte zwei Köche und zwei Servicekräfte ein. Nachdem die neue Küche bereits zu einigen kulturellen Veranstaltungen Imbiss-Kostproben abgeliefert hatte, lud sie unlängst wieder Gäste mit einer vollen Speisekarte ein. Chef ist der 37-jährige Küchenmeister Axel Göber. Nach seiner Lehre im Magdeburger Ratskeller kam er ins ehemalige Motel von Dresden und wurde später weit über die Stadt hinaus bekannt, als er sich mit der legendären „Fischgalerie“ in die Lobesseiten diverser Gastronomieführer kochte. Das Hochwasser von 2002 überflutete das Restaurant im Komplex des art'otels und Axel Gröber sammelte im Catering Erfahrungen, bis ihm jetzt das Angebot als Schlosskoch unterbreitet wurde.
Die lukullischen Offerten will er dem kulturellen Angebot im Barockschloss anpassen. Dazu entwickelte er eine Menükarte nach ausgiebigem Studium der barocken Essgewohnheiten bei Hofe. Mitunter bestand dort ein gutes Essen aus 15 Gängen. Das Mahl begann mit einer kalten Vorspeise, gefolgt von einer Suppe. Dann kam eine warme Vorspeise, wonach Fisch aufgetragen wurde. Ein anschließender Fleischgang wurde durch eine warme Pastavariante abgelöst, worauf als siebenter Gang wieder ein kaltes Zwischengericht folgte. Danach gab es ein Eisgetränk und an neunter Stelle einen warmen Braten. Es folgten ein Salat und ein Gemüsegericht. Jetzt kam eine warme und danach eine kalte Süßspeise. Gang 14 bestand aus Käse, und schließlich beendete ein Mocca das umfangreiche Menü. Wer sich die Schlemmerei zutraut, kann sich mehrere Stunden dafür Zeit nehmen und die einzelnen Gänge nacheinander im Gartensaal, im Vogel- und Kornblumenzimmer oder auf der Terrasse genießen. Für einen Parkbummel wird ein Picknickkorb gepackt, und es gibt Decken dazu. Axel Göber stellt aber auch die Menüfolge nach den Wünschen seiner Gäste anders und reduzierter zusammen.
Für Schlossleiterin Roswitha Förster ist die neue Aufgabe eine besondere Herausforderung, denn für die vier zusätzlichen Mitarbeiter bekommt sie keinen Cent mehr aus der Staatskasse. Auf neun Monate hat der Schlossbesitzer eine Probezeit festgelegt. Da will er genau beobachten, wie die Besucher den neuen gastronomischen Service annehmen und dann über eine Dauerlösung entscheiden.
