Berlin So gewinnt man Stammgäste
Kulinarischer Stadtrundgang „Eat the world“ kommt in der Gastronomie gut an
BERLIN. Vom ersten Augenblick ist klar, dass der kulinarische Stadtrundgangs „Eat the world“ eine ganz besondere Exkursion durch den Kreuzberger Kiez wird. Zwar wird man Schritt für Schritt von Stadtführerin Helga Gläser auch mit spannenden Details über Geschichte, Architektur und aktuelle Szenetrends „gefüttert“, aber vor allem werden in den folgenden drei Stunden kulinarische Spezialitäten in acht verschiedenen Lokalen gekostet.
Das Konzept von „Eat the world“ ist bislang einzigartig. Es gibt kulinarische Führungen oder Tapas-Touren in verschiedenen europäischen Städten, aber meistens sind es komplette Menüs in drei bis fünf verschiedenen Restaurants. Die Idee mit den kleinen repräsentativen Kostproben ist neu. Die kulinarisch-kulturellen Stadtführungen werden bislang in Berlin, Hamburg und München angeboten.
„Eat-the-world“-Gründerin Elke Freimuth gewann mit ihrer Idee 2009 den bundesweiten Innovations-Wettbewerb „Sprungbrett 2009“. Ihre Intention: „Ich möchte Besuchern und Einheimischen den Weg zu leckerem Essen und kulturellen Einblicken fernab ausgetretener Touristenpfade aufzeigen.“ Die 32-Jährige, die ausgebildete Gymnasiallehrerin ist, stellte sich bei verschiedenen Auslandsaufenthalten immer dieselben Fragen: Was is(s)t man in der Region und was zeichnet die Lebensart der Einheimischen aus? Als sie dann in New York lebte, bemerkte sie das Verschwinden von kleinen Familienbetrieben. Diesen Trend wollte sie aufhalten.
Zur Berliner Gruppe gehören Touristen, aber überraschenderweise auch Berliner, die unbekannte kulinarische Ecken in ihrer Stadt aufspüren wollen. Los geht’s im Graefe-Kiez, einem attraktiven Viertel mit viel Grün und hoher Wohnqualität. „Diese Ecke wird auch Toskana von Berlin genannt“, erzählt Helga Gläser. Erste Station ist das türkische Restaurant Osmanli Saray Mutfagi. Hier, am Kottbusser Damm, erwartet die Teilnehmer ein Milchgetränk, und herzhafte Zucchini-Puffer. „Alleine hätte ich mich nicht in dieses Lokal getraut, weil ich nicht gewusst hätte, ob das Essen mir schmeckt“, bringt eine Besucherin den Vorteil von „Eat the world“ auf den Punkt. Ein paar Meter weiter im Weinblatt, einem Feinkostladen im Graefe-Kiez, gibt es verschiedene saisonale Suppen. Nach einem Schokoladenküchlein in der Feinschmecker-Bäckerei „back.art“ in der Dieffenbachstraße wandert die Gruppe weiter ins Café Isabel. Dort wird unter anderem Melonen- und Mangoeis hergestellt. Nach dem vierten Lokal hat sich ein gewisser Sättigungsgrad eingestellt, aber im Kreuzberg-Guide sind noch viele weitere Restaurants gelistet.
„Durch die Besuchergruppen gewinnen die Lokale Stammkunden hinzu. Das Feadback ist sehr positiv“, erzählt Elke Freimuth. Dies liegt vermutlich auch mit daran, dass die Gäste auch einen kleinen Kreuzberg-Guide in die Hand gedrückt bekommen, in dem sie die Lage und die kulinarischen Besonderheiten eines jeden Restaurants später nachlesen können. Freimuth möchte weiter expandieren und ihr Angebot zukünftig im Rahmen eines Franchise Modells auch auf andere Städte, die mindestens 250.000 Einwohner groß sind, ausweiten.
Wiebke Schönbohm-Wilke
