Berlin Trinken für den Kiez
Gastronomen unterstützen mit dem Bier „Quartiermeister“ soziale Projekte
BERLIN. Ein gutes Gewissen kostet in der Berliner Kneipe Freies Neukölln 1,80 Euro. Für den Preis verkauft die Inhaberin Antje Borchardt das Bier Quartiermeister. Das Besondere daran: Je mehr Quartiermeister die Kehlen der Gäste hinunterfließt, desto mehr Geld fließt in soziale Projekte im Kiez. Das Konzept begeistert inzwischen mehr als 30 Gastronomen in der Hauptstadt. Wenn es nach Sebastian Jacob geht, machen in Zukunft noch mehr Unternehmer mit.
Mit Durst die Welt verbessern
Jacob ist die treibende Kraft hinter Quartiermeister. Während der Vorbereitung auf eine Jura-Prüfung hatte er die Idee für das Projekt. „Konsumsollte mehr sein als nur die persönliche Bedürfnisbefriedigung. Deshalb ist Quartiermeister mehr als nur ein Bier. Wer eine Flasche kauft, verbessert die Welt“, sagt der 31-Jährige. Pro verkauften Kasten gehen fast drei Euro an soziale Organisationen in der Nachbarschaft. „Trinken für den Kiez“ lautet das Motto. „Wenn Menschen sich engagieren, machen sie das meist vor ihrer Haustür. Alles, was dort passiert, berührt sie unmittelbar“, so Jacob.
Borchardt war 2010 eine seiner ersten Kunden. Anfangs radelte Jacob mit einem Fahrrad von Kneipe zu Kneipe und lieferte die Kästen persönlich aus. Heute vertreiben Getränkegroßhändler Quartiermeister. Jacob verkauft den Kasten mit zwanzig 0,33-Liter-Flaschen für 10 Euro netto. Mindestabnahmemenge sind zehn Kästen. Quartiermeister selbst macht laut Jacob keine Gewinne. „Bei uns fließt nicht bloß ein Teil, sondern der volle Gewinn in soziale Projekte. Er liegt bei etwa 3 Euro pro Kasten und ist in den 10 Euro Verkaufspreis enthalten.“ Von dem gespendeten Geld profitiert zum Beispiel das Netzwerk Schülerhilfe Rollberg. Es hilft in Neukölln Kinder mit Migrationshintergrund.
Das Bier stammt aus der Garley-Brauerei in Gardelegen, Sachsen-Anhalt. „Durch die Zusammenarbeit mit der Brauerei und lokale Zutaten sorgen wir dafür, dass eine regionale Wertschöpfung entsteht. Das fördert Arbeitsplätze und Lebensqualität in einer strukturschwachen Gegend“, sagt Jacob. Sein Quartiermeister-Bier ist das umetikettierte Garley Premium Pilsner. Das untergärige Vollbier hat einen Alkoholgehalt von 4,9 Prozent.
Die Nachfrage nach dem Bier mit dem guten Gewissen steigt. Zu Beginn des Projekts waren neun Gastronomen mit an Bord. Inzwischen sind es mehr als 30. Das schlägt sich in den Absatzzahlen nieder. Seit Herbst 2010 verkaufte Sebastian Jacob mehr als 100.000 Flaschen Quartiermeister. Jacob sucht weiter nach Gastronomen, die sein Projekt unterstützen wollen.
Mitmachen ist in
In Zukunft soll Quartiermeister nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch anderswo auf der Getränkekarte stehen. Die Marketingstrategie für dieExpansion steht, das Motto ändert sich. In anderen Metropolen lautet der Werbespruch „Das Bier für hier“. Zwei Dinge bleiben aber gleich: Erstens das Logo und zweitens das gute Gewissen, das in jeder Flasche steckt.
Sebastian Wenzel


