Brandenburg Die alte Brautradition lebe hoch
Die Braumanufaktur Forsthaus Templin stellt das einzige Bio-Bier in Brandenburg her / Im Verbund mit anderen Brauereien den Bierabsatz steigern
POTSDAM. Die märkische Bierkultur ist von jeher auch ein Teil Brandenburger Gastlichkeit gewesen. Und so verwundert es nicht, dass sich einige engagierte Gastwirte auch heute noch der Herstellung dieses traditionsreichen Getränks annehmen. Ihre regionalen Biersorten behaupten sich gut neben den absatzstarken Marken der großen Brauereien.
Hier spielt die Geschichte
Zu den derzeit rund ein Dutzend Klein- und Gasthausbrauereien Brandenburgs, die ihre Biere unter strenger Einhaltung des deutschen Reinheitsgebotes von 1516 ausschenken und direkt vermarkten, gehört die Braumanufaktur Forsthaus Templin am südlichen Stadtrand von Potsdam. Bis ins Jahr 1834 lässt sich die gastronomische Nutzung des Forsthauses am Templiner See zurückverfolgen. Ein wahrhaft geschichtsträchtiges Gebäude, in dem der junge Otto von Bismarck, der spätere deutsche Reichskanzler, seine Sommerferien verbrachte.
WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL
In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Forsthaus ein beliebter Treffpunkt für Berliner und Potsdamer, die zu Tausenden hierher pilgerten. Auch in der ehemaligen DDR war das Gasthaus ein sehr gut besuchtes Ausflugsrestaurant. Doch nach der politischen Wende stand es lange Zeit leer: Bis 2002 Thomas Köhler und Jörg Kirchhoff, zwei junge engagierte Brauer, das Forsthaus kauften und in anderthalb Jahren in eine Gasthausbrauerei umbauten. Die Neueröffnung war am 6. Dezember 2003.
Schonendes Verfahren
Nach alter handwerklicher Brautradition brauen sie seitdem hier Bier, seit 2007 das komplette Sortiment in Bio-Qualität. Damit ist die Braumanufaktur die einzige Brauerei in Brandenburg, die Bio-Bier braut. „Unser Bier ist vollkommen naturbelassen“, sagt Mitinhaber Jörg Kirchhoff. Die Rohstoffe Hopfen und Malz werden ökologisch erzeugt. „Als Mitglied im Naturland-Verband arbeiten wir nach höchsten ökologischen Standards, die strenger sind als die des Bio-Siegels“, ergänzt der 41-Jährige. Die Braugerste liefert ein Brandenburger Naturland-Bauer, und das aus der Gerste erzeugte Malz wie auch der Hopfen kommen aus Bayern.
Auch das Verfahren zur Herstellung des Bieres ist schonend und laut Braumeister Jörg Kirchhoff „noch genauso wie um 1900“. „Unsere Biere werden ausschließlich mit Aromahopfen gebittert, was eine nicht so herbe Note mit sich bringt. Dadurch erzielen wir eine besondere Süffigkeit mit einem sehr feinen Hopfenaroma“, erläutert der erfahrene Braumeister. Das Bier wird nicht filtriert, ist also naturtrüb, und enthält damit die wertvollen Bestandteile der Hefe wie Spurenelemente und Vitamine. „Ungefiltertes Bier schmeckt milder und vollmundiger als die industriell hergestellten gefilterten Biersorten, die wegen der längeren Haltbarkeit fast ausschließlich im Handel erhältlich sind“, betont Jörg Kirchhoff.
Rund 3500 Hektoliter Bier brauen Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler im Jahr. Ein Teil davon, vor allem das in nostalgischen Bügelverschlussflaschen abgefüllte Bier, wird nach Berlin in Bio- und Naturkostläden geliefert. Wie es sich gehört, ist der Bierkasten aus Holz – und damit komplett biologisch abbaubar. Der andere Teil wird in der Gasthausbrauerei selbst ausgeschenkt beziehungsweise in Fässern an Gastronomen in Potsdam und Umgebung ausgeliefert.
Außer dem ganzjährig erhältlichen eigenen Pils und Lager sowie den saisonal gebrauten Spezialitäten wie Weizenbier, Märzen oder Maibock sind auch Besonderheiten wie der honigfarbene Bierlikör oder der starke Bierbrand sehr gefragt. Mit viel Liebe wurden alte Brandenburger Biersorten wie die „Potsdamer Stange“ oder das „Werdersche Bier“ wiederentdeckt.
Für eine bessere Transparenz werden die Bierflaschen mit einer „Bio-mit-Gesicht-Nummer“ versehen. Im Internet kann der Kunde dann erkennen, woher die Bio-Produkte kommen und wie sie erzeugt und verarbeitet werden. „Das Verfahren ist ganz einfach“, erläutert Jörg Kirchhoff. „Auf dem Flaschenetikett ist eine Nummer angegeben, die der Kunde auf der Webseite www.bio-mit-gesicht.de eingibt. Dort erhält er dann ein Kurzporträt des Betriebes, von dem das ProduktBezeichnung für am Markt angebotene Wirtschaftsgüter .
weiter mit Mausklick... stammt, und erfährt auch, woher dieser seine Rohstoffe bezieht.“
Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler kommen aus der Region. Beide haben in Potsdam das Brauhandwerk erlernt, anschließend in Berlin studiert und sich in Schleswig und im Emsland erste berufliche Sporen als Braumeister verdient. Die Ausbildung des Berufsnachwuchses liegt ihnen sehr am Herzen. So beschäftigt das Forsthaus Templin gegenwärtig fünf Auszubildende und ist damit Brandenburgs zweitgrößter Ausbildungsbetrieb für Brauer. Sogar ein junger Mann aus Australien, Ruaridh Atkins, ist dabei und erlernt hier fernab der Heimat das Brauhandwerk.
Bierkultur leben und stärken
Im vergangenen Jahr hat sich die Braumanufaktur mit sechs weiteren Klein- und Gasthausbrauereien zu einem Verbund zusammengeschlossen. Außer dem Forsthaus Templin gehören die Spreewälder Privatbrauerei 1788 in Schlepzig, die Kircher Brauhaus GmbHAbk. für Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
weiter mit Mausklick... in Drebkau, das Brauhaus Radigk in Finsterwalde, das Burgbräuhaus Belzig, das Bräuhaus Kneipe pur in Brandenburg an der Havel und die Gasthausbrauerei Meierei im Neuen Garten Potsdam dazu. Sie wollen ihre Biere und ihre Häuser gemeinsam bewerben, den Bierabsatz steigern und den Ruf der Brandenburger Bierkultur stärken. Hans-Dieter Schaaf


