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Imageproblem: Beim Wort Jugendherberge zuckt Geschäftsführer Jens Grotelüschen zusammen Foto: Alexander Schmolke

Bremen Halb Hostel, halb Hotel

Das Havenhostel Bremerhaven überrascht seine Gäste mit einem Höchstmaß an Komfort

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/6 vom 28. Januar 2012
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BREMERHAVEN. Im Januar 2010 feiert das Eröffnung, ist mithin erst zwei Jahre am Markt. Doch die Auslastung liegt bereits jetzt bei 73 Prozent, der Umsatz bei knapp 2 Mio. Euro und gerade wird für 7,5 Mio. Euro expandiert. Bei diesen Zahlen lässt sich konstatieren – hier ist ein Konzept aufgegangen.

Vor einigen Jahren, als Bremerhaven die höchste Arbeitslosenquote der alten Bundesländer aufwies (20 Prozent), beschloss die Stadt, für rund 300 Mio. Euro das maritime Tourismusresort Havenwelten zu errichten. „In diesem Zuge entstanden viele Übernachtungsmöglichkeiten, unter denen wir die sein wollten, die Portemonnaie und Anspruch am besten miteinander verbindet“, erläutert Geschäftsführer Jens Grotelüschen die Vorüberlegungen. Dabei heraus kam ein Hostel mit Komfort und Coolnessfaktor.

Schon der Standort ist besonders: Das Havenhostel befindet sich in einer ehemaligen Marinekaserne, die vier Etagen heißen „Decks“. Alle 88 Zimmer (262 Betten) bieten Dusche, WC, Internetzugang, bezogene Betten – und einen Flatscreen. Die Rezeption ist 24 Stunden besetzt, der Getränkeautomat spuckt Cola für 1,50 Euro aus; es gibt eine Lounge mit stylischen Möbeln in der Hausfarbe Signalrot, Laptops zum Internetsurfen, Kicker- und Billardtisch, Dartscheibe und Wii. Und dank Kooperationen mit entsprechenden Anbietern aus der Stadt können die Gäste auch Bogenschießen oder Hochseilklettern.

„Wir zucken immer etwas zusammen, wenn uns jemand Jugendherberge nennt“, sagt Grotelüschen angesichts des Angebots. Zum einen müsse man in keinem Verband Mitglied werden, um im Hostel übernachten zu können, zum anderen sei das Konzept grundverschieden: „Wir verbinden hier die Aufgeschlossenheit eines Hostels mit dem Komfort eines Hotels – diese Kombination überzeugt die Gäste“, sagt der Geschäftsführer. Und zwar Gäste aller Art: In den Ferien wohnen zu 70 Prozent Familien im Havenhostel, ansonsten ist jeder zweite Gast ein Firmenreisender mit nicht ganz so üppig bestücktem Spesenkonto. Dazu mischen sich Backpacker aus Japan oder den USA unter Schüler auf Klassen- oder Sportler auf Vereinsfahrt. Zudem beackert das Hostel das Tagungsfeld. (siehe Interview)

Der Erfolg des Hauses hat sich herumgesprochen: So erhielt das Havenhostel etwa den „Highlight-Preis 2011“ des Marketing-Clubs Bremen mit der Begründung, das Konzept sei nicht nur gut durchdacht, sondern auch gut umgesetzt. Ein Lob, das Grotelüschen in seinen Expansionsplänen bestärkt: Aktuell wird für 7,5 Mio. Euro in Cuxhaven ein zweites Havenhostel mit 105 Zimmern und 330 Betten gebaut, weitere könnten im Norden folgen.

Und dann ist da ja noch ein Projekt, dass die unkonventionelle Denke im Havenhostel sehr schön verdeutlicht: Grotelüschen hat einen Leuchtturmkopf gekauft, der in einer aufwändigen Transportaktion aufs Gelände gebracht wurde. Er soll auf Stelzen rund 40 Meter in die Höhe gewuchtet werden, in seinem Inneren ein Restaurant entstehen. Bis es soweit ist, ziehen aber wohl noch zwei Jahre ins Land. Denn auch in Bremerhaven hat ein Tag eben nur 24 Stunden. Alexander Schmolke




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