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Kostprobe: Thomas Wrobel kommt auf Bestellung Foto: Thomas Biskupek

Sachsen

Chinabrenner erobert Sachsen

Der Leipziger Thomas Wrobel hat aus seinem Hobby einen Job gemacht und kommt mit eigener Kochstelle und Wok ins Haus

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/2 vom 13. Januar 2007

LEIPZIG. Chinesische Küche ist natürlich nicht, was an jeder Ecke als „Asia“ angeboten wird. Außerdem gibt es ohnehin nicht „die chinesische Küche“. Diese ist nämlich vielfältig wie das ganze Land. Der Leipziger Thomas Wrobel entdeckte vor Jahren die Küche der Provinz Sichuan für sich. Er war so begeistert, dass er erst nur für sich und Freunde kochte. Inzwischen hat er ein Gewerbe angemeldet und findet zunehmend Erfolg im sächsischen Raum.

Der Autodidakt besucht seit 13 Jahren das „Reich der Mitte“. 1998/1999 lebte er ein ganzes Jahr dort und kann dadurch auch ein wenig Chinesisch sprechen und lesen. Die Gerichte, die er in Deutschland anbietet, hat er chinesischen Köchen abgeguckt und sie vereinzelt abgewandelt und angepasst.

„Gewürzt wird in der Sichuan-Küche massiv. Die Gerichte sind oft sehr scharf. Das ist in Deutschland nicht jedermanns Geschmack“, sagt der 38-Jährige. Er bemüht sich trotz beschränkter Einkaufmöglichkeiten hierzulande, seinen Gästen möglichst originale Speisen anzubieten. Ein Beispiel ist das Gericht Guizhou Ji (Hühnchen nach Art der Provinz Guizhou). Fleisch wird im Wok angebraten und herausgenommen. Man füllt den Wok mit scharfen Chilis und röstet sie. Dann kommt das Fleisch wieder hinein. Gegessen wird dann nur das Fleisch, nicht der Chili. Wrobel erklärt auch, weshalb in der Chinaküche alles meist klein geschnitten angeboten wird: „Schon vor 1000 Jahren litt China unter dem Holzmangel. Also muss man die Hitze intensiv nutzen.“

Wrobel hat Holzmodellbauer gelernt und dann studiert. Der Diplomdesigner arbeitet auch heute an Skulpturen. Seine Werke sind bei Fachleuten gefragt. Seine Kochkünste sieht er im Kontext zur Kunst. Konkret sieht das bei ihm so aus: Wer ein Fest geben will, ordert den Chinabrenner, so nennt er das Unternehmen. Ab 20 Teilnehmern lohnt es sich. Nach oben ist die Zahl offen. Kommen die Gäste, ist das Buffet erst zur Hälfte gefüllt, denn Wrobel kocht den ganzen Abend. Während des Events entstehen so mindestens 20 verschiedene Gerichte. Sein Tipp: Sich Zeit lassen, das Essen genießen und bei der Zubereitung zuschauen. Wrobel hat dafür ein mit Holz zu befeuerndes transportables Gerät gebaut, das den originalen chinesischen Garküchen sehr nahe kommt. Weitere Gerätschaften und Kochstellen sind in Arbeit.

Alles wird frisch zubereitet und zwischendurch legt man neue Holzscheite auf. „Wenn man den Wok schwingt“, so der Chinabrenner, „kommt auch Holzrauch ans Essen und gibt ihm eine eigene Note.“

Genau genommen unterscheidet die Küche, die Wrobel seinen Gästen anbietet, zwei grundsätzliche Arten: Mian (Nudel, Mehl) und Fan (Reis). Bei Mian geht es allein ums Sattwerden. Fan zielt auf den Genuss ab. Dabei ist der Reis um so entbehrlicher, je festlicher der Anlass. Der Chinabrenner legt den Gästen immer neue Köstlichkeiten vor, die Cai (Gemüse) genannt werden – Schwein, Huhn, Tofu, Gemüse, Saucen verschiedener Art. Dabei hat der Tofu wenig mit dem zu tun, was in den 60er Jahren in Europa als kalorienarmes, fleischloses Essen aufkam. In China gibt es hunderte Sorten: scharf und mild, frisch und fermentiert, geräuchert und gebraten – vergleichbar mit der Käsevielfalt in Europa.

Bei Wrobel schlägt man sich nicht den Magen voll, sondern lässt sich Zeit, genießt beim Zusehen und Probieren. Mit Stäbchen muss bei ihm keiner essen. „Aber“, so sagt er, „auch das Essen mit Stäbchen steigert den Genuss.“

Zu den Events des Chinabrenners, der seine Kunden derzeit vor allem durch Mundpropaganda findet, gehört auch eigene Keramik, die ein befreundeter Künstler, der Waldenburger Töpfermeister Hans Grünert, speziell für den Koch kreiert und hergestellt hat – große Schüsseln mit seinem Logo, Essschalen mit einem Fingereingriff. Mit deren Hilfe trägt Wrobel die Botschaft vom Glück durch chinesisches Essen in die Welt.

Thomas Biskupek

www.chinabrenner.de

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